> > > Bach, Johann Sebastian: Preludien und Fugen arr. für Akkordeon
Sonntag, 24. März 2019

Bach, Johann Sebastian - Preludien und Fugen arr. für Akkordeon

Das Alte Testament mal anders


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mie Miki wagt mit ihrem Bach-Album Neues – und gewinnt.

Clavichord, Cembalo, Hammerklavier, moderner Konzertflügel, Orgel – für unterschiedlichste Tasteninstrumente kursiert eine Flut von Aufnahmen von Bachs WTC. Eine neue, ganz andere Sichtweise auf das von Hans von Bülow so genannte ‚Alte Testament’ der Klavierliteratur zeigt die japanische Akkordeonistin Mie Miki auf – ihre über mehrere Jahre hinweg zusammengestellte Auswahl an Präludien und Fugen aus beiden Bänden ist nun bei BIS Records erschienen.

Scharfe Konturen

Von Anfang an hört man, mit wie viel Sorgfalt sich die ehemalige Klavier- und Akkordeonstudentin der Musikhochschule Hannover und heutige Dozentin an der Essener Folkwang Universität mit den Stücken auseinandergesetzt hat. Beginnend mit dem allseits bekannten C-Dur-Präludium BWV 846 und der korrespondierenden Fuge, wird schon darin deutlich, worauf es in dieser speziellen Darstellung ankommt: Wichtige Voraussetzung in diesem Format ist desto mehr als auf den anderen eingangs genannten Instrumenten die Fähigkeit, im Anschlag dynamisch besonders fein zu differenzieren. Denn nur so können sich die einzelnen Stimmen überhaupt deutlich voneinander abheben – ein Kriterium, das Miki ohne weiteres erfüllt. Etwa im c-Moll-Präludium der zweiten Kombination kreiert sie in den unentwegt raschen Sechzehntel-Ketten luftige, gut durchhörbare Sphären. Auch sonst versteht sie es, wo immer fließende Bewegung herrscht - etwa im D-Dur-Präludium BWV 850 - auch in hohem Tempo trennscharfe Konturen zu zeichnen und mit abrupten Wechseln bis hinein in zartestes Pianissimo, nicht nur Transparenz, sondern auch musikalisch gehaltvolle Phrasen zu formen.

Klare Bereicherung

In den architektonisch verzweigten Fugen setzt sie saubere Stimmführungsakzente und hebt die übereinander gelegten Dimensionen größtenteils plastisch voneinander ab. Bei aller stimmlichen Präzisionsarbeit, stilistischen und musikalischen Tiefenschärfe im Spiel Mikis zeigt sich allerdings doch, dass die Ausführung auf dem Akkordeon an Stellen besonders komplexer Polyphonie an Grenzen stößt: Beispielsweise in der C-Dur-Fuge des Eingangspaares oder im G-Dur-Präludium BWV 884 verschwimmen Konturen schlicht deshalb, weil auf klanglich vergleichsweise beengtem Raum eine farbliche Variabilität unterschiedlicher Lagen (im Gegensatz etwa zum  Konzertflügel) nur eingeschränkt zur Verfügung steht. Das hat zur Folge, dass Strukturen stellenweise ineinander verfließen, wofür Miki selbst aber eben nichts kann.

Alles in allem aber dennoch ein Projekt, auf das jahrelang hinzuarbeiten sich gelohnt hat, das eine klare Bereicherung der Aufnahmelandschaft darstellt und trotz gewisser klangspezifischer Nachteile neue, spannende Blickwinkel eröffnet. Ein Beitrag der Künstlerin im Booklet zeigt ihre eigenen konzeptionellen Gedanken auf und erzählt über den Weg bis zur Realisierung.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bach, Johann Sebastian: Preludien und Fugen arr. für Akkordeon

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
05.04.2017
EAN:

7318599922171


Cover vergössern

BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BIS Records:

  • Zur Kritik... Galanterien statt Sturm und Drang: Ganz dem Zeitgeschmack um 1780 entspricht Carl Philipp Emanuel Bachs dritte Sammlung für Kenner und Liebhaber. Miklos Spanyi spielt sie in der 33. Folge seiner Gesamtaufnahme der Tastenmusik des Bach-Sohns ganz entspannt auf einem Tangentenflügel. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Anspruchsvolles Gesamtpaket: Ganz im Sinne des Albumtitels lässt 'Estrellita' wertvolle Evergreen- und Encore-Juwelen funkeln. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Bildhaftes Drama: Fagerlunds ist nicht einfach 'nur' eine Filmoper, sondern ein eigenständiges Werk, das die Mittel des Musiktheaters überzeugend zu nutzen versteht. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von BIS Records...

Weitere CD-Besprechungen von Thomas Gehrig:

  • Zur Kritik... Fundierte Quellenforschung: Ein weiteres hörenswertes Kapitel dieser zu Recht so erfolgreichen BR-Klassik-Geschichte. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Anspruchsvolles Gesamtpaket: Ganz im Sinne des Albumtitels lässt 'Estrellita' wertvolle Evergreen- und Encore-Juwelen funkeln. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Kunstlied auf Koreanisch: Die kompetenten Interpreten stellen Kunstlieder von Young Jo Lee vor – eine spannende Fusion aus koreanischen und westlichen Kompositionsformen. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle Kritiken von Thomas Gehrig...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Klangmagie: Eine spannende Sicht auf eine unbekanntere Facette italienischer Instrumentalmusik der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Spannende Reise: Die aparte Kammermusikbesetzung Violine/Violoncello ist bei Julia Fischer und Daniel Müller-Schott in allerbesten Händen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Meisterlich: Ein substanziell attraktives, ganz vorzüglich gesungenes und gespieltes Programm mit einem schönen Schwerpunkt auf den Werken Johann Theiles: Simone Eckerts Hamburger Ratsmusik und Dorothee Mields überzeugen rundum. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (3/2019) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich