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Samstag, 24. Februar 2018

Beethoven, Ludwig van - Sämtliche Klaviertrios

Solide Arbeit


Label/Verlag: Gramola
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das TrioVanBeethoven macht dem Namensgeber des Ensembles alle Ehre und legt eine empfehlenswerte Gesamtaufnahme der Beethoven-Klaviertrios vor. Große Ensemblekunst!

Frisch, frei, famos startet das TrioVanBeethoven, so der Künstlername der drei Musiker Clemes Zeilinger (Klavier), Verena Stourzh (Violine) und Franz Ortner (Violoncello), in seine neu vorgelegte Gesamteinspielung der Klaviertrios seines Ensemble-Namensgebers Ludwig van Beethoven. Das ganze ist konserviert auf 4 CDs in einer Box und wurde vom österreichischen Label Gramola publiziert. Die Künstler nahmen dafür in vier Studio-Sitzungen innerhalb der Jahre 2014 bis 2016 auf. Herausgekommen ist eine empfehlenswerte Einspielung mit einer Spielzeit von rund viereinhalb Stunden, die durchaus eine Alternative zu vorhandenen Aufnahmen bietet.

Das Klaviertrio op.1 Nr. 1 in Es-Dur schrieb der noch nicht 25-jährige Beethoven vielleicht noch in Bonn. Eine Zeit des Lernens (bei Joseph Haydn) und Suchens schloss sich an zu Beginn seiner Wiener Zeit. Dieses Werk atmet in der Aufnahme mit dem TrioVanBeethoven noch die Unschuld eines gerade sich entfaltenden Komponisten, dem die Welt (noch) offen steht. Die Musik im Presto-Finale mutet noch sehr à la Haydn an, der Klaviersatz ist klar, auch brilliant und schnörkellos ausgeführt. Das musikalische Konzept des Trios macht sofort neugierig, denn die Ausführenden haben sich entschieden, die Werke nicht in chronologischer Abfolge (was durchaus Sinn machen würde) auf die CDs zu pressen, sondern jeder der vier einzelnen Platten ein passendes Motto voranzustellen. Vol. 1 ist beispielsweise mit ‚Von jugendlicher Reife zum Geisterschauer‘ überschrieben. Denn Track 5-7 beinhaltet das sogenannte ‚Geister-Trio’ op. 70 Nr. 1. Freilich ist dieser Beiname eine Erfindung der romantischen Fantasie von Beethovens Zeitgenossen, wie der exzellent geschriebene Booklettext von Christian Heindl verrät. Das TrioVanBeethoven spielt das Werk ohne übertriebenes Pathos und kommt auch ohne jegliche Allüren aus. Hier wird direkt am Text und mit elegischer Kraft musiziert. Das trifft auch zu für die Interpretation zum Beispiel des Presto-Schlusssatzes aus op. 1 Nr. 2.

Alle drei Musiker bilden eine künstlerisch geschlossene Einheit, können ihrerseits aber auch solistisch glänzen. Da ist nichts matt, nichts unsauber oder beiläufig. Leider verzichtet das TrioVanBeethoven etwas eigenmächtig auf die Wiederholung der Durchführung im ersten Satz 'Allegro vivace e con brio', was der eigentlich von Beethoven intendierte längenmäßige Parität der beiden ersten Sätze widerspricht. Das über zehn Minuten dauernde 'Largo assai ed espressivo' hätte gewiss auch mitunter etwas lebensbejahender angegangen werden können. Das schlanke Non-Vibrato über weite Passagen gibt der Musik zwar Reinheit, nimmt ihr aber Passion. Der Dauertriller im Klaviersatz zermürbt da richtig die Laune. Was an Clemens Zeilinger, Verena Stourzh und Franz Ortner absolut gefällt, ist ihre rhythmische Unbestechlichkeit: Der langsame Satz verfügt über klassisches Ebenmaß diesbezüglich. Selbst die Vierundsechzigstel-Noten werden da gestochen scharf wiedergegeben. Besonders gelungen erscheint auch das 'Presto', welches die drei meisterhaft spielen. Da gibt es keine Kanten, hier stimmen Tempo, Dynamik und Vortragsgeist.

Angehängt auf Vol. 1 ist noch das schmucke Jugendwerk in Es-Dur WoO 38, mit dem Beethoven eine erste Talentprobe in der Gattung Klaviertrio abgegeben hatte, obwohl er es selbst aus seinem gültigen Werkverzeichnis ausgemustert hatte. Die Komposition erschien erst posthum. Der letzte Satz 'Rondo: Allegretto' ist ein heiteres Rondo und bezeugt bereits handwerklich beeindruckende kompositorische Fertigkeiten. Das Zuhören macht Spaß, weil das TrioVanBeethoven auch hier mit unzähmbarer Spiellaune und selbstredend technisch makellos zu Werke geht. Selbst die 1988er Studioaufnahme des Abegg Trios, die lange Jahre Referenz für die Gesamtaufnahme der Trios war, kommt da nicht heran, ist sogar stellenweise unsauberer im Violoncello.

Auch Vol. 2 - thematisch unter dem Titel ‚Reverenz vor einem Schüler und Erzherzog’ beeindruckt mit einem hellen, sehr ohrenfreundlichen Klangbild: Das Klaviertrio Nr. 7 B-Dur op. 97 (1810/11) stammt aus der letzten glücklichen Phase des Meisters. Fällt das Tempo im Kopfsatz etwas mit angezogener Handbremse aus, gelingt dem Trio jedoch eine sehr detailgenaue Ausgestaltung der dynamischen Feinheiten. Auch die eigentlich auf allen vier Platten gleich gute Balance ist noch einmal zu loben. Die Geige verströmt nicht nur hier im 'Scherzo. Allegro' ihre heitere Stimmung . Sehr markant sind die solistischen Einwürfe des Violoncellos, stets sauber und mit Verve und Anmut ausgeführt. Technisch und musikalisch über der Sache stehend zeigt sich auch die Leistung des Pianisten, der die humorvollen Seiten des Finales herauskehrt und mit bestem Anschlag punktet.

Der Star auf Vol. 3 ‚Ein Trio für die kleine Freundin’ ist natürlich das Trio No. 6 Es-Dur op. 70 Nr. 2. Auch dieses viersätzige Werk zählt zu den Highlights der Gattung, das in der vorliegenden Version mit Spielfreude und professionellem Anspruch angegangen wird. Wundervoll ist es gearbeitet, und das zeigen die drei Musiker auch nachdrücklich. Viersätzig und von klassischer Schönheit erklingt es leider viel zu selten in den Konzertsälen. Es entstand 1808 in höchst produktiver Schaffenszeit Beethovens. Die hier immer wiederkehrenden stillen, auch fugierten Passagen fallen auf und verpassen dem stolzen Trio eine noble Geste. Finanziell ging es Beethoven zu dieser Zeit wirklich gut. Er hatte mit den Symphonien Nr. 4, 5 und 6, dem Vierten Klavierkonzert, dem Violinkonzert und den sogenannten Rasumowsky-Quartetten üppig verdient. Allerdings machten sich beim Enddreißiger bereits ernsthafte Probleme mit seinem Gehör bemerkbar. Trotzdem fungierte er – nun mit stattlicher Jahresrente dekoriert – nach wie vor als wichtiger Gast bei gesellschaftlichen Anlässen in diversen Wiener Fürstenhäusern. Opus 70 Nr. 2 ist - wie das Schwesterwerk Nr. 1 - ebenfalls der Gräfin Anna Marie von Erdödy gewidmet, bei der Beethoven zu jener Zeit wohnte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Sämtliche Klaviertrios

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Gramola
4
24.03.2017
EAN:

9003643991347


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Gramola

Gramola wurde im Jahr 1924 als Detailgeschäft und Vertrieb der beiden englischen Plattenlabels „Gramola“ und „His Master’s Voice“ gegründet. Durch den damaligen Vertrieb dieser Labels ist eines der ganz wenigen, weltweit noch existierenden Originalbilder des legendären, der Stimme seines Herrn lauschenden Hundes „Nipper“ noch heute im Geschäft zu besichtigen. Das Unternehmen ist heute das älteste Tonträgergeschäft Österreichs und arbeitet inzwischen als Familienbetrieb in der fünften Generation. In internationalen Rankings um das beste Klassikfachgeschäft der Welt nahm Gramola mehrmals Spitzenränge ein. Das denkmalgeschützte Geschäftslokal in Wien am Graben wurde nach einem Jugendstilentwurf von Dagobert Peche in den frühen Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erbaut.

Vor etwa 10 Jahren wurde bei Gramola die Produktion von Klassik-CDs wieder aufgenommen und konnte seither durch seine international vielfach ausgezeichneten Produktionen den allerhöchsten Qualitätsstandard österreichischer Musikschaffender nachdrücklich unter Beweis stellen. Gramola-CDs sind inzwischen in allen klassikinteressierten Ländern zwischen Tokyo und New York zu haben. Ergänzt wird das Gramola-Angebot durch ein Webshop, das rund um den Kalender bereitsteht, Kundenwünsche auch außerhalb regulärer Ladenöffnungszeiten zu erfüllen.


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