> > > Pergolesi, Giovanni Battista: Stabat Mater arr. für Klavier
Dienstag, 29. September 2020

Pergolesi, Giovanni Battista - Stabat Mater arr. für Klavier

Pergolesi auf dem Klavier


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es gibt Stimmen, die behaupten, man könne Musik jeglicher Besetzung auf dem Klavier wiedergeben. Es fragt sich jedoch, ob man das auch aufnehmen muss.

Marie-Luise Hinrichs hat sich schon mit ihrer bei cpo erschienenen CD ‚Vocation’, für die sie Werke von Hildegard von Bingen für das Klavier eingerichtet hat, als versierte Bearbeiterin gezeigt. Auch für ihre neue CD hat sie sich ein ungewöhnliches Objekt ausgesucht. Das 'Stabat Mater' von Pergolesi war schon im 18. Jahrhundert der allgemeinen Bearbeitungswut ausgesetzt; aber eine Bearbeitung für Klavier hätte sich wahrscheinlich selbst Bach, der das Werk in die Kantate 'Tilge, Höchster, meine Sünden' überführte, nicht träumen lassen. Zunächst fällt natürlich der Text weg, ebenso wie die verschiedenen Klangfarben der Instrumente, einschließlich der einzigartige Klang der menschlichen Stimme. Das Beste, was sich über die Bearbeitung sagen lässt, ist, dass sich Marie-Luise Hinrichs dieser Schwierigkeiten bewusst ist und darauf mit behutsamen Eingriffen reagiert. Man darf sich daher nicht von der Trockenheit und Monotonie des ersten Tracks abschrecken lassen.

Gerade der Anfang des 'Stabat mater' wirkt auf dem Klavier sehr spröde. In den ersten beiden Abschnitten 'Stabat mater dolorosa' und 'Cujus animam gementem' streicht sie das instrumentale Vorspiel, das in einer Fassung für Klavier solo ad absurdum geführt würde. Insgesamt konzentriert sie sich auf die Singstimme, und wann immer die orchestralen Begleitstimmen den Gesamtklang zu überdecken drohen, reduziert sie diese auf das Nötigste. Besonderheiten wie den Echo-Effekt im 'Vidit suum dulcem natum' kann die Pianistin durch sehr feine dynamische Nuancierungen realisieren. Die Streichung von 40 Takten im 'Quae moerebat et dolebat' bleibt die Ausnahme. Manche Abschnitte kommen einer Bearbeitung sogar entgegen wie das 'Quis est homo', das fast ausschließlich aus einer Melodiestimme und harmonischer Begleitung besteht. Auch die Trillerstellen im 'Cujus animam gementem' lassen sich klangvoll auf dem Klavier wiedergeben. In den besten Momenten gemahnt Marie-Luise Hinrichs Bearbeitung an die bekannten Bach-Bearbeitungen Busonis. Leider ist der CD nicht zu entnehmen, welches Instrument sie für die Aufnahme verwendet hat.

Es ist der Interpretin sicherlich beizupflichten, wenn sie im Booklet ausführt, die Musik tue auch eigenständig ihre Wirkung, man könne daher auf den Text verzichten. Die Musik jedoch auch fast aller Klangfarben zu entkleiden, scheint mir den Bogen dann doch zu überspannen. Wer Pergolesis 'Stabat Mater' in der eigentlichen Besetzung schätzt, z.B. in der Aufnahme mit René Jacobs, wird viel Hörgenuss entbehren müssen.

Das letzte Drittel der CD füllt eine Auswahl von Scarlatti-Sonaten. Vergleicht man Marie-Luise Hinrichs Deutung beispielsweise mit Angela Hewitt, fällt auf, dass Hinrichs oft gemäßigtere Tempi wählt und überhaupt ‚materieller’, erdgebundener klingt, vermutlich auch in Anlehnung an das 'Stabat mater'. Der reichliche Pedaleinsatz führt zu einer gewissen Schwere, etwa in K. 159. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Tätigkeit als Bearbeiterin muss ihr bewusst gewesen sein, dass auch Scarlatti auf dem modernen Flügel zu spielen einer Transkription gleichkommt. Insofern ist es nur folgerichtig, dass sie hier nicht versucht, das Klavier in ein Cembalo zu verwandeln, sondern die Eigenheiten des Klaviers voll ausspielt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Pergolesi, Giovanni Battista: Stabat Mater arr. für Klavier

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203510320


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
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