> > > Meraviglia d'amore: Italienische Liebeslieder aus dem 17. Jahrhundert
Donnerstag, 23. November 2017

Meraviglia d'amore - Italienische Liebeslieder aus dem 17. Jahrhundert

Leidenschaftliche Liebe


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Marco Beasley vertraut, gemeinsam mit Pierre Pitzl und dem famosen Ensemble Private Musicke bei allem Wissen um Stil und Technik seinen sängerischen Instinkten. Das Ergebnis ist glutvolles, lebendiges, ungemein reiches Musizieren.

Meraviglia d‘amore – das Wunder der Liebe, unter diesem Titel haben der neapolitanische Tenor Marco Beasley und das Ensemble Private Musicke mit seinem Leiter, dem Gitarristen Pierre Pitzl, im Jahr 2001 eine Platte mit italienischen Liebesliedern des 17. Jahrhunderts aufgenommen, die jetzt bei Accent wiederveröffentlicht wurde. Es ist eine hochattraktive, schillernde Mischung von wunderbar sensiblen Liebesliedern von Sigismondo d‘India, Girolamo Kapsberger und Biagio Marini, von dem das titelgebende Stück stammt. Die Sätze sind sämtlich Sammlungen entnommen, die dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts entstammen, durchaus noch durchpulst von kontrapunktischem Erbe, etwa in rhythmisch vertrackten Begleitungen, aber doch schon befreit zur luziden Expressivität der noch jungen Monodie, schon einfacher im Bau, auch mit Süße und feiner Bitternis – edle Liebeslieder eben. Interessant sind vor allem die Beiträge Kapsbergers, der in ähnlichen Programmen üblicherweise als Instrumentalkomponist vertreten ist. Diesen Part übernehmen hier andere, zum Beispiel Frescobaldi, Foscarini oder Galilei. Denn umwoben sind die Liebeslieder von Instrumentalsätzen der Zeit, von der formal vollkommen freien Toccata bis zur strengen Passacaglia.

Unverwechselbar

Getragen wird die Platte ganz wesentlich von Marco Beasley, einem der bemerkenswertesten Vokalisten in der Szene der Alten Musik, auch im üblichen Repertoire, vor allem aber mit dem von ihm mitgegründeten Ensemble Accordone und Christina Pluhars L‘Arpeggiata oder wie hier Pierre Pitzls Private Musicke als programmatisch starker, undogmatischer, auch literarisch begabter Sänger bestents vertraut. Mit ihrem unverwechselbar hellen Timbre ist seine Stimme wie geschaffen für einen immer natürlich wirkenden Erzählton; alles Artifizielle scheint hier fremd – bei freilich hervorragender technischer Beherrschung der Mittel. Beasley ist auch deshalb einer der hervorragenden Protagonisten der älteren Musik, weil er mit der Gabe gesegnet ist, Altes gegenwärtig, selbstverständlich, dringlich sein zu lassen, weit entfernt von verstaubtem Buchwissen und schulmeisterlich korrekter Exekution.

Private Musicke ist in der Besetzung mit Pierre Pitzl auf Barockgitarre und Viola da gamba, Luciano Contini auf Erzlaute und Theorbe, Hugh Sandilands auf der Barockgitarre und Claire Pottinger-Schmidt auf dem Violoncello zu erleben. Die im Klang feinen, mit zarter Perkussivität charmierenden Gitarren prägen den Klang; das überschaubare Volumen der Besetzung regt zu kammermusikalischer Geste an, zur Betonung des Fragilen, Feinen. Das Instrumentarium besticht mit einer sehr kultivierten, auf das Wesentliche konzentrierten Gesamtanmutung; Pierre Pitzl liefert immer wieder exzellente, weil technisch wie expressiv bestechende Soli.

Das Klangbild ist konzentriert, klar strukturiert und angemessen gestaffelt, in glücklicher Balance, zugleich lebendig und belüftet. Im schön gestalteten Booklet wird inhaltlich im Grunde zu wenig geboten. Zugutehalten mag man ihm, dass es in seiner kursorisch freien Anlage und den vielen Anspielungen in einem fiktiven Interview sehr zum freien Ansatz der gesamten Platte passt.

Wie kaum ein anderer Sänger dieses Repertoires ist Marco Beasley stimmlich unverwechselbar, explorativ, mutig, kundig und zugleich unbefangen, geradezu frei in seiner Wirkung, in der dramatisch aufgeladenen Deutung der Lieder: Er vertraut, gemeinsam mit Pierre Pitzl und dem famosen Ensemble Private Musicke bei allem Wissen um Stil und Technik seinen sängerischen Instinkten. Das Ergebnis ist glutvolles, lebendiges, ungemein reiches Musizieren.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Meraviglia d'amore: Italienische Liebeslieder aus dem 17. Jahrhundert

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
05.05.2017



Cover vergössern

Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Accent:

  • Zur Kritik... Völlig anders und neu?: Anton Stecks Neuentdeckung von Beethovens Violinkonzert klingt extrem anders: nicht wegen der erstmals eingespielten autographen Ur-Fassung des Soloparts, sondern in der extremen klanglichen Vorstellungsweise. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Mozart historisch inkorrekt: Arthur Schoonderwoerd interpretiert mit seinem Ensemble Cristofori drei Klavierkonzerte Mozarts auf historischen Instrumenten als Folge 6 eines geplanten Gesamtzyklus. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Naturtöne: Sigiswald Kuijken ist seit langem als Interpret und Ensembleleiter explorativen Muts bekannt und auch dafür, fähige Mitstreiter davon zu überzeugen, auf seinen oft wagemutigen Wegen mitzugehen. Das gilt auch für die Brüder Jean-François und Pierre-Yves Madeuf, die hier als Solisten auf heiklem Terrain zu erleben sind. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Accent...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Epiphanias kann kommen: Mit dieser Platte kann man Weihnachten nach Neujahr weiterfeiern: Ein attraktives Programm mit Graupner-Kantaten. Und alle Langeweile verfliegt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Ein Müller in neuem Licht: Christian Gerhaher und Gerold Huber mit einer 'Schönen Müllerin' weit entfernt von simpler Frische oder gar Eindimensionalität. Dies ist der wirklich schicksalhaft-dramatische Schubert-Zyklus. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Advent mit Kuhnau: Pünktlich zum Advent ist die dritte Folge der schon jetzt hochverdienstvollen Kuhnau-Reihe von Gregor Meyer und David Erler beim Label cpo zu verzeichnen: Musik und Komponist verdienen Aufmerksamkeit – es ist eben kein mediokrer Stoff der da geboten wird. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Das Chambre séparée bleibt heute leer: Diese Produktion von Heubergers 'Opernball' setzt leider keine Maßstäbe. Sie ist achtbar, wenn auch nicht von besonderem Esprit getragen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Rascher Aufstieg: Das Arcis Saxophon Quartett erkundet Bearbeitungen und Originalwerke und zeigt sich von inspirierender Frische. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Klarinetten-Facetten: Carolin Renner spürt mit dieser Zusammenstellung den vielfältigen Ausdruckswelten der Klarinette im frühen 20. Jahrhundert nach. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2017) herunterladen (0 KByte) Class aktuell (4/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Frédéric Chopin: Sonate Nr. 3 h-Moll op. 58 - Finale: Presto ma non tanto

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich