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Dienstag, 17. Oktober 2017

Bergman, Erik - Chorwerke

Eigenwillig


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es ist dies eine sehr schöne Visitenkarte des Helsinki Chamber Choir, zugleich ein vielfarbiges Porträt Erik Bergmans, einer der wichtigen Stimmen finnischer Chormusik in weiten Teilen des 20. Jahrhunderts.

Erik Bergman (1911-2006) war eine prägende Persönlichkeit des finnischen Musiklebens im 20. Jahrhundert, als Chordirigent, vor allem als Komponist ästhetisch vorwärtsgewandter Musik: Formal neugierig, mit lyrischer Begabung, einem feinen Sinn für Humor und Absurdes durchmaß er die wesentlichen Prägungen seiner Zeit, von der Zwölftontechnik über Serialismus und Sprechgesang bis zur Aleatorik. Auf diesem Weg ist ein überaus farbiges, vielgestaltiges Werk entstanden, von heftigster Chromatik in den 1930er Jahren, hier wie später in volksliednahem Material realisiert, bis zu hochkonzentrierten Zyklen später Jahre, der jüngste aus dem Jahr 2000. Der Chordirigent Nils Schweckendiek und sein Helsinki Chamber Choir haben diesen großen Bogen von 65 Jahren Kreativität jetzt auf einer Doppel-CD durchmessen, erschienen bei BIS.

Bergman fordert in seinem Chorsatz avancierte Techniken, setzt eine enorme harmonische Imaginationskraft voraus, nimmt zur zielsicheren Realisierung seiner angestrebten Wirkungen nicht immer Rücksicht auf sängerische Bequemlichkeit, motiviert die Interpreten seiner Musik freilich auch mit der Klangsinnlichkeit, die seiner Musik bei aller Betonung des Technischen, ästhetisch Klaren eignet. Die frühen Stücke des gerade Zwanzigjährigen zeigen noch konventionelle Wurzeln, verraten aber schon deutlich einen konzentriert und ökonomisch setzenden, klar disponierenden Komponisten. Und auch die späten Arbeiten, zum Beispiel eine 'Petrarca-Suite' von 1991 oder 'Väinämöinen' nach einem Text aus der ‚Kalevala’ von 2000 sind entschieden mehr als nur routiniert oder gekonnt. Letzteres Opus ist sogar noch einmal eine bemerkenswert gehaltvolle Anstrengung des fast Neunzigjährigen auf mehr als 23 Minuten Ausdehnung.

Interpreten von Format

Der Helsinki Chamber Choir, 1962 als Finnischer Radiokammerchor gegründet und seit 2005 unter dem jetzigen Namen firmierend, verfügt als professionelles Ensemble über angemessen profilierte Register, durchaus klangschön, auch rau, mit charaktervollen Ecken und Kanten. Intoniert wird absolut sicher, mit Schärfen in extremer Lage, insgesamt aber bewundernswert stabil und flexibel, bedenkt man die oft zerklüftete Anlage der Musik Bergmans. Der Chor kostet die lyrischen Momente aus, agiert rhythmisch aktiv und präzis, mit wachem Sinn für die Potenziale der schroffen Anlage. Die Vokalisten werfen sich lustvoll, man ist geneigt zu sagen Hals über Kopf, in gewagte Cluster, zeigen sich erkennbar begeistert von den Chancen, die Bergmans Musik ihnen bietet. Komponist und Dirigent halten den Chor zu klarer dynamischer Differenzierung an. Solistische Beiträge gehen aus dem Chor hervor, werden aber auch von profilierten Externen wie dem charismatischen Bariton Herman Wallén eingebracht.

Ob der Helsinki Chamber Choir über vergleichbare Möglichkeiten wie beispielsweise seine baltischen Pendants verfügt, ist ausweislich dieser Platte nicht sicher zu sagen – es fehlen Momente großen romantischen Klangstroms, auch die Wirkung des Ensembles im Zusammenspiel mit dem Raum ist nicht zu bestimmen. Denn die Aufnahmen entstanden im Studio, sind somit konzentriert, plastisch und klar, entbehren aber naturgemäß jedes räumlichen Charmes. Minimale Differenzen zwischen den verschiedenen Aufnahmesitzungen binnen zweier Jahre sind zu verzeichnen, nicht störend, aber doch spürbar.

Es ist dies eine sehr schöne Visitenkarte des Helsinki Chamber Choir, zugleich ein vielfarbiges Porträt Erik Bergmans, einer der wichtigen Stimmen finnischer Chormusik in weiten Teilen des 20. Jahrhunderts. Am Stück gehört, ist es schon eine Herausforderung, vielleicht sollte man sich eine Playlist anlegen, die zeitlich im Werk voranschreitet – oder aber in ohrgerechten Happen genießen. Lohnend ist das Hören auf jeden Fall.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bergman, Erik: Chorwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
2
05.04.2017
EAN:

7318590022528


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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