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Mittwoch, 18. Oktober 2017

Pärt, Arvo - Werke für Chor

Echo


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein schöner Ausschnitt aus der aktiven Pärt-Pflege beim Bayerischen Rundfunk. Diese Musik ist es wert, im Konzert immer wieder zur Diskussion gestellt zu werden. Und auch das konservierte Echo lohnt.

Die Musik des Esten Arvo Pärt spielt beim Bayerischen Rundfunk nicht erst seit der Amtszeit von Peter Dijkstra als Leiter des BR-Chors eine wichtige Rolle. Schon Marcello Viotti hatte für seine der geistlichen Musik des 20. Jahrhunderts gewidmeten Konzertreihe ‚Paradisi Gloria‘ Werke Pärts ins Programm genommen. Auf der vorliegenden Platte werden einige Live-Aufnahmen sehr verschiedener Zeiten – entstanden sind sie von 2000 bis 2011 – präsentiert; einige sind sicher der erwähnten Reihe zuzuordnen, bei anderen bleibt es eine begründete Vermutung, weil sich das eher auf Präsentabilität denn auf informationelle Vollständigkeit fixierte Booklet dazu beharrlich ausschweigt. Dirigenten sind neben dem schon 2005 verstorbenen Viotti selbst der Engländer Robert King, der nach Viotti langjährige Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters, Ulf Schirmer, sowie der schon erwähnte Peter Dijkstra.

Der erste Beitrag, die 1964 entstandene 'Collage über B-A-C-H' ist deshalb der vielleicht interessanteste Impuls der Platte, weil er eher selten gespielt wird und dazu Beispiel der heute wenig wahrgenommenen Frühphase im Schaffen Arvo Pärts ist, vor dem Bruch 1968/76, nach dem der Komponist zu seinem der Gegenwart vertrauten Stil und gewaltiger Produktivität gefunden hat. Pärt findet schon hier, in diesem frühen Werk für Streicher, Oboe, Cembalo und Klavier zu einer intensiven Begegnung mit dem Alten, liefert diese Reminiszenz aber auch mitleidlos harten Clustern und schroffen Klanggestalten aus, bei freilich schon ausgeprägter Klangsensibilität. Daran schließt sich eine 2005 aufgenommene Version der 'Sieben Magnificat-Antiphonen' (1988/91), eines oft gesungenen und hochwertig eingespielten Kernstücks avancierten Pärt-Repertoires. Ebenfalls populär ist der 'Cantus in Memory of Benjamin Britten' (1977/80), eines der vielleicht wirkungsvollsten Orchesterstücke Pärts, mit großer Intensität des Streichorchesters und Glocken von schneidender Substanz.

Den größten Raum nehmen zwei vokal-instrumentale Werke von einigen Ausmaßen ein: Das von Ulf Schirmer 2011 eingespielte 'Cecilia, vergine romana' (2000/2002), das Pärt für das Heilige Jahr komponierte, ist ein an Farben reiches Stück, von einnehmender lichter Ruhe, pausendurchbrochen, mit Klängen von großer Transparenz und Traurigkeit. Und das insgesamt gewichtigste Stück der Platte, die 2000 von Marcello Viotti gemeinsam mit dem Hilliard Ensemble realisierte 'Litany' (1994/96) ist von großer sinnlicher Qualität, spannungsreich im Aufbau, mit gewaltigen dynamischen Dimensionen, bei durchaus Pärt-typisch variantenarmem Material.

Ansprechende Ergebnisse

Auf den ersten Blick mag das disparat wirken, doch fügt sich das in der Folge der aktuellen Kompilation gelungen zusammen. Das Münchner Rundfunkorchester spielt seine Parts präzis, die feinen Akzente der Partituren durchweg bewusst setzend und auskostend; Linien erblühen sanft, schüchtern fast. Man spürt: Das Orchester vertraut sich der Wirkung des Pärtschen Idioms an, bei gleichbleibend hoher Konzentration, ohne sich ergriffen vom primär Musikalischen abzuwenden. Auch die zerklüftete Anlage der 'Litany' fügt sich so zu einem gerundeten Ganzen. Pärts Musik verlangt ruhevolle Tempi, geprägt von Pausen und sanften Steigerungen, hin zu seltenen Aufwallungen: All das beherzigen die Dirigenten. Und sie entfalten die von manchem Hörer vielleicht unerwartete dynamisch Bandbreite mit der gebotenen Geduld, wäre es doch fatal für den Eindruck der Musik, allzu vorfreudig auf vordergründige Effekte zuzusteuern.

Der BR-Chor bringt seine Partien mit gebändigter Kraft, mit viel lyrischem Schmelz zum Beispiel in 'Cecilia, vergine romana', insgesamt in den früheren Aufnahmen noch etwas ausladender: Bei aller auch hier hörbaren Klasse hat sich der Chor in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten, maßgeblich unter der künstlerischen Leitung Peter Dijkstras, noch deutlich entwickelt, hat er an stimmlicher und stilistischer Flexibilität hinzugewonnen. Schließlich das Hilliard Ensemble, das hier in der Besetzung mit dem Countertenor David James, den Tenören Rogers Covey-Crump und John Potter sowie dem Bariton Gordon Jones zu hören ist: Die 'Litany' ist eins der Paradestücke des Ensembles gewesen, James und Covey-Crump präsentieren sich in glänzender Form, auch Jones wirkt mindestens solide, während John Potter, der ein Jahr nach der Aufnahme aus der Formation ausschied, in seiner solistischen Tongebung schon etwas unstet klingt. Doch zeigt sich hier eindrucksvoll, was für eine sensationelle Live-Formation das Hilliard Ensemble war, das sich 2014 nach 40jährigem Bestehen auflöste. Klanglich ist das Ergebnis dieser Live-Mitschnitte sämtlich gelungen und naturgemäß doch verschieden in den Ausprägungen. Kleinere Dysbalancen sind zu verzeichnen, zum Beispiel treten die Solisten des Hilliard Ensembles gelegentlich viel zu deutlich hervor. Doch ist das Ergebnis in der Summe durchaus positiv zu nennen.

Ein schöner Ausschnitt aus der aktiven Pärt-Pflege beim Bayerischen Rundfunk – die übrigens auch in der aktuellen Saison von ‚Paradisi Gloria‘ fortgeführt wurde. Diese Musik ist es wert, im Konzert immer wieder zur Diskussion gestellt zu werden. Und auch das konservierte Echo lohnt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Pärt, Arvo: Werke für Chor

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
28.04.2017
070:08
2011
EAN:
BestellNr.:
Booklet
4035719003192
900319


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Pärt, Arvo


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"Wie kaum einem anderen zeitgenössischen Komponisten ist es dem Esten Arvo Pärt (*1935) gelungen, die geistliche Musik auch außerhalb des Gottesdienstes wieder ins Bewusstsein einer größeren Zuhörerschaft zu bringen. Wegen ihres meditativen Charakters, der Rückbesinnung auf einfachste musikalische Grundformen eröffnet seine Musik den Blick auf wesentliche spirituelle Momente. Dazu hat Pärt schon vor seiner Emigration aus der Sowjetunion die von ihm selbst als „Tintinnabuli-Stil“ (lat. Glöckchen) bezeichnete Art zu komponieren erfunden. Ein erstes wesentliches Beispiel dieses Stils lieferte er 1977 mit dem „Cantus in Memory of Benjamin Britten” für Glocke und Streichorchester; und ganz in diesem Klangverständnis sind jene drei großen Chorwerke gefasst, die auf der neuen CD „Arvo Pärt: Live“ von BR Klassik präsentiert werden und deren wesentlichen Teil ausmachen: die „Sieben Magnificat-Antiphonen“ für gemischten Chor a cappella, das großbesetzte Oratorium „Cecilia, vergine romana“ für gemischten Chor und Orchester sowie das Vokalwerk „Litany – Prayers of St John Chrysostom for Each Hour of the Day and Night” für Soli, gemischten Chor und Orchester. Ergänzt wird die aktuelle CD durch die bereits 1964, vor der ästhetischen Neuorientierung des Komponisten entstandene „Collage über B-A-C-H“ für Streicher, Oboe, Cembalo und Klavier, eines seiner bekanntesten Werke. Trotz der radikalen Reduktion ihrer Ausdrucksmittel fordert die Musik Pärts von ihren Interpreten größte Sorgfalt in der Ausführung – in der vorliegenden Einspielung meisterlich realisiert vom Chor des Bayerischen Rundfunks und vom Münchner Rundfunkorchester, deren klangliche Homogenität Ergebnis regelmäßiger Zusammenarbeit ist. Ulf Schirmer, Marcello Viotti und der aktuelle Künstlerische Leiter des Chores Peter Dijkstra beweisen ihr tief reichendes Verständnis für die subtile Klangwelt Arvo Pärts. Die Aufnahmen wurden bei Münchner Konzerten mitgeschnitten, die im Juli 2000, im Februar und Dezember 2005 sowie im Januar und Oktober 2011 stattfanden und von Publikum und Kritik anerkennend aufgenommen wurden. Chor des Bayerischen Rundfunks The Hilliard Ensemble Münchner Rundfunkorchester Ulf Schirmer, Marcello Viotti, Peter Dijkstra (Leitung) Drei bedeutende, selten zu erlebende Chorwerke Pärts in seinem unverwechselbaren „Tintinnabuli-Stil“ sowie die “Collage über B-A-C-H” und den “Cantus in Memory of Benjamin Britten” (Mitschnitte von Münchner Kirchenkonzerten aus den Jahren 2000, 2005 und 2011) "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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