> > > Triptych: Klaviertrios von Clara Schumann, Amy Beach u.a.
Sonntag, 22. Juli 2018

Triptych - Klaviertrios von Clara Schumann, Amy Beach u.a.

Ungehörtes


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Monte Piano Trio portraitiert auf seiner neuesten Einspielung drei Komponistinnen. Im Mittelpunkt steht die Weltersteinspielung eines Trios von Natalie Klouda, das dieser Produktion auch den Titel gibt: 'Triptych'.

Komponierende Frauen: Sie gab es, keine Frage – eine Handvoll Namen fällt hier sicherlich jedem nach kurzem Überlegen ein. Doch eine ebenso große Bekanntheit wie ihre männlichen Kollegen zu erreichen, war für sie in der Vergangenheit mit großen Schwierigkeiten verbunden und immer noch scheinen sie ein wenig hintenan zu stehen. Mit ihrer neuesten Produktion ist dem Monte Piano Trio wieder ein vielbeachteter Wurf gelungen. Bereits auf ihrer vorhergehenden Einspielung nahmen sich Francesco Sica (Violine), Claude Frochaux (Violoncello) und Irina Botan (Klavier) äußerst erfolgreich der unbekannteren Komponisten und Werke für ihre Besetzung an. Auf der aktuellen Aufnahme führen sie diese Linie fort. Dabei umspannen sie knapp 200 Jahre Klaviertrio-Geschichte aus weiblicher Hand und nehmen den Hörer mit auf eine spannende Entdeckungs- und Zeitreise. Zu hören sind das Klaviertrio op. 150 von Amy Beach (1867-1944), das erste Klaviertrio von Natalie Klouda (*1984) und das Klaviertrio in g-Moll op. 17 von Clara Schumann (1819-1896). Besonderheiten auf dieser CD findet man also eine Menge: drei verschiedene Jahrhunderte, drei verschiedene Länder und drei verschiedene Lebensphasen. Erschienen ist die Produktion bei Genuin.

Amy Beach wurde seit ihrer frühesten Jugend als Wunderkind gefördert und unterstützt. Sie schrieb eine große Anzahl Lieder, die sich auch auf der ein oder anderen Zusammenstellung verschiedenster Interpreten entdecken lassen. Sie war die erfolgreichste amerikanische Komponistin überhaupt, daher ist es äußerst begrüßenswert, dass ihre Werke mittlerweile verstärkt wiederentdeckt werden und ihren Weg auf Tonträger und Konzertbühnen finden. Ihr Klaviertrio op. 150 ist im Jahr 1938 entstanden. Es zählt zu ihrem späten Schaffen und ist ihr letztes größeres Werk. Sehr viele musikalische Einflüsse finden sich hierin wieder. Faszinierend ist der romantische und zugleich auch impressionistischer Gestus, der dem Werk innewohnt, kombiniert mit einer Prise Salonromantik und einem Hauch Dramatik. Die Musiker des Monte Piano Trios erweisen sich als exzellente Interpreten, wie sie die unterschiedlichen Facetten klanglich mühelos ausformen und präsentieren hier eine spannende, atmosphärische wie plastische Lesart dieses Trios.

Die 'Fantasie Triptych' aus der Feder der jungen Komponistin Natalie Klouda entstand im Jahr 2014 als Auftragskomposition des ebenso jungen Ensembles und ist auch Namensgeber dieser Einspielung. Thematisiert wird hier die Dreiecksbeziehung von Robert und Clara Schumann und Johannes Brahms. In diesem Werk ist das Klavier das primäre Instrument, hat es doch für jeden der drei Komponisten eine besondere Bedeutung. So leiht es in allen drei Sätzen, die überschrieben sind mit 'Explorations – Clara', 'Reflections – Johannes' und 'Vexations – Robert', dem jeweiligen Protagonisten seine Stimme. Der Fokus zwischen den Instrumenten ist hiermit aber keineswegs festgelegt, da sowohl Violine als auch Cello immer wieder prominent hervortreten. Hier punktet das Booklet insbesondere durch den kleinen, erhellenden Text der Komponistin persönlich.

Der erste Satz 'Explorations – Clara' besticht vor allem durch seine konstante Ruhe, die auch bei kräftigeren oder Teils aufbrausenden Passagen dennoch erhalten bleibt und sich vor allem in der Klavierstimme manifestiert. Besonders zu Beginn und gegen Ende des Satzes scheinen Violin- und Cellostimme um den mit ausgewogenem Charakter beschreibbaren Klavierpart „herumzuschleichen“. „Reflections – Johannes“ beginnt zunächst mit einem intensiven Dialog von Violine und Cello, in den sich erst nach und nach mit zartem Anschlag das Klavier einfindet, zunächst auf einen einzelnen Ton auf gleicher Tonhöhe beschränkt, der von einem der anderen beiden Instrumente übernommen wurde, dann immer eigenständiger. Auch beim zunehmend intensiveren Gespräch von Violine und Cello nimmt die Klavierstimme nach und nach eine intensiverer Farbe an und die Tonhöhe wird in tiefere Lagen gesetzt.
Der letzte Satz „Vexations – Robert“ beginnt mit kräftigen Tonfolgen im Klavier, denen auch eine gewisse Härte, gar Brutalität, innewohnt, die durch scharfe Pizzicati der Streicher zusätzlich betont wird. Die Streicherklänge verhalten sich kräftig und teils dissonant, was durch intensive Crescendi herausgehoben wird. Zeichnete sich der vorherige Satz durch Flageolett-Klänge aus, sind in diesem Satz die kräftige Manier, harte Pizzicati und die crescendierenden Dissonanzen charakterbildend. Dass die Komponistin selbst Geigerin ist, kann den Streicherstimmen abgelauscht werden, zwar virtuos klingend aber für die Ausführenden gut ans Instrument angepasst und dankbar gesetzt. Insgesamt zeichnet die Komponistin hier ein kurzweiliges Portrait dieser sagenumwobenen Beziehung. Ihrem Verständnis und ihrer Lesart kann in dieser klanglichen Darstellung mit Hobbypsychologie und musikalischer Spürnase durchaus ein kleines bisschen auf den Grund gegangen werden – was hier in jedem Sinn als positive Inspiration zu verstehen ist. Koulda lässt tolle Klangeffekte und gesangliche Melodien entstehen. Dass die drei Musiker – sicherlich besonders beim letzten Satz – Spaß an der Ausführung haben, davon ist bei diesem wilden Ritt wohl auszugehen.

Dass sich Clara Schumanns Name auf einer Trio-Einspielung wiederfindet, ist nur wenig überraschend. Zudem ist ihr Name sicherlich der bekannteste von den drei Damen. Ihr einziges Klaviertrio in g-Moll darf selbstverständlich auf einer Einspielung mit diesem programmatischen Bezug nicht fehlen. Zu seiner Entstehungszeit hatte sich ihr Gatte noch nicht mit dieser Gattung kompositorisch auseinandergesetzt und somit sah Clara sich auch nicht mit seinem Schaffen konfrontiert – Robert Schumanns beliebtes Klaviertrio Nr. 1 entstand erst ein Jahr später.
Ihr Trio op. 17 bildet in dieser Konstellation einen direkten Kontrast zu den vorher erklingenden Portraits, führt sie jedoch auch in gewisser Weise fort und formt einen fulminanten Schlusspunkt dieser Produktion. Das Monte Piano Trio gibt ihm eine tonschöne und elegante Lesart, die jedoch vor packender Emotionalität nur so sprüht.

Mit seinem homogenen und flexiblen Klang zeichnet das Monte Piano Trio mit seinem musikalischem Gespür spannende Portraits von diesen drei absolut entdeckenswerten Persönlichkeiten. Es erweist sich auf dieser Einspielung erneut als Kammermusikformation, deren unglaubliche Spielfreude sich kurzerhand auf den Hörer überträgt.



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Triptych: Klaviertrios von Clara Schumann, Amy Beach u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
05.05.2017
EAN:

4260036254495


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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