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Donnerstag, 21. September 2017

Herzogenberg, Heinrich von - Klaviertrios

Herzogenberg 2.0


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Vienna Piano Trio tritt den Beweis an, dass manchmal als kompositorische Schwächen angesehene Eigenheiten in lebhafter Umsetzung und Einbettung durchaus als besondere Qualität erfahrbar werden können.

Die Klaviertrios Heinrich von Herzogenbergs (1843–1900) sind auf Tonträger keine Neulinge. 1876 bzw. 1882 entstanden, atmen beide Werke die Freundschaft Brahms‘, ohne epigonal zu sein, auch wenn sie äußerlich traditionellen Konzepten folgen – diese allerdings immer wieder unterschwellig unterlaufen und so zu durchaus eigenständigen Lösungen kommen.

Während ein Kollege an der Einspielung des ATOS Trios gelegentliche Richtungslosigkeit des musikalischen Ansatzes bemängelte, lässt sich dies von der Neueinspielung mit dem Wiener Klaviertrio nicht sagen. Die drei seit 1988 zusammenarbeitenden Musiker legen ausgesprochen dichte, dramatisch steigernde, hymnisch ausufernde, aber wo erforderlich lyrisch-zarte und melancholisch-verhaltene Interpretationen der beiden Werke an den Tag. Die SACD-Aufnahmetechnik lässt David McCarroll (Violine), Matthias Gredler (Violoncello) und Stefan Mendl (Klavier) genug Platz zum Atmen (die Abtei Marienmünster ist ein beliebter Aufnahmeort) und unterstützt gleichzeitig die Konzentration der Interpretation; da vereinzelt nichts, da kommt das zusammen, was zusammengehört, in größtmöglicher Klarheit bis zum stärksten Fortissimo, das nicht erschlagend und formalistisch leer klingt. Auch die vom Kollegen angemerkten ‚abgeschmackten’ Sextparallelen im Schlusssatz des c-Moll-Trios erfahren lebendige und überzeugende Deutung, werden sozusagen die kompositorischen Schwächen als interpretatorische Schwächen der Vorgänger-Iinterpretation entlarvt.

Die Herzogenberg-Gesellschaft scheint die SACD als legitimes Nachfolgeprodukt der cpo-Einspielung zu verstehen; so führt der ebenfalls von cpo verwendete Einführungstext des Herzogenberg-Spezialisten Dr. Bernd Wiechert auch hier in die Werke ein. Leider erhält das Covergemälde "Sommerabend auf dem Barkenhof" (1905) von Heinrich Vogeler, das zeitlich nicht recht zu den eingespielten Trios passt, keinen Nachweis im Booklet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Herzogenberg, Heinrich von: Klaviertrios

Label:
Anzahl Medien:
MDG
1
EAN:

760623201764


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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