> > > Brauss, Elisabeth spielt: Klavierwerke von Beethoven, Chopin u.a.
Dienstag, 19. Juni 2018

Brauss, Elisabeth spielt - Klavierwerke von Beethoven, Chopin u.a.

Starke Präsenz


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auf ihrem Debüt-Album lässt Elisabeth Brauß großes pianistisches Potential und stilistische Wandelbarkeit erkennen.

Debuts sind immer eine spannende Sache – für den Hörer einerseits, als wichtiger Meilenstein in der jungen Karriere eines Interpreten andererseits. Ihr erstes Album hat die junge aus Hannover stammende Pianistin Elisabeth Brauß bei Oehms Classics in Co-Produktion mit dem Sender hr2 Kultur vorgelegt.

So geht Beethoven!

Eine stilistisch breit gefächerte Werkauswahl hat sie dabei getroffen, den Anfang macht Beethovens D-Dur-Sonate op. 10/3. Von den ersten Takten an lässt sie durch hochkonzentriertes, agogisch äußerst lebendiges Spiel aufhorchen. Entsprechend statisch aufgeladen gelingt ihr der Kopfsatz, auch Menuett und finales Rondo vibrieren voller Vitalität und musikalischer Impulse. Begünstigend hinzu kommt Brauß’ dynamisch variabler Anschlag; im 'Largo e mesto' lässt sie den Flügel mit warmem Timbre singen. Alles in allem eine Interpretation, die das Niveau von Referenz-Exegeten wie Alfred Brendel oder – speziell, was diese Sonate betrifft – auch Grigory Sokolov zwar nicht ganz erreicht, es aber beachtlich oft streift – kurz gesagt: So geht Beethoven!

Musikalische Übersicht

Von der Wiener Klassik wagt sie den Sprung zu Prokofjews früher Zweiter Sonate d-Moll op. 14. Auch hier kommen ihr die Impulsivität und spontane Wandlungsfähigkeit ihres Spiels zugute. In den raschen Sätzen überzeugt sie durch kraftvollen Zugriff, scharfkantige Artikulation und technische Sicherheit in den schwer zu spielenden perkussiv angelegten Passagen. Auch gestalterisch wird sie der Darstellung der konträren Elemente aus harmonischen und rhythmischen Spannungsfeldern gerecht und behält die Übersicht über die vielgestaltigen Konturen. Im 'Andante' unterstreicht sie wirkungsvoll das lyrische Element.

In Chopins b-Moll-Sonate überzeugt sie eingangs mit vollgriffigem Volumen und spürbar starker musikalischer Präsenz. Der Beginn des Kopfsatzes besitzt klare, dramaturgisch stringente Linie – in der Durchführung unterläuft ihr allerdings ein stilistischer Bruch, hier gerät das Tempo inkohärent und wirken die geballten Akkordfolgen etwas träge. Auch das Scherzo bleibt hinter der vergleichsweise üblichen ‚Durchschnittsgeschwindigkeit’ zurück und büßt dadurch etwas an Wirkung ein. Eine absolute Rarität hat sie sich für den Schluss aufgehoben: Die vierhändige 'Etude de couleurs' op. 115 ist ein vom Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft im BDI e.V. in Auftrag gegebenes Werk des 1955 geborenen Komponisten Michael Denhoff. Gemeinsam mit Partner Fabian Müller gelingt ihr eine im besten Sinne des Titels farbenreiche Deutung, die virtuose Fähigkeiten, klangliche Sensibilität und präzise Diktion zu einem den Hörer unmittelbar ansprechenden Ganzen verbindet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Brauss, Elisabeth spielt: Klavierwerke von Beethoven, Chopin u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
28.04.2017
EAN:

4260034864603


Cover vergössern

OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag OehmsClassics:

  • Zur Kritik... Goethe-Lieder: Dieses Album präsentiert in attraktiver Besetzung viele unerhörte Goethe-Vertonungen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Der jüngere Galilei: Axel Wolf, Kammermusiker, Begleiter und Ensemblepartner von Rang, beweist mit Michelangelo Galileis Musik, dass er auch solistisch glänzen kann. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Dünne Apokalypse: Ein Musterbeispiel dafür, wie ein schlechtes Klangbild ein eigentlich großartiges Live-Konzert ruiniert. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von OehmsClassics...

Weitere CD-Besprechungen von Thomas Gehrig:

  • Zur Kritik... Weltpremiere: Das von Santiago Mantas eingegangene Rekonstruktions-Wagnis überzeugt leider nur wissenschaftlich-formal, nicht aber musikalisch. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Beethoven reloaded: Claire Huangci und das Brandenburgische Staatsorchester leisten einen wertvollen Beitrag, um eine völlig unterschätzte Bearbeitung aus dem „Dornröschen-Schlaf“ zu erwecken. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Statisch aufgeladen: Cathy Krier untermauert ihre Kompetenz in Sachen pianistische Moderne. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle Kritiken von Thomas Gehrig...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Archetypen: Frauentypen in Barockarien, hervorragend interpretiert von Mary-Ellen Nesi. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Das Pianistische überwinden: Mihai Ritivoiu stellt sich mit seinem klug ausgewählten Programm als interessanter Musiker vor, dem die Gefahren pianistischer Selbstgefälligkeit sehr wohl bewusst sind. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
  • Zur Kritik... Gesang der Instrumente: Tomás Netopil und das Prague Symphony Orchestra überzeugen mit atmosphärischen Suiten aus Janáčeks Opern. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (6/2018) herunterladen (2361 KByte) Class aktuell (2/2018) herunterladen (3463 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Ludwig van Beethoven: Sonate für Klavier und Violine op.12 Nr.1 - Tema con Variazioni - Andante con moto

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich