> > > Novak, Vitezslav: In the Tatra Mountains und andere Orchesterwerke
Donnerstag, 19. Oktober 2017

Novak, Vitezslav - In the Tatra Mountains und andere Orchesterwerke

Raffiniert und wirkungsmächtig


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


JoAnn Fallette und das Buffalo Philharmonic Orchestra erkunden einmal mehr unbekanntes spätromantisches Terrain, diesmal mit Werken von Vitĕzslav Novak.

Einst war Vitĕzslav Novak (1870–1949) eine internationale Berühmtheit, heute ist er selbst in seiner tschechischen Heimat weitgehend in Vergessenheit geraten. Ein einziges Werk aus seiner Feder wird zumindest hin und wieder im Konzert gespielt, die Tondichtung 'In der Tatra' op. 26 aus dem Jahr 1902. Die musikalische Inspiration durch ein Gebirge, wie man sie auch in der 'Alpensymphonie' von Richard Strauss finden kann, führte zu einer raffiniert instrumentierten und wirkungsmächtigen Tondichtung, die selten ihre Wirkung beim Publikum verfehlt. Doch auf Tonträgern ist 'In der Tatra' eher selten vertreten, weshalb JoAnn Falletta und das Buffalo Philharmonic Orchestra – ohnehin Spezialisten für selten gespielte Orchesterwerke der mittleren und späten Romantik – mit dieser CD durchaus eine Repertoire-Lücke schließen. Zwei weitere Orchesterwerke aus der Feder des Komponisten ergänzen das reine Novak-Programm: Die Ouvertüre zu 'Lady Godiva' op. 41 (1907) und die Tondichtung 'Von der Ewigen Sehnsucht' op. 33 aus dem Jahr 1905.

Durch die effektvollen Steigerungen und die inspirierten Themen muss 'In der Tatra' den Vergleich mit den Landsmännern Dvorak und Smetana nicht scheuen, die eingestreuten Instrumental-Soli geben zudem einzelnen Orchestermitgliedern (insbesondere dem Konzertmeister) Gelegenheit, ihr Können zu demonstrieren. Ob das von Novak skizzierte Programm (Aufkommen eines Sturms bei einer Wanderung durch die Hohe Tatra) für die Rezeption des Werkes wesentlich ist oder nicht, sei dahingestellt; jedenfalls gelingt es Falletta, diesen 'orchestralen Sturm' präzise und klangmächtig zu inszenieren, auch wenn die Perkussionsinstrumente vielleicht eine Spur zu deutlich hervortreten. Mit einem süffigen Streicherklang und einem überaus präsenten, satt klingenden Blech hat sich das Buffalo Philharmonic Orchestra Bestnoten verdient und zeigt einmal mehr, dass es – wenn überhaupt – nur minimal hinter den Spitzen-Orchestern der USA zurücksteht. Lediglich der etwa hallige Klang in der Kleinhans Music Hall trübt den Gesamteindruck.

Etwas blasser präsentiert sich die Ouvertüre zu 'Lady Godiva', die in ihrer schmetternd-kolossalen Grundcharakteristik nicht das hohe Niveau von 'In der Tatra' halten kann. Diese Einschränkung gilt aber nur für das Werk selbst, in der Interpretation knüpfen die Musiker aus dem Nordosten der USA nahtlos an das vorangegangene Stück an: Voll ausgekostete Steigerungen und eine große dynamische Spannweite (bis zum finalen ‚Durchbruch‘ mit Glocken à la Gustav Mahler) sind auch hier die Pluspunkte einer Einspielung, die zudem von Fallettas straffen Tempi profitiert. Erneut muss der Hörer allerdings kleine Abstriche bei der Klangqualität machen, wenn etwa die Pauken am Anfang des Werkes etwas zu stark in den Vordergrund treten. Der rhythmisch-schmetternde Grundton der Ouvertüre wird in dieser Interpretation gut eingefangen, es bleibt auch noch Platz für die verträumt-lyrischen Binnenabschnitte.

Längstes Werk dieser Novak-Werkschau ist 'Von der Ewigen Sehnsucht' nach Hans Christian Andersen, eine recht bombastische, streckenweise substanziell wenig gelungene Tondichtung, die sowohl gegenüber der 'Tatra' als auch der 'Lady Godiva'-Ouvertüre abfällt. Ein geschickter Orchestrator war Novak zwar auch hier, wie alleine der zarte Beginn mit Holzbläsern und Streichern demonstriert. Doch im Laufe der zwanzig Minuten fällt der Spannungsbogen gleichsam in sich zusammen, was auch die beste Interpretation nicht wettmachen kann. Falletta wählt erneut ein relativ hohes Tempo und kann so die eine oder andere Länge überbrücken. Insgesamt bleibt es aber gut nachvollziehbar, warum dieses Stück sich nicht im Repertoire halten konnte.

Für alle aufgeschlossenen Hörer, die den Komponisten Vitĕzslav Novak kennenlernen möchten, ist die CD trotz der qualitativen Differenzen zwischen den Werken gut geeignet. Falletta und die Orchestermusiker aus Buffalo sind die denkbar besten Anwälte für die Musik eines Spätromantikers, der – vielleicht nicht unbedingt aus rein musikalischen Gründen – in zwei Jahren eine Renaissance erleben könnte: 2019 läuft der urheberrechtliche Schutz für Novaks Kompositionen aus. Findige Konzertveranstalter haben dies bestimmt schon auf dem Zettel stehen. Denn an Wirkung und klanglicher Raffinesse fehlt es seinen Werken nicht, dafür ist diese CD ein hervorragender Beleg.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Novak, Vitezslav: In the Tatra Mountains und andere Orchesterwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
07.04.2017
EAN:

747313368372


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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