> > > Pilar Lorengar: Voice & Mystery: Ein Film von Arturo Méndiz
Sonntag, 20. August 2017

Pilar Lorengar: Voice & Mystery - Ein Film von Arturo Méndiz

Dokumentation mit viel Mystery, aber wenig Voice


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Privatperson Pilar Lorengar ist mit vorliegender Dokumentation ein wenig der geheimnisumwitterten Aura entrissen. Eine Pilar Lorengar-Dokumentation, die ihre Kunst und vor allem ihre Stimme thematisiert und detailliert beleuchtet, steht noch aus.

Im Juni 1996 verstarb in Berlin, für die Opernwelt gänzlich unerwartet, die spanische Sopranistin Pilar Lorengar mit gerade einmal 68 Jahren. Selbst für Freunde und Verwandte kam die Nachricht ihres Todes überraschend – von ihrer Krebserkrankung wusste nur ihre allernächste Umgebung. Der Nachwelt hat Lorengar eine Vielzahl an Aufnahmen und Erinnerungen an unvergessliche Opernabende hinterlassen, die sie zweifelsohne zu einer der bedeutendsten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts machen.

Beim Label Arthaus ist nun ein 55-minütiger Dokumentarfilm über Pilar Lorengar erschienen; er trägt den Untertitel ‚Voice & Mystery‘. Der Autor und Regisseur Arturo Méndiz beleuchtet dabei vornehmlich die Privatperson Lorengar, die vielen Zeitgenossen trotz ihrer Herzlichkeit und Lebensfreude als unnahbar gilt. Zu diesem Zweck gewährt die Akademie der Künste Einblicke in den erst kürzlich katalogisierten Nachlass der Künstlerin: Fotos, Zeitungsartikel, Rezensionen und persönliche Dokumente. Für den Zuschauer formt sich nachvollziehbar das Bild einer hart erkämpften Karriere. Aus ärmlichsten Verhältnissen stammend, verfolgt die junge Pilar Lorengar über zahlreiche Umwege ein fremdfinanziertes Gesangsstudium und gelangt in Begleitung ihrer Mutter schließlich nach Berlin, wo sie zum umjubelten Star wird. Berlin bleibt ihre zweite Heimat. Von hier aus gastiert sie in aller Welt, bleibt aber ‚ihrem’ Berliner Publikum ein Leben lang treu.

Die privaten Schicksalsschläge, wie den Tod zweier Brüder, die Freigabe zur Adoption eines dritten Bruders, ihre recht unglückliche Ehe mit einem deutschen Zahnarzt und die beständige Angst, sich anderen Menschen restlos zu öffnen, bezeugen besonders eindrücklich ihre Stieftochter, ihre beiden überlebenden Brüder und eine enge Freundin. Opernkollegen kommen auch zu Wort, wenn auch auf eher professioneller Ebene: Karan Armstrong, Jesús López-Cobos und Teresa Berganza. Ihr Tenor ist letztlich: Pilar Lorengar war eine liebenswerte Kollegin, von deren Privatleben man so gut wie nichts wusste.

Und hier erschöpft sich der Film dann auch. Das Bild vom unglücklichen Aschenputtel wird über weite Strecken überstrapaziert, wenngleich sich jegliche Verklärung und tief empfundene Liebeserklärung beispielsweise ihrer Stieftochter jeglicher Kritik entziehen. Das ist authentisch und teilweise sogar anrührend. Ebenso spannend sind die kurzen Interview-Ausschnitte mit Pilar Lorengar selbst: ihre Sprechstimme, ihr gewinnendes Wesen. Arturo Méndiz hat mit viel Gefühl versucht, Lorengars Lebensweg und ihre Persönlichkeit in Bild und Wort zu fassen. Der Untertitel der DVD verspricht aber etwas anderes.

‚Mystery’ meint vermutlich den Umstand, dass niemand wirklich hinter Lorengars lebensfrohe Fassade schauen konnte und dass sich ein im Grunde des Herzens tieftrauriger, aber starker Mensch dahinter verbarg. Das Thema ‚Voice’ ist aber irritierenderweise nahezu konsequent ausgeklammert – und gerade hier wird es für Opernliebhaber und Lorengar-Fans nicht weniger interessant. Gerade mal Teresa Berganza erwähnt in einer kurzen Passage das typische schnelle Tremolo in Lorengars Stimme, das nach Berganzas Einschätzung ihre Tonschönheit und ihren Reiz nur noch vergrößert habe. Ansonsten enden Anmerkungen zu Lorengars Kunst in bloßen Feststellungen wie: ‚Sie war eine großartige Schauspielerin’ oder ‚Tosca war ein für ihre Stimme ein Risiko’.

Bei den wenigen Musikausschnitten, die die DVD enthält, bleibt der Zuschauer sich selbst überlassen. Sie zeichnen noch nicht einmal die Karriere von Pilar Lorengar gebührend nach. Ihre Elsa in 'Lohengrin', ihre Suor Angelica, die Marguerite in 'Faust' oder Tatjana in 'Eugen Onegin' werden nicht einmal erwähnt. Man sieht und hört einen Ausschnitt aus einer Zarzuela, die Lorengars erste Karrierestation repräsentiert und endet mit Fotos von ihrem letzten Triumph in Meyerbeers 'Les Huguenots' in Berlin. Dazwischen blitzen kurz Filmaufnahmen einer 'Tosca'-Probe mit Maazel, 'Don Carlo', 'Don Giovanni' und Dvoráks 'Als die alte Mutter' aus einem späten Berliner Liederabend auf – allesamt mit inhaltlichem Bezug verwendet, um das Seelenleid Lorengars musikalisch zu untermalen: die Betrogene, die Introvertierte, die von der Mutter geprägte.

Die Privatperson Pilar Lorengar ist mit vorliegender Dokumentation ein wenig der geheimnisumwitterten Aura entrissen. Eine Pilar Lorengar-Dokumentation, die ihre Kunst und vor allem ihre Stimme thematisiert und detailliert beleuchtet, steht noch aus.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Pilar Lorengar: Voice & Mystery: Ein Film von Arturo Méndiz

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
28.04.2017
EAN:

4058407093312


Cover vergössern

Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Arthaus Musik:

  • Zur Kritik... 5000 Liter Wasser: Alexander Ekman setzt sich in seinem ersten abendfüllenden Stück mit Tschaikowskys 'Schwanensee' auseinander. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Stattliche Portion Tschaikowsky: Wladimir Fedossejews großer Tschaikowsky-Zyklus, 1991 in Frankfurt für das Fernsehen aufgezeichnet, ist noch heute ausgesprochen beeindruckend. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Postbarock: Diese Produktion zweier Messen von Haydn und Weber liegen nicht unbedingt stilistisch, aber qualitativ weit auseinander. Die abschließende Bewertung ist also als Durchschnitt zu lesen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Arthaus Musik...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Dunkles Ritterepos: Diese neue 'Schöne Magelone' ist zweischneidig in ihrer Wirkung: Auf der einen Seite lädt sie nicht wirklich zum Mitfiebern oder Angesprochensein ein. Auf der anderen Seite ist sie zumindest in ihrer konsequenten Schwermut und Düsternis bemerkenswert. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Dramatische Leidenschaft: 'Leuchtende Liebe' ist mit einer Laufzeit von gerade mal 54 Minuten eine nicht sehr lange, aber wirkungsvolle Empfehlung an alle großen Opernhäuser, die vielversprechenden dramatischen Nachwuchs suchen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Barenboim legt nach: Dieser 'Dream of Gerontius' punktet mit einem muttersprachlichen Ensemble und erstklassigem Klang. Wer bei Elgars Oratorium einen unaufgeregten, fast schon schlichten Zugriff bevorzugt, kommt hier klar auf seine Kosten. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Die vierte Neunte: Historisch wertwoll mit leichter klangtechnischer Patina: Das NDR Sinfonieorchester spielt unter Kurt Sanderling Mahlers Neunte. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Hörenswerte Erstaufnahme: Belcanto in Hochform macht die Wiederentdeckung dieser venezianischen Oper zum außergewöhnlichen Hörgenuss für alle Opernfreunde, die auf der Suche nach musikalischem Neuland sind. Weiter...
    (Sonja Jüschke, )
  • Zur Kritik... Rauschhaft und vielfarbig: Eine wunderbare Hommage an Skrjabin gelingt Maria Lettberg mit ihrer neuen CD, in der sie mit Fokus auf das musikalische Davor und Danach Skrjabin impressionistische Meisterwerk "Poéme de l´extase" umso wirkungsvoller in Szene setzt Weiter...
    (Michaela Schabel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (2/2017) herunterladen (0 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (7/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Feliks Nowowiejski: Quo Vadis - The Lord be with thee...

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich