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Donnerstag, 13. Dezember 2018

von Hausegger, Siegmund - Sinfonische Werke

Rettung durch Begeisterung


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Kapellmeister-Musik? Wie Mahler ist Hausegger ein Idealist durch und durch, zudem ein brillanter Instrumentator. Entsprechende Qualitäten dreier programmatischer Partituren führt Antony Hermus mit den Bamberger Symphonikern beeindruckend vor.

Zwischen biedermeierlicher Monumentalität und Nietzsches ekstatischer Lebensphilosophie sind Hauseggers symphonische Dichtungen angesiedelt, den vorhergehenden und parallelen Orchestermusiken von Richard Strauss darin in Milieu, Ausdruckswillen und unverkennbar auch klanglichem Idiom direkt benachbart. In der 'Dionysischen Phantasie' des im Entstehungsjahr 1896 erst rund 24jährigen Komponisten mag man ein zeittypisches chromatisches Vagieren à la Richard Wagner heraushören, geht es doch um Ausdruckskraft, musikalischen Ausdruck und kraftvolle Leidenschaft gerade nicht sprachlich vermittelter Gefühle; natürlich spielte für Hausegger auch die Lektüre von Nietzsches ‚Geburt der Tragödie‘ – nämlich ‚aus dem Geiste der Musik‘ – eine zentrale Rolle. Auf den Abdruck eines begleitenden 36strophigen (!) Gedichts im Booklet wurde leider verzichtet, stattdessen von Eckhardt van den Hoogen eine längere Selbst-Erklärung des jungen Hausegger zitiert nebst folgender kurzer Formbeschreibung. Und selbst das ergänzt die eigentliche Botschaft nur: Die Darstellung, welche das Bamberger Orchester, vom Bayerischen Rundfunk co-produziert, hier liefert, spricht viel mehr für sich und das Werk; Antony Hermus konzipiert die Tempo-Relationen und dynamischen Steigerungen, ja Ekstasen so spannend und nachvollziehbar, dass man unmittelbar beeindruckt, ja begeistert, vielleicht nach den zwanzig Minuten sogar erschlagen sein muss. Diese Interpretation kompensiert – auch dank Hauseggers souveräner Orchesterverwendung – sogar die große Schwäche des Werks, nämlich eine recht ordinäre, für sich selbst wenig eingängige, selten originell wirkende Thematik. Das heißt: Sie kompensiert nicht nur, sondern rettet die opulente Gefühlsstudie durch ihren beherzten Nachvollzug.

Triste Thematik in opulenter Instrumenation und Interpretation

Ähnliches gilt für die narrativ weitaus detailliertere symphonische Dichtung 'Wieland der Schmied' (entstanden bis März 1904), deren wohl ziemlich ‚konkretes, seitenlanges Programm‘ (van den Hoogen, der manchmal zu sehr zu Selbstbezügen auf sich als Autor neigt, liefert im Booklet eine Kurzfassung) offenbar minutiös durch wiederum dramatisch adäquate Instrumentation einer im Detail eher wenig prägnanten Motivik immerhin siebzehn Minuten lang nacherzählt wird. Vieles ist aus heutiger Sicht fast filmmusikalisch mit einer konfektionierten Klanggestik gestaltet, welche vor allem den angeeigneten Zitatenschatz aus der Orchesterpraxis des inzwischen etablierteren Dirigenten auszuschlachten scheint. Post-Wagnerianisches in der Melodik trifft auf Farben der französischen Oper; Harfen kleistern; süffig, ja fast kitschig anmutend der doppeldeutige fünfminütige Liebes-Flug als ‚Apotheose‘, soweit die geschmiedeten Flucht-Schwingen Wielands hier durch das Paukengehämmer tragen. Aus meiner Sicht Hauseggers schwächstes Werk hier, dessen Themen auch nach mehrmaligem Hören und trotz abermals engagierter Umsetzung des tadellosen Orchesters kaum die ästhetische Erinnerung beflügeln.

Eine Nachtgeschichte als Kinderlied-Variation

Wenigstens mit dem Kinderlied ‚Schlaf, Kindchen, schlaf‘ fand Hausegger in seinen symphonischen Variationen unter dem emphatisch kaum nachvollziehbaren Kurz-Titel 'Aufklänge' einen gescheiten thematisch-materiellen Ausgangspunkt, dem er auch schöne motivische Abspaltungen abgewinnen konnte. Das halbstündige Werk von 1917 ist in der Tat zum einen ein wahres Show-Stück für größtes Orchester, bietet beeindruckende Varianz in der Klangpalette, effektvolle Steigerungspassagen und Auszeichnungsmöglichkeiten für Soli wie auch die Orchestergruppen. Zum anderen wirkt der Verlauf wie ein Gegenstück zur 'Alpensinfonie' von Strauss, gewissermaßen als nächtlicher Traum durch Mitternacht bis zum Sonnenaufgang, mit dem ja der Tagesmarsch des Kollegen zum symphonischen Gipfel beginnt. Denn nach dem farbig im Orchester exponierten Schlaflied ist keineswegs Ruhe: Hausegger nutzt die Satzcharaktere einer mehrsätzigen Symphonie als Überbau aus: Das schlummernde Kind imaginiert, den melodischen Ausgangsgedanken im Kopf, in den Variationen alle möglichen zukünftigen Aufbrüche, Kämpfe, Leidenschaften – eine musikalisch erträumte Biographie gewissermaßen, deren paradiesisches Finale mit den Vogelrufen (des tatsächlich anbrechenden Morgens) eingeleitet wird und in einer fugendurchsetzen Aufbruchsvariante, einer Art morgendlicher Festwiesen-Apotheose fast schon 'Meistersinger'-nah endet (man könnte hier sogar programmatische Bezüge zu Mahlers Siebter Symphonie herstellen). Als gelungenstes Werk sind diese 'Aufklänge' bereits an den CD-Anfang gestellt und wiederum eine Visitenkarte für die überragenden Spielqualitäten der Bamberger Symphoniker an allen Pulten und eine Tempo- und Klangregie des Dirigenten Hermus, die ihn mittelfristig auch zu einem international herausragenden Star seiner Zunft machen sollte. Dieser Dirigent überwiegt hier aus der aktuellen interpretatorischen Perspektive wie einst Hausegger selbst als Dirigent den Komponisten Hausegger und macht diese Werke erst kennenswert.



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    von Hausegger, Siegmund: Sinfonische Werke

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cpo
1
EAN:

761203781027


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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