> > > Visions: Sopranarien von Bruneau, Franck, Niedermeyer u.a.
Donnerstag, 19. Oktober 2017

Visions - Sopranarien von Bruneau, Franck, Niedermeyer u.a.

Mit Feingefühl


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Véronique Gens erweist sich als formidable Interpretin dieser weithin unbekannten französischen Preziosen. Die Sängerin scheint in vielerlei Hinsicht keine Grenzen zu kennen - ein Glück für den Hörer.

Allzu gerne gerät die Kenntnis französischer Vokalmusik der Zeit 1840-1900 zu einer Karikatur ihrer selbst. Schon mit der Nennung der Namen geht es los. So ist es umso erfreulicher, dass Véronique Gens, nach drei ‚Tragédiennes’-CDs für Virgin unter Christophe Rousset, die systematische Erkundung unbekannteren Repertoires hier fortsetzt. Beim anderen Label und mit einem anderen Orchester zwar, doch in ungeminderter höchster Qualität – kurz: exemplarisch.

Gens bietet, zusammen mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Hervé Niquet, Szenen und Arien von Alfred Bruneau, César Franck, Louis Niedermeyer, Benjamin Godard, Henry Février, Camille Saint-Saëns, Jules Massenet, Fromenthal Halévy und Georges Bizet – und eben keinen einzigen ‚Schlager’, der für gewöhnlich bemüht wird. Dabei sind Visionen mehr oder minder das verbindende Element, von denen ausgehend innige und ekstatische Äußerungen und Entäußerungen im Vordergrund stehen. Stilistisch ist die Vielfalt durchaus beachtlich, vom frühen 'Stradella' von Louis Niedermeyer bis zu César Francks 'Les Béatitudes' oder Massenets 'La Vierge'; überall aber überrascht die Musik durch hohe Qualität und unerwartete Wendungen. Jenseits Berlioz‘ und Gounods wird hier – fast en passant – ein Reichtum ausgebreitet, der nicht streng der Oper oder dem Oratorium zuzuordnen ist, sondern der vielmehr die Vielgestaltigkeit der Musik der Zeit in beachtlicher Weise erkundet. Zwar würde man im Booklettext gerne noch mehr Informationen erhalten (gerade auch zu den elf ausgewählten Werken), doch wird auch in diesem der Blick geweitet auf Werke, die in der vorliegenden Produktion nicht enthalten sind und so zur weiteren Erkundung einladen. Diese Erkundung ist durchaus gewollt, gehört die Produktion doch der Pallazzetto Bru Zane-Reihe zu, die in höchster Interpretation unbekanntes frankophones Repertoire erkundet. Über viele der Werke erfährt man fast gar nichts, etwa über Godards 'Les Guelfes', Févries 'Gismonda', Halévys 'La magicienne' oder Saint-Saëns‘ 'Étienne Marcel'; gerade bei solchen Repertoireaußenseitern wäre (außer dem mehrsprachigen Libretto) durchaus mehr Hintergrundinformation wünschenswert.

Gens und das Münchner Rundfunkorchester bieten, wie gesagt, exemplarische Wiedergaben. Gens‘ Stimme mag nicht die melancholische Verhangenheit einer Frederica Von Stade haben, keinen amerikanischen Touch einer Jessye Norman, doch ist ihre Expressionsfähigkeit allerhöchstens durch zu perfekte musikalische Gestaltung behindert. Jeden Moment spürt man das große Textverständnis, die sorgsame musikalische Ausarbeitung, die fast blinde Verbundenheit zu der Musik. Wo Felicity Lott vielleicht (durchaus werkgemäß und zu herrlichem Effekt) eine Extraportion Parfüm versprühen würde, verzichtet Gens auf jedweden Schnickschnack und lässt die Musik ganz durch sich selbst wirken. Bewundernswert dass sie keinerlei technische Beschränkungen zu haben scheint – dynamisch wie intonatorisch ist alles perfekt.

Bei so viel eitel Sonnenschein kann nur das Münchner Rundfunkorchester nicht ganz mithalten, und dies liegt nur daran, dass wir Gens als Interpretin der historisch informierten Aufführungspraxis kennen; und der Facettenreichtum, den der Orchesterklang dort bieten kann, ist hier schlicht nicht ganz möglich. Niquet kennt natürlich das Repertoire und dessen Möglichkeiten, so ist die Kompensation auf sehr hohem Niveau. Die stilbewusste Wiederbegegnung mit Francks 'Béatitudes' und 'Rédemption', Davids 'Lalla-Roukh', Massenets 'La vierge' (vor langer Zeit in Montpellier wiederbelebt) und Bizets 'Clovis et Clotilde' reizt zur Wiederaufsuchung der bislang vorliegenden Gesamteinspielungen; und die Hoffnung sei hier ausgesprochen, dass das eine oder andere hier angedeutete Werk in nicht ferner Zukunft eine Gesamteinspielung erfährt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Visions: Sopranarien von Bruneau, Franck, Niedermeyer u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
02.06.2017
EAN:

3760014192791


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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