> > > Minimal Piano Collection : Kompositionen für Klavier von Johnson, Glass, Garland u.a.
Donnerstag, 13. Dezember 2018

Minimal Piano Collection - Kompositionen für Klavier von Johnson, Glass, Garland u.a.

Archäologie eines Musikkonzepts


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Trotz meist minimaler Mittel epische Breiten: Jeroen van Veen hat eine weitere Box seiner Minimal Piano Collection auf Brilliant Classic vorgelegt, die sich gewissermaßen den Gründervätern dieser Kompositionsrichtung widmet.

Mit fünfeinviertel Stunden Spieldauer auf den ersten vier der acht CDs dieser Box erscheint Dennis Johnsons 'November' (1959) wie ein Klavier-Weihfestspiel des ‚new genre‘: Zu Recht im Umfang und Anspruch mit Morton Feldmans (wesentlich späterem) Zweitem Streichquartett verglichen, zementieren die vierundzwanzig hier in aller Ruhe je 9 bis 30 Minuten dauernden, im Dauerpedal nachhallenden Klänge jenes neue Klang-Raum-Erkunden, das aus der hauptsächlich vom Pianisten verantworteten Zeit-Konstruktion der Meditationen über einfache Intervall-Folgen ohne jede formale Grenze zu entstehen scheint. In der Rekonstruktion von Kyle Gann nach einer nur 100 Minuten vorführenden Bandaufnahme gab es schon 2013 eine Aufnahme auf dem Label Penultimate Press: Wer es rational mag und das Gedächtnis besitzt, kann R. Andrew Lees knapp unter fünf Stunden veranschlagte Version ja mit den individuellen Varianten Van Veens vergleichen; jenseits geduldsamer Zen-Meditation – auf längeren Autofahrten dürfte das Hören eher gefährlich sein – ist aber der rein diskographische Wert für den Sammler höher als die Wahrscheinlichkeit eines oft durchgehörten Dauerbrenners. Es reichen zum ästhetisch gewinnbringenden gelegentlichen Hören auch Stichproben einzelner Parts als Kennenlern-Happen.

November als Initialzündung einer Piano Minmal Music

Dennis Johnson setzte zwar seine Komponistenkarriere nicht fort und wurde lieber Geometrie-Professor; seine allesamt zwischen1935 und 1939 geborenen Generationsgefährten La Monte Young, Terry Riley, Harold Butt, Philip Glass und Tom Johnson sind auf drei der folgenden vier CDs hinreichend als Schulbegründer mit elf überraschend abwechslungsreichen Werktiteln repräsentiert. La Monte Young gilt als wichtigster Pionier des konzentrierten Minimalkonzepts: Die 'Composition 1960 No.7' spürt in ‚nur‘ vier bis fünf Minuten dem Verklingen einer Quinte nach (als Schlussstück auf CD 8 ideal positioniert). Die beiden Klavierstudien Terry Rileys von 1965, ihr gamelanartiges Hinzutreten von rhythmischen Segmenten und Klangeffekten spielt Van Veen mit einem stoisch-neutralen Ebenmaß und dennoch fast affekthafter Penetranz in den dynamischen Steigerungsprozessen: Das ist wirklich von vorne bis hinten im Detail spannend, auch wenn die durchzuhörende Strecke wiederum lange 25 bzw. 33 Minuten beträgt. Phil Glass schließt mit drei Titeln erst wieder aus dem Jahr 1969 nicht nur chronologisch an Riley an: 'Two Pages' profitiert wiederum vom Gespür des Pianisten für feine Binnenakzentuierungen, einer dynamischen Phrasierungskunst im scheinbar Gleichförmigen, das dem Stilkonzept gemäß die Konzentration auch des Hörers auf das kleine Detail als Ereignis lenkt. In der berühmten 'Music for Fifths' bekommt das repetierte Piano-Endlos-Pattern durch Van Veens Hinzunahme einer ‚electronic organ‘ (?) ein Moog-Synthesizer-Design mit handwerklichen Individualeffekten. Und auch die 'Music in Contrary Motion' folgt dem Prinzip der über 20 Minuten ausufernden variablen Grundbewegung. Abwechslungsreicher als in der auch ausgezeichnet aufgezeichneten Spielweise von Van Veen ist sind diese 75 Glass-Minuten kaum vorstellbar.

In den 1970er Jahren werden nicht nur die Röcke kürzer …

…sondern auch die Minimal Piano Pieces (man möge den Chauvinismus zugunsten des Bildes von wachsendem Sex-Appeal komprimierterer Aktionsdichte entschuldigen): Hier stoßen wir auf den erst 1952 geborenen Peter Garland, in dessen Produktion zwischen 1971 und 1976 mit 'A Song' und 'The Days Run Away' wieder zwei lange Röcke, in denen die Melodiefindung thematisiert erscheint, drei kurzen Studien gegenüberstehen: Haiku-artig und fernöstlich-gonghaft fast im faszinierend Harmonisch-Disharmonischen 'The Fall of Quang Tri' (1972) und die 'Two Persian Miniatures' (wunderbar ausgehört vom Pianisten). Der Melodiker unter den Minimalisten liefert mit 'Nostalgia for the Southern Cross' (1976) auch einen Soundtrack für die nächste Murakami-Lektüre oder -Verfilmung. Und das Spätwerk des alten, auch schon 1939 geborenen Tom Johnson bietet mit 'Organ and Silence' (2002), Tilework und retroromantischem Tango den Anschluss der Minmal Music an ein gesten- und zitatreiches 'Anything Goes' der Post-Moderne. 'Block Design' von 2006 genügt ebenfalls zur akustischen Illustration ganzer zeitgenössischer Einsamkeitsepen in Literatur und Film: Man fragt sich, ob nicht eine Spur zu schnell gespielt und damit vielleicht bewusst hektisch – ein gewollter intellektueller Effekt? Trotz des ärgerlich spärlichen Beiheftes minimalster oberflächlicher Werk- und Komponisteninformationen durch den Pianisten (nur auf Englisch): Der Kennenlern-Ertrag dieser Box ist natürlich alles andere als minimal.



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Minimal Piano Collection : Kompositionen für Klavier von Johnson, Glass, Garland u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
8
12.05.2017
EAN:

5028421955438


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Brilliant classics

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Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


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