> > > Pfitzner, Hans: Die Rose vom Liebesgarten
Mittwoch, 20. September 2017

Pfitzner, Hans - Die Rose vom Liebesgarten

Von Blütenwundern und blutigen Schlachten


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch wenn sich der Wunsch nach einer szenischen Umsetzung der 'Rose vom Liebesgarten' in klaren Grenzen hält, macht diese erste komplette Einspielung deutlich: Das muss man zumindest gehört haben!

Immerhin knappe acht Jahre hat es gedauert, bis das Label cpo die unter Studiobedingungen entstandene Aufnahme von Hans Pfitzners 'Die Rose vom Liebesgarten' aus dem Jahr 2009 endlich auf CD herausgebracht hat. Die Produktion basiert auf einer Aufführungsserie am Theater Chemnitz, das sich mit seinen zahlreichen Ausgrabungen schon längst einen Namen gemacht hat. Vor allem die Robert-Schumann-Philharmonie unter der Leitung ihres GMD Frank Beermann veredelt dabei so manche bislang unbeachtete Opernrarität.

Von Pfitzners 'Rose vom Liebesgarten' existiert bislang nur eine stark gekürzte Funkfassung unter Robert Heger vom Bayerischen Rundfunk; in Sammlerkreisen kursiert darüber hinaus ein Mitschnitt vom Dezember 1998 aus der Oper Zürich. Das war’s aber letztlich schon. Mit der Chemnitzer Einspielung liegt nun endlich eine wirklich komplette Aufnahme der üppigen Märchenoper vor, die in vielerlei Hinsicht beeindrucken kann. Besonders die Musik Pfitzners stellt sich als überraschend impressionistisch und zugleich romantisch melodienselig heraus. Wer beim Namen Pfitzner gleich an die Klangwelten seines 'Palestrina' denkt, der wird beim Hören der 'Rose vom Liebesgarten' verblüfft sein. Da tönt ein junger, hochromantischer und zugleich teils mutiger Pfitzner, der seine Begeisterung für Wagner nicht leugnen kann, und der in direkter Nachbarschaft zu Mahler, Strauss und Debussy steht – und sich hinter diesen Kollegen auch nicht verstecken muss. Die Farbenpracht der 'Rose'-Partitur ist dementsprechend üppig.

Da braucht es einen musikalischen Leiter, der dem Rausch gelegentlich nachgeben kann, dabei Dynamik, Struktur und Farbspiel aber immer im Auge behält. Frank Beermann ist ein solcher Dirigent. Mit großer Durchsichtigkeit fördert er den Zauber von Pfitzners Partitur zutage, spannt weite Bögen und meistert schwierige Übergänge mit einer solchen Klarheit und Hingabe, dass man sich fragen muss, weshalb diese Musik so sträflich vernachlässigt wurde und noch immer wird.

Die letzte Frage klärt sich recht schnell, wenn man einen Blick ins Libretto wirft. Die krude Märchen- und Sagengeschichte von Siegnot, der den Liebesgarten der Frau Minne bewachen soll und dem eine Rose aus der Brust wächst, schreit heute nicht mehr zwingend nach einer szenischen Umsetzung. Es ist ganz grob ein Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, bei der Zwerge und Elfen eine Rolle spielen und das Liebespaar Siegnot und Minneleide erst in blutigen Kämpfen mit sich selbst und bösen Mächten den Tod findet, bevor es final durch ein Wunder Einzug in den Liebesgarten hält. Nachvollziehbare Charaktere hält die 'Rose vom Liebesgarten' nicht bereit, dafür symbolträchtige Handlungen, viel textliche Wagnerismen und wenig dramatische Interaktion.

Doch was soll’s – auf Tonträger muss man sich diese Romantische Oper ja nicht mit all ihren Bilderwelten optisch zu Gemüte führen, sondern kann der Musik folgen und dabei der eigenen Fantasie stillschweigend Raum geben. Und auch, wenn man die Dichtung von James Grun nicht in jeder Nuance verstehen muss, wird sie von fast allen Solisten mit großer Textverständlichkeit präsentiert. Allen voran ist hier der hervorragende Siegnot von Erin Caves zu nennen. Mit schimmernder Strahlkraft bewältigt der amerikanische Tenor die heldische Partie. Die Stimme klingt hell und jugendlich, wie geschaffen für die Rolle des mutigen Minne-Kämpfers. Auch André Riemer überzeugt mit seiner Charakterstimme und guten Artikulation als Moormann, während der Bassist Kouta Räsänen als Waffenmeister und vor allem als Nacht-Wunderer mit gepflegter Stimme, aber wenig farblicher Differenzierung ein wenig blass bleibt.

Als Minneleide ist Astrid Weber eine mehr als anständige Besetzung. Ihrem Sopran hört man die Anstrengungen im dramatischen Fach vor allem in der Höhe und einem sich einschleichenden Vibrato an, aber sie gestaltet die Minneleide mit solcher Eindringlichkeit, dass diese vokalen Eintrübungen nicht weiter ins Gewicht fallen. Ohnehin hat sie die größte Bandbreite von lyrischer Koketterie bis hin zu äußerster Expressivität zu bewältigen. In den kleineren Partien der Schwarzhilde und Rotelse sind Jana Büchner und Tiina Penttinen geradezu luxuriös besetzt und der Sangesmeister ist bei Andreas Kindschuh in guten Händen. Auch Chor und Kinderchor der Oper Chemnitz bewältigen ihren Part tadellos.

Am Ende der auch in ihren Zeitstrukturen ausladenden Oper bleibt die Empfehlung, Pfitzners 'Rose vom Liebesgarten' dringend zu hören – zumal in einer so überzeugenden Aufnahme. Aber noch viel wichtiger erscheint die Erkenntnis, dass auch außerhalb der großen Opernzentren erstklassige, mutige Oper stattfindet und man mit starken Ensembles den nimmermüden Carmen-Bohème-Zauberflöte-Horizont deutlich erweitert. Eine solch vielfältige Theaterlandschaft gilt es zu erhalten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Pfitzner, Hans: Die Rose vom Liebesgarten

Label:
Anzahl Medien:
cpo
3
EAN:

761203750023


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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