> > > Bohemia: Kammermusikwerke von Haas, Janácek, Foerster und Zemlinsky
Dienstag, 20. Februar 2018

Bohemia - Kammermusikwerke von Haas, Janácek, Foerster und Zemlinsky

Gegenentwurf zum Streichquartett


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Acelga Quintett brilliert mit böhmischen Bläserwerken des frühen 20. Jahrhunderts von Haas, Janáček, Foerster und Zemlinsky.

Die Besetzung ist quasi der Gegenentwurf zum Streichquartett: Beim Bläserquintett besteht der Reiz nicht zuletzt darin, dass alle Instrumente klanglich klar zu unterscheiden sind: Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott haben sehr verschiedene charakteristische Klangfarben. Beim Acelga Quintett klingen die Soli der einzelnen Instrumente sehr angenehm und im Ensemble gleichermaßen rund. Im 1929 komponierten Quintett op. 10 von Pavel Haas findet sich im zweiten Satz eine Stelle mit kraftvollem Hornsolo zur massiv gesetzten Begleitung der übrigen Instrumente. Diese Stelle soll dem Acelga Quintett klanglich erstmal ein anderes Ensemble nachmachen. Wunderbar spielen die Musiker auch den humorvollen dritten Satz aus.

Außerordentlich attraktiv klingt auch die Aufnahme des nur wenige Jahre zuvor entstandenen Quintetts 'Mladi', Jugend, von Haas‘ Lehrer Leoš Janáček, bei dem die Quintettbesetzung klanglich reizvoll um eine Bassklarinette erweitert wird. Besonders der zweite Satz ist in seiner klanglichen Ausgeglichenheit geradezu mustergültig und wird wunderbar ruhig gespielt. Das Scherzo allerdings könnte vielleicht eine Spur frecher klingen; bei Haas war das den Interpreten wesentlich besser gelungen. Das ausgesprochen turbulente Finale, das gar nicht nach einem 70-jährigen Komponisten klingt, ist in dieser Hinsicht wieder tadellos.

Das dritte Werk der Platte ist ein 1909 entstandenes Quintett von Josef Bohuslav Foerster, und schließlich gibt es noch ein kurzes Stück von Alexander Zemlinsky. Nach dem Durchhören der klanglich sehr ausgewogenen Aufnahmen muss man bewundernd feststellen, dass diese böhmischen Bläserwerke ausnehmend schöne und vielseitige Musik enthalten. Foersters Quintett, das älteste der Platte, setzt die Tradition des 19. Jahrhunderts ungebrochener fort als die übrigen Werke, und man könnte sich manchmal fast vorstellen, dass sich so auch ein Bläserquintett von Dvořák anhören müsste, wenn es denn eines gäbe. Somit bietet die Platte bis zum vielleicht nicht avantgardistischen, aber doch wesentlich moderner gehaltenen Werk von Pavel Haas eine bunte Palette und präsentiert die Fortsetzung der großen böhmischen Bläsertradition im 20. Jahrhundert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bohemia: Kammermusikwerke von Haas, Janácek, Foerster und Zemlinsky

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
05.05.2017
EAN:

4260036254600


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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