> > > Brauss, Elisabeth spielt: Klavierwerke von Beethoven, Chopin u.a.
Donnerstag, 23. November 2017

Brauss, Elisabeth spielt - Klavierwerke von Beethoven, Chopin u.a.

Starke Präsenz


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auf ihrem Debüt-Album lässt Elisabeth Brauß großes pianistisches Potential und stilistische Wandelbarkeit erkennen.

Debuts sind immer eine spannende Sache – für den Hörer einerseits, als wichtiger Meilenstein in der jungen Karriere eines Interpreten andererseits. Ihr erstes Album hat die junge aus Hannover stammende Pianistin Elisabeth Brauß bei Oehms Classics in Co-Produktion mit dem Sender hr2 Kultur vorgelegt.

So geht Beethoven!

Eine stilistisch breit gefächerte Werkauswahl hat sie dabei getroffen, den Anfang macht Beethovens D-Dur-Sonate op. 10/3. Von den ersten Takten an lässt sie durch hochkonzentriertes, agogisch äußerst lebendiges Spiel aufhorchen. Entsprechend statisch aufgeladen gelingt ihr der Kopfsatz, auch Menuett und finales Rondo vibrieren voller Vitalität und musikalischer Impulse. Begünstigend hinzu kommt Brauß’ dynamisch variabler Anschlag; im 'Largo e mesto' lässt sie den Flügel mit warmem Timbre singen. Alles in allem eine Interpretation, die das Niveau von Referenz-Exegeten wie Alfred Brendel oder – speziell, was diese Sonate betrifft – auch Grigory Sokolov zwar nicht ganz erreicht, es aber beachtlich oft streift – kurz gesagt: So geht Beethoven!

Musikalische Übersicht

Von der Wiener Klassik wagt sie den Sprung zu Prokofjews früher Zweiter Sonate d-Moll op. 14. Auch hier kommen ihr die Impulsivität und spontane Wandlungsfähigkeit ihres Spiels zugute. In den raschen Sätzen überzeugt sie durch kraftvollen Zugriff, scharfkantige Artikulation und technische Sicherheit in den schwer zu spielenden perkussiv angelegten Passagen. Auch gestalterisch wird sie der Darstellung der konträren Elemente aus harmonischen und rhythmischen Spannungsfeldern gerecht und behält die Übersicht über die vielgestaltigen Konturen. Im 'Andante' unterstreicht sie wirkungsvoll das lyrische Element.

In Chopins b-Moll-Sonate überzeugt sie eingangs mit vollgriffigem Volumen und spürbar starker musikalischer Präsenz. Der Beginn des Kopfsatzes besitzt klare, dramaturgisch stringente Linie – in der Durchführung unterläuft ihr allerdings ein stilistischer Bruch, hier gerät das Tempo inkohärent und wirken die geballten Akkordfolgen etwas träge. Auch das Scherzo bleibt hinter der vergleichsweise üblichen ‚Durchschnittsgeschwindigkeit’ zurück und büßt dadurch etwas an Wirkung ein. Eine absolute Rarität hat sie sich für den Schluss aufgehoben: Die vierhändige 'Etude de couleurs' op. 115 ist ein vom Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft im BDI e.V. in Auftrag gegebenes Werk des 1955 geborenen Komponisten Michael Denhoff. Gemeinsam mit Partner Fabian Müller gelingt ihr eine im besten Sinne des Titels farbenreiche Deutung, die virtuose Fähigkeiten, klangliche Sensibilität und präzise Diktion zu einem den Hörer unmittelbar ansprechenden Ganzen verbindet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Brauss, Elisabeth spielt: Klavierwerke von Beethoven, Chopin u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
28.04.2017
EAN:

4260034864603


Cover vergössern

OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag OehmsClassics:

  • Zur Kritik... Ein Weihnachtsoratorium: Das Engagement der Ensembles und des Dirigenten für dieses noch immer selten gespielte Weihnachtsoratorium von Graun ist hocherfreulich und verdienstvoll. Vermutlich wird nichts Kanonisches ersetzt. Eine lohnende Alternative ist es dennoch. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Wiederentdeckt: Die Sopranistin Miriam Alexandra und der Pianist Eric Schneider erkunden mit den Liedern der berühmten Musikerin aus dem 19. Jahrhundert unbekanntes musikalisches Terrain. Weiter...
    (Sonja Jüschke, )
  • Zur Kritik... Dramatische Leidenschaft: 'Leuchtende Liebe' ist mit einer Laufzeit von gerade mal 54 Minuten eine nicht sehr lange, aber wirkungsvolle Empfehlung an alle großen Opernhäuser, die vielversprechenden dramatischen Nachwuchs suchen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von OehmsClassics...

Weitere CD-Besprechungen von Thomas Gehrig:

blättern

Alle Kritiken von Thomas Gehrig...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Das Chambre séparée bleibt heute leer: Diese Produktion von Heubergers 'Opernball' setzt leider keine Maßstäbe. Sie ist achtbar, wenn auch nicht von besonderem Esprit getragen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Rascher Aufstieg: Das Arcis Saxophon Quartett erkundet Bearbeitungen und Originalwerke und zeigt sich von inspirierender Frische. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Klarinetten-Facetten: Carolin Renner spürt mit dieser Zusammenstellung den vielfältigen Ausdruckswelten der Klarinette im frühen 20. Jahrhundert nach. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2017) herunterladen (0 KByte) Class aktuell (4/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich