> > > Dance Fantasies: Virtuosen-Klavierwerke von Rameau, Czerny, Chopin u.a.
Mittwoch, 17. Juli 2019

Dance Fantasies - Virtuosen-Klavierwerke von Rameau, Czerny, Chopin u.a.

Virtuosenfutter


Label/Verlag: Antes Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Platte fasst viele heiße virtuose Eisen an - ohne sich daran zu verbrennen.

‚Dance Fantasies‘ lautet der Titel des neuen, bei Antes erschienenen Albums der georgisch-deutschen Pianistin Catherine Gordeladze. Außergewöhnlich, was das Repertoire betrifft und technisch überaus anspruchsvoll ist die Auswahl der darauf enthaltenen Stücke, mit der sie chronologisch und stilistisch eine Zeitreise vom Barock bis ins 20. Jahrhundert unternimmt.

Den Ansprüchen gewachsen

Werke von Rameau auf dem modernen Konzertflügel salonfähig gemacht hat der seinerzeit noch als Geheimtipp geltende, inzwischen zum Superstar (wider Willen) avancierte Grigory Sokolov. Dessen Interpretation von 'Les Sauvages' bleibt nach wie vor einzigartig, unter den Kollegen, die das Stück seither aufgegriffen haben (etwa Alexandre Tharaud) kommt Gordeladze dem Niveau Sokolovs aber tatsächlich am nächsten – nicht das schlechteste Kompliment innerhalb der Branche. Dass es sich lohnt, sich mit Rameau auf zeitgenössischen Instrumenten auseinanderzusetzen, hat unter den Komponisten schon Leopold Godowsky (1870-1938) an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert erkannt und zwei Bearbeitungen von Tanzsätzen arrangiert. Wem der Name Godowsky etwas sagt, weiß, dass mit dessen Werken meist extrem hohe technische Anforderungen verbunden sind, die man den Stücken – worin gerade eine der Tücken liegt – oftmals gar nicht anhört. Gordeladze erweist sich diesen Ansprüchen jedoch als gewachsen, und zwar nicht nur hier, sondern auch in der weiteren Godowsky-Transkription von Isaac Albéniz’ Tango D-Dur op. 165/2 und Godowskys Eigenkomposition 'Alt-Wien'. Letztere haben in Vorreiter-Rollen Boris Berezovsky oder auch Marc-André Hamelin ins Konzertrepertoire integriert, hinter dem verschlagenen Wiener Schmäh deren beider Deutungen bleibt Gordeladze allerdings etwas zurück.

Ganz vorn mit dabei

Nicht weniger kerniges Virtuosenfutter sind die zahlreichen Bearbeitungen Sergej Rachmaninovs, deren Gordeladze sich drei ausgesucht hat. Die Kombination aus den Kreisler-Adaptionen von 'Liebesleid' und 'Liebesfreud' bewältigt sie technisch souverän, zudem gelingt es ihr durchgehend, überaus lebendige musikalische Akzente zu setzen. Rubati oder verschärfte Akzentuierungen wirken dabei niemals aufgesetzt, sondern musikalisch klug und schlüssig dosiert. Unter den kursierenden Aufnahmen (z.B. von Boris Berezovsky, Vadim Kholodenko, Vladimir Ashkenazy, Olga Kern) ist sie damit ganz vorn dabei. Auch Chopins drei Walzern op. 34/1 und 2 sowie op. 18 haucht sie permanent kreative Impulse ein und findet neue, ganz eigene Artikulationsaspekte und musikalische Formulierungen. Ravels 'La Valse' bewältigt sie ebenfalls mit souveräner Bravour.

Mit Carl Czernys Walzer-Variationen op. 12 und Franz von Vecseys (1893-1935) 'La Valse triste' (bearbeitet von György Cziffra) finden sich auf dem Album noch zusätzliche Raritäten, die bei Gordeladze ebenfalls von omnipräsenter Verve durchdrungen und in guten virtuosen Händen sind. Trägheit oder Statik gibt es hier nicht, bei ihr führen fast alle Phrasen ein vitales, inspiriertes Eigenleben. Zum noch dazu informativen Booklet kommt eine hohe Tonqualität.



Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Dance Fantasies: Virtuosen-Klavierwerke von Rameau, Czerny, Chopin u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Antes Classics
1
26.05.2017
Medium:
EAN:

CD
4014513033529


Cover vergössern

Antes Classics

Zu Beginn der 90er Jahre wurde die ANTES EDITION gegründet, in der hochwertige E-Musik auf Tonträger und im Notendruck erscheint unter dem Motto: Hohe Qualität, unvergleichliches Repertoire und Förderung junger Talente. So wird Komponisten und ausübenden Musikern ein kreatives und aktives Forum der klassischen Musik geboten. Veröffentlicht wurden bisher mehr als 250 CD-Produktionen mit ausgefallenen Kammermusikwerken und herausragenden Interpretationen des bekannten Repertoires. Einen besonderen Schwerpunkt stellt eine Reihe zeitgenössischer Werke aus Estland dar. Gerade die Tatsache, dass Estlands Avantgarde nicht an der Richtschnur westlicher Tendenzen in der Neuen Musik zu messen ist, macht sie so interessant.

Eine Vielzahl hervorragender Kritiken und Informationen wurden publiziert.

ANTES EDITION ist ein Label der BELLA MUSICA EDITION JÜRGEN RINSCHLER


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Antes Classics:

  • Zur Kritik... Vielfalt in Artikulation, Dynamik und Expressivität: Nordeuropäische Orchestermusik präsentiert die Württembergische Philharmonie Reutlingen. Dirigiert von Ola Rudler interpretiert sie Werke von Edvard Grieg und Lars-Erik Larsson und zeigt dabei vor allem eines: bemerkenswerten musikalischen Ausdruck. Weiter...
    (Miriam Thaler, )
  • Zur Kritik... Gelungenes Wagnis: Joachim Enders und Manfred Bockschweiger reichern Mussorgskys 'Bilder einer Ausstellung' mit neuen Farben an und präsentieren dabei eine enorme Spannweite an musikalischen Facetten, die auf der Orgel und auf der Trompete möglich sind. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Lieder eines echten Europäers: Obgleich zu Lebzeiten hoch geachtet, stößt man heute im Musikalltag nicht mehr oft auf den Namen Giacomo Meyerbeer. Das Duo Andrea Chudak und Andreas Schulz holt nun die Lieder Meyerbeers eindrucksvoll zurück. Weiter...
    (Robert Pfretzschner, )
blättern

Alle Kritiken von Antes Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Thomas Gehrig:

  • Zur Kritik... Akzentfrei Französisch: Aleksey Semenenko und Inna Firsova landen mit ihrem Debüt-Album einen Volltreffer. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Referenzcharakter: Mozarts symphonisches Vermächtnis in einer ganz großen Interpretation. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Doppelfunktion: Nikolaj Szeps-Znaider als Solist und als Dirigent - dieses Mozart-Konzept geht voll auf. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle Kritiken von Thomas Gehrig...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Klingende Jahreszeiten: Dmitri Kitajenko gibt mit der Zagreber Philharmonie eine Lehrstunde in musikalischer Poesie. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Ausdruckstiefes Meisterwerk: Wolfgang Rihms 2017 uraufgeführte 'Requiem-Strophen' in einer geradezu mustergültigen Interpretation unter der Leitung von Mariss Jansons. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Schwabenbass-Legende: Auf den ersten Blick mag es so scheinen, als wäre dieses Porträt Gottlob Fricks eine Wiederauflage der ewig gleichen Frick-Highlights, aber es gibt bei genauerem Hinsehen und Hinhören eben doch noch eine ganze Menge 'Neues' zu entdecken und zu genießen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Reizenstein: Piano Concerto op.37 No.2 in F - Andante tranquillo

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich