> > > Schostakowitsch, Dmitri: Werke für Streichorchester
Montag, 24. September 2018

Schostakowitsch, Dmitri - Werke für Streichorchester

Kongeniale Arrangements mit Balance-Problemen


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die kongenialen Arrangements der Schostakowitsch-Streichquartette durch Rudolf Barschai erfahren hier nur eine mittelprächtige Interpretation.

Der erstaunliche Kosmos der 15 Symphonien von Dimitri Schostakowitsch lässt die übrigen Werke des Komponisten bisweilen etwas in den Hintergrund treten. Dabei sind die (ebenfalls 15) Streichquartette ähnlich fest im Repertoire verankert wie die Symphonien und werden weltweit gespielt und gehört. Wechselbeziehungen zwischen den beiden Gattungen wurden schon von den Zeitgenossen festgestellt, so geht die schlanke Besetzung der neunten Symphonie ein wenig in Richtung der Kammermusik, während umgekehrt das Dritte Streichquartett bisweilen orchestrale Züge trägt.

Der eng mit Schostakowitschs Werk vertraute Bratscher und Dirigent Rudolf Barschai (1924 bis 2010) zog daraus die Konsequenz, dieses Dritte Quartett (und auch die Nummern 1, 4, 8 und 10) zu einer Kammersymphonie umzuarbeiten. Diese Bearbeitungen erfolgten in enger Abstimmung mit dem Komponisten und wurden von ihm gutgeheißen, erhielten teilweise sogar ‚ergänzende‘ Opusnummern (also op. 73a in Anlehnung an das Original op. 73). Die Kiev Virtuosi unter der Leitung von Dmitry Yablonsky spielen auf dieser CD zwei dieser von Barschai arrangierten Quartette, neben dem erwähnten Dritten Quartett auch die Kammersymphonie nach dem Zehnten Quartett op. 118a.

Barschais Bearbeitungen bleiben eng am Original und betonen zunächst wenig überraschend die Streicherfarben, so dass beispielsweise die ersten Minuten der Kammersymphonie op. 73a komplett von den Streichern bestritten werden. Doch bald treten dezente Holzbläser-Farben hinzu, und hier zeigt sich die Genialität des Bearbeiters: Ohne den mal humoristischen, mal (zumal im Scherzo) beinahe aggressiven Tonfall des Originals je zu verfälschen, ergänzt er eine dezente eigene Note, die sich vor allem in eleganten Klangkoppelungen zeigt. Die Koppelungen – zumal zwischen Holzbläsern und Streichern – herauszuarbeiten, ist Yablonsky leider nur teilweise gelungen. Allzu sehr lässt er die Streicher hervortreten. Dies ist (da es sich beim Original ja um ein Streichquartett handelt) verständlich, wird aber dem Arrangement nur bedingt gerecht. Die Farbigkeit und Abwechslung von Barschais Arrangement kommt zumal in der Interpretation von op. 73 etwas zu kurz, die (an sich tadellos spielenden) Holzbläser müssen sich immer wieder gegen übermäßig dominante Streicher behaupten. Dieser Eindruck wird vom nur mäßig ausgewogenen Klangbild unterstrichen, das mit recht viel Hall ebenfalls einseitig die Streichergruppe bevorzugt.

Ähnlich verhält es sich in der Streichersymphonie op. 118a (man beachte die unterschiedliche Namensgebung – diesmal ausdrücklich nicht ‚Kammersymphonie‘), die insgesamt einen herberen Tonfall anschlägt als das recht zugängliche op. 73a. Laut Krzysztof Meyer ist das Werk ein Beispiel für das ‚für Schostakowitsch [...] charakteristische [...] Phänomen, dass die Kammermusik plötzlich symphonisch-dramatische Züge annimmt.‘ (so Meyer in seiner Biographie über den Komponisten) Die Bearbeitung für ein größeres Ensemble liegt demnach bereits im Werk selbst begründet, das jäh zwischen lyrischen und dramatischen Momenten wechselt – eine Tour de force für die Musiker wie für den Hörer. Während es Yablonsky respektabel gelingt, diese Kontraste zu vermitteln und die klanglichen Herbheiten ins Gesamtgeschehen einzubinden, hapert es auch hier an der Balance zwischen den einzelnen Streichergruppen. Es ist nicht immer klar, ob die durchschnittliche Akustik hierfür alleine die Verantwortung trägt; gerade angesichts der relativ geringen Größe des Ensemble verblüffen diese Unausgewogenheiten jedenfalls den Hörer. Yablonsky, der in seiner langen Tätigkeit als Dirigent deutlich größere Klangmassen erfolgreich ausbalanciert hat, scheint hier die Zügel etwas zu locker zu lassen.

Dennoch ist diese CD eine wertvolle Ergänzung zur Schostakowitsch-Diskographie, denn während die Symphonien und (originalen) Streichquartette in vielen Einspielungen vorliegen, ist die Anzahl der aufgenommenen Barschai-Arrangements überschaubar. Dass hier sowohl interpretatorisch als auch klanglich noch Luft nach oben ist, wird Freunde von Schostakowitschs Musik kaum stören. Der für den Komponisten typische Tonfall - mal entwaffnend melodiös, mal hochexpressiv-dramatisch - kommt in den Arrangements von Barschai bestens zur Geltung. Kleines Manko der CD ist ein nur auf englisch verfügbarer Beiheft-Text.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schostakowitsch, Dmitri: Werke für Streichorchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
07.04.2017
EAN:

747313360178


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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