> > > The Cunning Little Vixen: The animated film of Janácek´s opera
Freitag, 24. Mai 2019

The Cunning Little Vixen - The animated film of Janácek´s opera

Kent, Du hast den Fuchs bestohlen


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Oper als Zeichentrickfilm umzusetzen, blieb bislang eine absolute Ausnahme, und Geoff Dunbars Verfilmung von Janaceks ?Das schlaue Füchslein? ist eine davon. Aber die Idee dazu kommt nicht von ungefähr: Tatsächlich ließ sich der Komponist damals durch eine Bildergeschichte in einer Zeitung zu seinem Werk inspirieren. Gerade daher schien das Wagnis einer Trickfilmumsetzung legitim. Der BBC-Film entstand bereits 1996 und ist 2003 bei Opus Arte auf DVD erschienen. Traurigerweise aber ? da der Film für das Fernsehen gemacht wurde ? musste die mehr als anderthalbstündige Oper um gut vierzig Minuten gekürzt werden. Eine schwierige Aufgabe für Kent Nagano, der bei dieser Produktion die musikalische Leitung innehatte.

Die Oper erzählt die Geschichte einer Füchsin, angefangen mit Kindheit und Jugend, weiterführend über Reife und Erwachsensein bis hin zum Tod (in diesem Falle durch einen Gewehrschuss). Dem Lebensweg der Füchsin sind mehrere charaktervolle Menschengestalten gegenübergestellt. Besonders die Figur des Försters reflektiert das Geschehen und macht die Metaphorik um Vergehen und Erneuern, Jugend und Alter, Liebe und Glück deutlich. Die zweckmäßige Zusammenstreichung der Oper ist nun wohl das Schmerzlichste an der gesamten Ausführung. Sämtliche menschlichen Handlungsstränge wurden entfernt, so dass im Wesentlichen nur mehr die Tierszenen übrig blieben und die Menschen als Statisterie erscheinen. Die zahlreichen Analogien zwischen Menschen- und Tierwelt fielen damit komplett weg oder wurden unkenntlich. Es ist unverständlich, warum für diesen Fernsehfilm unbedingt ein Drittel der Oper wegfallen musste.

Ein reizvoller Ansatz ist hingegen die Umsetzung mit sprechnahen, nur ansatzweise gesungenen Stimmen. Hier hat man aber in mehrerlei Hinsicht danebengegriffen: Zunächst produzierte man den Film ausschließlich in englischer Sprache. Dass dabei geradezu lächerlich modernistische Übersetzungen ins Spiel kamen, ist nur ein weiterer Kritikpunkt. Gerade bei einem Trickfilm sollte es möglich sein, eine synchronisierte Fassung im Original und in zumindest einer weiteren europäischen Sprache herzustellen, zumal das Bildschirmgeschehen ja auch mit Geräuscheffekten unterlegt ist. Stattdessen ärgert man sich über die schlampig übersetzten Untertitel (die zumindest auf Deutsch, Französisch und Spanisch verfügbar sind). Ferner sind die Partien mit mittelmäßigen bis unerfreulichen Stimmen besetzt.

Es ist jedoch nicht alles schlecht an dieser Verfilmung. Das Defizit der umfangreichen Kürzungen und der einseitigen Sprachwahl wird nahezu ausgeglichen durch die zauberhaften Zeichnungen aus der Feder von Geoff Dunbar. Ein kurzer, aber eindrucksvoller Dokumentarfilm über seine zweijährige Arbeit ist als Extra auf der DVD zu sehen. Außerdem kann man auch andere Erstellungsphasen des Films mitverfolgen, beispielsweise die Rohzeichnungen oder das Storyboard, was für Freunde des Trickfilms und des Zeichnens sicherlich eine besondere Attraktion darstellt. Außerdem dominieren in dieser Produktion die Bilder derart, dass man fast die ausgezeichnete musikalische Leistung des Berliner Symphonie-Orchesters unter Nagano zu schätzen vergisst. Es scheint, dass die Musik zugunsten der Bilder in den Hintergrund gerückt ist. Man kann sich darüber streiten, ob die Trickfilmumsetzung letztlich gelungen ist oder nicht. Ihre Reize hat sie sicherlich, und besonders Kinder dürften sich von den bunt bebilderten Tiergeschichten angesprochen fühlen. Dass sich aber auch der Opernfreund damit zufrieden gibt, bleibt zu bezweifeln.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:





Kritik von Torsten Roeder,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    The Cunning Little Vixen: The animated film of Janácek´s opera

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
Veröffentlichung:
Opus Arte
1
75:00
2003
BestellNr.:

OA 0839 D


Cover vergössern

Janácek, Leos


Cover vergössern

Opus Arte

Opus Arte ist eines der weltweit führenden DVD-Labels. Spezialisiert auf Oper und Tanz, enthält unser Katalog eine Vielzahl musikalischer Erfahrungen. Angefangen bei der Grand Opera hin zu märchenhaften Balletten, von zeitgenössischem Tanz hin zu Künstlerporträts - und nicht zu vergessen zu einer Party im rückseitigen Garten ihrer Majestät!
Stets ist es unser Bestreben Ihnen kulturelle Ereignisse in bestmöglicher Qualität nach Hause zu bringen. Alle Neu-Veröffentlichungen werden im Widescreen-Format mit True-Surround-Sound und der zusätzlichen Option einer exzellenten Stereo-Tonspur produziert. Interessantes Zusatzmaterial füllt die DVD bis zur Kapazitätsgrenze. Midprice-Serien wie die -La Scala Box- und -Faveo- öffnen den Blick auf klassische Archivaufnahmen von den führenden Opernhäusern der Welt in außergewöhnlicher Qualität. Opus Arte ist immer auf der Höhe der stets schneller voranschreitenden technischen Entwicklung, manches Mal sind wir ihr auch einen Schritt voraus. Bereits vor sieben Jahren begannen wir mit der Produktion in High Definition und verfügen somit über einen sehr großen Katalog an Titeln, der nur darauf wartet veröffentlicht zu werden. Mit -Schwanensee- veröffentlichte Opus Arte als erstes Klassik DVD Label einen Titel im Format HD DVD. Auch ein Besuch unserer Website lohnt stets: Sie erhalten dort aktuelle Nachrichten, Besprechungen, exklusive Fotos, Trailer und zahlreiche Details zu unseren Produktionen aus erster Hand.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Opus Arte:

  • Zur Kritik... Ohne Schnickschnack: Eine szenisch solide, musikalisch eher durchwachsende 'Bohème' aus London. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Darstellerisch profiliert: Darstellerisch herausragende Interpretation von Brittens erster Kammeroper 'The Rape of Lucretia', musikalisch aber keine neue Referenz. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Theatermusik: Die 2009 aufgezeichnete Aufführung aus Bayreuth kann weniger durch stimmlichen Wohlklang als vielmehr durch Lebendigkeit und Inhalt überzeugen. Robert Dean Smith ist für diesen positiven Eindruck maßgeblich verantwortlich. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Opus Arte...

Weitere CD-Besprechungen von Torsten Roeder:

blättern

Alle Kritiken von Torsten Roeder...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Charakterisierungskunst: Andreas Haefliger will uns Altbekanntes in neuem Licht erscheinen lassen. Auch wenn das teils fragwürdige Ergebnisse zeitigt – spannend ist es immer. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
  • Zur Kritik... 'Indianer'-Triptychon: Die vorliegende Einspielung von Rameaus 'Les Indes galantes' bringt fürs Kennenlernen alles mit, was man sich wünscht: hörbaren Spaß an barocker Theatralik und bei aller Schönheit einen hohen Unterhaltungswert. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Vollblut-Kammermusiker unter sich: Dieser Einspielung gelingt ein lohnender Blick auf das Frühwerk von Richard Strauss. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2019) herunterladen (2900 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Erich Wolfgang Korngold: Eine Nacht in Venedig - Finale I

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich