> > > Dvorák, Antonín: Sinfonie Nr. 9 und Slawische Tänze arr. für Klavier zu vier Händen
Samstag, 25. November 2017

Dvorák, Antonín - Sinfonie Nr. 9 und Slawische Tänze arr. für Klavier zu vier Händen

Vier Hände für das Himmelreich


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Klügere Hände sind selten zu Ohren gekommen.

Sontraud Speidel und Evelinde Trenkner haben Dvořáks 'Slawische Tänze' op. 46 eingespielt – wahrlich ein ‚Klassiker’ des Repertoires für Klavier zu vier Händen – und dessen Neunte Sinfonie e-Moll – ein ‚Klassiker’ auch dies, wiewohl für Orchester: Man zögert, den Silberling einzulegen. Ob sich Dvořáks Kantilenen, für Streicher und Holz komponiert, auf dem Klavier wiedergeben lassen?

Das Orchester wird nicht vermisst – die vertikale Struktur der Akkorde, die horizontale der Phrasen ist niemals heller ausgeleuchtet worden: Ein Röntgenbild, doch lebhaft und munter. Rhythmische Pointierung und sinnvoll raffende Tempi fügen zusammen, was zusammengehört. Themen wandern trittsicher durch die Register, bei Wiederholung achtsam abgetönt.

Dem Lied des Englischhorns im 'Largo' der Neunten bleibt man nichts schuldig. Wer so zu phrasieren versteht, meistert jedes Tempo, sei es auf Dudelsäcken oder Maultrommeln. Auch Fingervibrato macht Freude.

Die 'Slawischen Tänze' sind überzeugend gelungen.Vier Hände schwingen das Tanzbein – ohne auf Jahrmarktseffekte zu schielen: Einige Tempi sind ungewöhnlich verhalten. (Stretta-Effekte fallen umso packender aus.) So gibt sich Nr. 6, 'Sousedská', mehr ‚poco‘ als ‚allegro‘. Sie tänzelt in zierlichen Schritten umher. Herz und Hirn haben alle Zeit, harmonischen Verläufen nachzulauschen. Dies ist weder Volks- noch -tümliche Musik – so wenig wie die Walzer Straussens –, sondern geistreich-gewitztes Vergnügen, das scharf gespitzte Ohren verlangt. Wo mindere Künstler zu dröhnen und donnern beginnen – Nr. 8, 'Furiant' – wahren Speidel und Trenkner aristokratische Contenance und tupfen feine rhythmische Effekte auf die Tasten.

Dies ist ein Steinway Concert Grand Piano D des Jahres 1901, ein Zeitgenosse Dvořáks. Der Klang ist zarter, weniger verpanzert als gewohnt. Die Tasten scheinen leicht anzusprechen, die Register befinden sich im Gleichgewicht. Speidels und Trenkners Anschlagskunst ist distinguiert, der Flohzirkus der zwanzig Finger stechuhrscharf getaktet, ohne dass man verkrampfte.

Musikproduktion Dabringhaus und Grimm bezeichnet sich selbstbewusst als audiophiles Label. Falsch ist die Zuschreibung nicht. Es handelt sich um eine ‚unverfälschte Wiedergabe‘ mit genauer Tiefenstaffelung, originaler Dynamik und natürlichen Klangfarben.

Es werden mehr als genug Aufnahmen solchen Repertoires angeboten. Trotzdem war diese Produktion nötig: zur klanglichen, geistigen und emotionalen Entfettung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorák, Antonín: Sinfonie Nr. 9 und Slawische Tänze arr. für Klavier zu vier Händen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
30.06.2017
EAN:

760623200767


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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