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Montag, 28. September 2020

Dean & Francesconi - Trompetenkonzerte

Trumpet Heroes


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Håkan Hardenberger und das Gothenburg Symphony Orchestra unter John Storgårds glänzen mit zwei zeitgenössischen Trompetenkonzerten.

Der Hörer sieht zunächst einmal ein gewitztes Booklet, auf dem sich, karikaturhaft in ihren charakteristischen Zügen angedeutet, vier bekannte Gestalten tummeln, die sich zu einem Marsch zusammengefunden habe: Angeführt werden sie von dem rechts abgebildeten Charlie Chaplin mit roter Fahne – nicht zu Unrecht denkt man hierbei an die unfreiwillige Rolle als Anführer einer Demonstration in 'Modern Times' –, gefolgt von dem cool seine Trompete nach unten richtenden Miles Davis, einem nicht näher bestimmten Mann im Superhelden-Outfit (dessen Farbgebung allerdings an Batman erinnert) und schließlich einer als William Shakespeare identifizierbaren Gestalt mit dem Totenschädel als Accessoire Hamlets in Händen. Was dieser Aufmarsch von im kulturellen Gedächtnis verankerten Figuren zu bedeuten hat, wird deutlicher, wenn man sich die beiden Trompetenkonzerte anhört, die der Solist Håkan Hardenberger und die Gothenburg Symphony unter Leitung von John Storgårds auf dieser Produktion versammelt haben.

An erster Stelle steht das 2013 für Hardenberger komponierte Trompetenkonzert 'Dramatis personae' von Brett Dean (*1961), das, dabei auf die Topoi der Trompete als Signal-, Kriegs- und Rufinstrument zurückgreifend, den Trompeten als Helden inszeniert und den musikalischen Verlauf an einer durch Satztitel umrissenen, aber gleichwohl nie völlig konkret werdenden Geschichte inszeniert. Der 'Fall of a Superhero' beginnt, dem Geräusch eines Schnalzens gleich, mit leisen Schlagzeugzeugaktionen und einem langen orchestraler Crescendo-Anlauf, bevor die Trompete mit einem fanfarenartigen Thema einsteigt. Hardenberger spielt schnörkellos und klar, stellt die rhythmisch akzentuierte Thematik in den Raum, die einzelnen Phrasen gelegentlich in Glissandi abfallen lassend. Er verdichtet – den Titel des Satzes als Orientierung nutzend – Deans Musik zu einer Erzählung, in der auch ein mit vierteltönigen Lamentoschritten angereicherter Klageausdruck seinen Platz hat.

Folgerichtig schließt sich die 'Soliloquy' als großer Klagegesang an: Ausgehend von einem mikrointervallisch aufgespaltenen Klangfeld der Flöten entwickelt sich ein zarter melodischer Bogen, vielfach abschattiert und durch einen harmonisch zunehmend dichteren Orchestersatz unterstützt, von Dean schließlich zu einer dramatischen Verdichtung geführt. Hadenbergers Tongebung, der vibratolose Ansatz, der sich allmählich in Vibratonuancen hineinfindet, um dann wieder in eine nahezu starre Tonhöhe und später in den Höhepunkt einer schwebenden, kadenzartigen Passage zu mündet, findet hier sein ureigenstes Ausdrucksmittel. Im Finale ('The Accidental Revolutionary'), durch eine Überleitung voll unterschwelliger Erregtheit erreicht, wendet Dean diese Stimmung und führt sie – Erinnerung aus einer anderen Zeit – mit ironischer Brechung in ein leises Zitat im barockem Aufmarschgestus über, auch hier dem Hörer durchaus augenzwinkernd die Möglichkeit gebend, die musikalische 'Geschichte' mit Inhalten zu füllen und den in den tiefen Registern fast verendenden Trompetenpart für sich zu deuten.

Das Trompetenkonzert 'Hard Pace' (2007) von Luca Francesconi (*1956) bildet insofern einen Kontrast zu Deans Komposition, als es in musiksprachlicher Hinsicht einer ganz anderen Ästhetik folgt. Dennoch tauchen auch hier charakteristische Klangtopoi auf, die kulturhistorisch mit dem Soloinstrument verknüpft sind. Hardenberger ist hier auf ganz andere Weise gefordert, da. So beginnt der Kopfsatz zwar mit einem Signal, das an einen Trauermarsch denken lässt, sich dann aber in Klangfarbenfäden des Orchesters auflöst. Hardenberger ist dadurch auf ganz andere Weise gefordert, weil der Trompetenpart klangfarblich viel stärker in das Gesamtbild integriert ist als bei Dean, obgleich auch hier auf immer wieder ein deklamatorischer Vortrag gefragt ist. Im zweiten Satz setzt sich der Trauercharakter deutlicher durch, Streicher schattieren den Solopart ab, verleihen ihm eine Hülle und lassen in dadurch profilierter erscheinen. Dass das Werk dennoch auch Gemeinsamkeiten zur Deans 'Dramatis personae' Komposition des Kollegen aufweist, verdankt sich der einkomponierten Bezugnahme, die Francesconi zwischen dem langsamen Satz und dem Finale mit deutlichem Verweis in die Gesamtform einlässt und als 'Miles' bezeichnet, eine Passage von ätherischer Schönheit, in welcher das Orchester um einzelne Trompetentöne ein zartes Gespinst webt.

Das Label BIS hat auch diesmal wieder ganze Arbeit geleistet und dürfte – unterstützt durch die außerordentlichen Qualitäten von Hadenbergers Spiel – dem zeitgenössischen Trompetenkonzert mit dieser prominent besetzten Veröffentlichung einen großen Gefallen getan haben. Die Klangqualität der SACD ist sehr gut und weist auch in der normalen Stereoabtastung eine differenzierte räumliche Staffelung auf. Dadurch lassen sich die einzelnen Klangschichten der Werke extrem gut wahrnehmen, ohne dass dabei der Gesamtzusammenhang zwischen den einzelnen Komponenten verloren geht. Ergänzt wird die Produktion um einen sehr informativen, wenn auch im Vergleich zu vergleichbaren Produktionen des Labels eher kurzen Bookletbeitrag, der die Eigenarten beider Trompetenkonzerte knapp auf den Punkt bringt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dean & Francesconi: Trompetenkonzerte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
10.05.2017
Medium:
EAN:

SACD
7318599920672


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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