> > > Bach, Johann Sebastian: St. John Passion
Montag, 6. Dezember 2021

Bach, Johann Sebastian - St. John Passion

Gar sanft ohn einge Qual und Pein


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gewisse Parallelen zur Thomasschule in Leipzig sind nicht zu ignorieren: Die bis ins Jahr 1379 zurückgehende Tradition des New College in Oxford legt größten Wert auf die Pflege seines eigenen Chores, der mindestens den selben international renommierten Ruf in der geistlichen Musik genießt, wie sein Pendant in Leipzig, welches gedanklich untrennbar mit Johann Sebastian Bach verbunden ist. Dessen hier vorliegende Johannespassion hat er kurz nach seinem Amtsantritt als Thomaskantor komponiert und am Karfreitag 1724 dort zum ersten Mal aufgeführt.

Es ist ganz bestimmt der Verdienst von Edward Higginbottom, der 1976 als 29jähriger die Leitung des New College Choir Oxford übernahm und als Spezialist für Alte Musik und erfahrener Chorpädagoge das Ensemble im hellen Kerzenschein der internationalen (überwiegend geistlichen) Musikszene behielt. Bezeichnend für die künstlerische und menschliche Verbundenheit der Musiker ist es außerdem, dass die Vokalisten für diese Einspielung unter dem Dach des Plattenlabels NAXOS ausschließlich aus den eigenen Reihen stammen: die Choristen als auch die Solisten - alle sind oder waren sie Mitglieder des Knabenchors. Dies lässt sich nicht nur aus der Besetzungsliste ablesen, sondern vor allem am homogenen Ergebnis erhören.

127 Minuten Passion auf hohem Niveau bietet Higginbottom seinen Hörern: Gut nachzuempfinden ist die Leidensgeschichte Jesu in einem fast opernhaft flüssigen Tempo. Die Choräle geben ein anrührendes Bild ab, das aus unschuldig kindlichem Eifer, äusserst disziplinierter Artikulation und fundierter Musikalität kreiert ist. Ein bisschen unbefriedigend dagegen ist das wenig ganzheitliche Klangergebnis im Chor, was aber rein aufnahmetechnische Mängel als Ursache hat. Unter den Solisten ist als ausgezeichneter Evangelist der Tenor James Gilchrist hervorzuheben. Nahezu akzentfrei und deutlich nimmt er mit dem schnörkellosen, warmen Timbre seiner Stimme emotional Anteil am Leiden Jesu. Während andernorts die Rezitative oftmals als schematisiertes Verbindungsglied zwischen den Arien und Chorälen eher hingenommen als genossen werden, sind sie hier ein berührender, harmonischer Teil des Kunstwerks. Auch die übrigen Solisten machen sprachlich wie gesanglich eine gute Figur, wobei bei dem Knabensopran trotz seiner durchaus reinen, vielversprechenden Stimme mit Rücksicht auf seine künstlerische Unerfahrenheit einige Augen zugedrückt werden müssen - zu antiseptisch klingen die wenig artikuliert abgesungenen Worthülsen.

Higginbottom beweist durchaus sein handwerklich versiertes Händchen bei der Umsetzung dieser im Vergleich zu seiner jüngeren 'großen Schwester', der Matthäuspassion, insgesamt feinsinniger, persönlicher und intimer geschilderten Geschichte des Johannes. Richtige Highlights, hevorzuhebende emotionale Höhepunkte, diese zu nennen fällt indes eher schwer, nachhaltige Erschütterungen bleiben aus. Aber sie als historisch fundiertes und vergleichsweise günstiges Tondokument, auf das man auch außerhalb der Passionszeit zugreifen kann, im CD-Regal zu wissen, das spendet Trost. Auch für Nicht-Christen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: St. John Passion

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Naxos
2
15.04.2003
1:50:17
2002
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
0747313229628
8.557296-97


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Bach, Johann Sebastian


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Dirigent(en):Higginbottom, Edward
Interpret(en):The Choir of New College Oxford,
Collegium Novum,


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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