> > > Händel & Telemann: Water Musick HWV 348-350 & Wassermusik TWV 55
Sonntag, 18. Februar 2018

Händel & Telemann - Water Musick HWV 348-350 & Wassermusik TWV 55

Noch immer frisch


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese schöne Platte – vielleicht zum Telemann-Jubiläum – wieder vorzulegen, ist berechtigt. Das Programm zeigt zwei der barocken Schwergewichte in ihrer auch heute frappierenden Lebendigkeit. Und das Ensemble Zefiro in klasse Live-Form.

Repräsentative Prachtstücke wie die Suiten, die von Georg Friedrich Händel unter dem verbindenden Titel ‚Wassermusik’ firmieren, reizen fast alle ambitionierten Barockensembles zu einer eigenen Deutung, so auch das seit mittlerweile seit fast drei Jahrzehnten reüssierende italienische Ensemble Zefiro, gegründet von Alfredo Bernardini sowie Paolo und Alberto Grazzi. Entstanden ist die mit Georg Philipp Telemanns Ouvertüre in C-Dur, ebenfalls Wassermusik oder 'Hamburger Ebb‘ und Flut'' geheißen, gekoppelte Aufnahme bereits 2003 live in London. Nach der Erstveröffentlichung bei Naïve wurde sie schon mindestens ein weiteres Mal vorgestellt, jetzt also bei Arcana im Rahmen der fortschreitenden Kanonisierung der hochklassigen Aufnahmen Alfredo Bernardinis erneut.

Die programmatische Verschränkung mit der Abfolge Händel-Telemann-Händel überzeugt auch heute – zwei der größten musikalischen Geister jener Zeit direkt miteinander in Beziehung zu setzen lässt beider Inspiration deutlich hervortreten. Natürlich kann man bei Händel über die Entstehungshintergründe nachdenken oder bei Telemann über den konkreten Kompositionsanlass und den im Unterschied zu Händel durchaus diskutablen programmmusikalischen Kontext ausleuchten. Was allerdings auch mit großem Gewinn und ohne schlechtes Gewissen möglich ist: Man kann beide als Stimmen hören, die sich stilistisch mühelos zwischen den Traditionen zu bewegen wussten, die mit all ihrem kreativen Tun auf der Höhe der Zeit waren, zugleich dem Geschmack von Auftraggebern und Publikum nachspürend. Immer wieder hat diese Mischung solche Edelsteine hervorgebracht, die für die Ewigkeit gemacht scheinen und also auch nach 300 Jahren nichts von ihrer Strahlkraft, ihrem Glanz eingebüßt haben.

Expressiv

Das Ensemble Zefiro befand sich in jener Zeit in hervorragender Verfassung, zeigt sich spielfreudig, vereint hervorragende Einzelkönner, die sich individuell und in der Gruppe weit oberhalb kleinlicher Kritik bewegen. Dazu sind die Instrumentalisten kreativ in der immer wieder neuen Verlebendigung heikler Balancen, zieren sie ihre Partien unaufdringlich aber fühlbar deutlich aus, suchen sie nach eigenen Wegen auch in diesem sattsam vertrauten Repertoire, zum Beispiel im 'Air' der F-Dur-Händel-Suite, dessen einzelne Schichten allmählich auseinander hervorgehen – ein wirklich attraktiver Effekt. Alfredo Bernardini trifft insgesamt viele Registrierungsentscheidungen, die das Geschehen plastisch und abwechslungsreich sein lassen, mutig und vor allem kundig. Phrasiert wird knackig und kleinteilig, der komplette Satz lebt und vibriert; dazu gesellt sich ein schlichter Lyrismus, allerdings frei von jeder Süße. Musiziert wird insgesamt in differenzierten, entschieden gewählten Tempi, in feinen Gestalten, die einen klaren Sog kreieren. Das Klangbild sichert allen Stimmen eine bemerkenswerte Präsenz, es wirkt plastisch und konturklar, ist zugleich warm und edel beatmet. Sehr gelegentlich wirkt der Raumanteil schwankend – das mag Eingriffen der Postproduktion bei der Bearbeitung der Live-Ergebnisse geschuldet sein.

Diese schöne Platte – vielleicht zum Telemann-Jubiläum – wieder vorzulegen, ist berechtigt. Das Programm zeigt zwei der barocken Schwergewichte in ihrer auch heute frappierenden Lebendigkeit.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Händel & Telemann: Water Musick HWV 348-350 & Wassermusik TWV 55

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
1
02.06.2017
EAN:

3760195734322


Cover vergössern

Arcana

Michel Bernstein hat mit ARCANA eine Institution im Bereich der Alten Musik geschaffen, deren Katalog mit einer Vielzahl prominenter Namen der Alten Musik aufwarten kann, darunter prominente Namen wie Rinaldo Alessandrini, Gunnar Letzbor oder Sigiswald Kuijken. Als der Labelgründer 2006 plötzlich verstarb, schien es zunächst so, als würde dies auch unweigerlich das Ende von ARCANA bedeuten. Zum Glück entschied sich der italienische Vertrieb Jupiter zum Kauf des Labels. Selbstverständlich plant man, es im Sinne seines Gründers weiterführen. Nach und nach werden nun Aufnahmen aus dem umfangreichen Backkatalog des Labels in neuer Gestaltung wieder veröffentlicht und der Katalog durch neue Aufnahmen bewährter Künstler und von Neuzugängen (darunter Marco Beasley und das Ensemble Accordone) erweitert.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Arcana:

  • Zur Kritik... Zum Nikolaus: Zu verzeichnen ist eine schöne Wiedervorlage: Beinahe 20 Jahre haben ihr nichts anhaben können. Diese Platte von La Reverdie und I Cantori Gregoriani ist eine Alternative zum üblichen Adventsrepertoire. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Hörenswerte Mehrchörigkeit: Giovanni Croce steht in einer beeindruckend großartigen Reihe. Es ist entzückende – sicher nicht alles vor und nach ihr verschattende – Musik voller Lebendigkeit. Genauso so singen und spielen Voces Suaves und Concerto Scirocco das schöne Programm. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Chiffren: I Bassifondi vernachlässigen keinesfalls das Zarte, Zerbrechliche, kosten aber insbesondere die süffigen Harmonien bis zur Neige aus. Vor allem aber sind es fünfzig außerordentlich temperamentvolle und kurzweilige Minuten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Arcana...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Reformatorischer Urklang: Eine späte, aber umso schönere Frucht des Lutherjahres 2017: Johann Walters subtile Musik, hochkultiviert musiziert von Weser-Renaissance Bremen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Phoebus und Pan: Masaaki Suzukis Reihe mit den weltlichen Kantaten Johann Sebastian Bachs bekommt vermutlich weniger Aufmerksamkeit als die Gesamteinspielung des geistlichen Werks. Dabei sind die Kompositionen wie deren Interpretation ebenso hochklassig. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Klangmagie: Der Estnische Philharmonische Kammerchor bewegt sich bei Schnittke und Pärt wie in seinem Zuhause: Alle satztechnische Komplexität kann der Wirkung unmittelbarer Natürlichkeit bei Schnittke und Pärt nichts anhaben. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Auf der Klaviatur tanzen: Meisterhaft gelöst: Beschwingt und gar nicht kraftmeiernd legt Jalbert die halsbrecherischen Ballett-Bearbeitungen von Strawinsky und Prokofjew hin. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
  • Zur Kritik... Kulturelle Anverwandlung: Thierry Pécous Werke erweisen sich als spannende anarchische Weltenmusik, die Grenzen mühelos übergeht. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Ungehörtes: Das Monte Piano Trio portraitiert auf seiner neuesten Einspielung drei Komponistinnen. Im Mittelpunkt steht die Weltersteinspielung eines Trios von Natalie Klouda, das dieser Produktion auch den Titel gibt: 'Triptych'. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (2/2018) herunterladen (2465 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Georg Philipp Telemann: Du Tochter Zion, freue dich sehr TVWV 1:407 - Du Tochter Zion, freue dich sehr

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Winfried Rademacher im Portrait "In jedem Ton schwingt der Mensch mit, der ihn produziert"
Winfried Rademacher sucht als Geiger auch gerne Kostbares auf Nebenwegen

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich