> > > Karlowicz, Mieczyslaw: Werke für Violine und Orchester
Mittwoch, 28. Juni 2017

Karlowicz, Mieczyslaw - Werke für Violine und Orchester

Ein Meister aus Polen


Label/Verlag: DUX
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Neuproduktion des polnischen Labels DUX ermöglicht Einblicke in das letzte Schaffensjahrzehnt des Komponisten Mieczyslaw Karlowicz.

Kaum 15 Sekunden dauert das Orchestertutti mit seinen heftigen Akkordschlägen, dann setzt die Solovioline mit herausfordernden, weit ausgreifendem Akkordspiel und das Thema umkreisenden Läufen ein und vereinigt sich dann mit dem Kollektiv zu einem großen Crescendo, an dessen Ende das Thema in seiner vollen orchestralen Pracht strahlt. Der Beginn des 1902 entstandenen Violinkonzerts A-Dur op. 8 von Mieczysław Karłowicz (1876–1909) macht unmissverständlich deutlich, dass es hier um hohe technische Anforderungen geht. Ob dies der Grund dafür ist, dass das Werk zumindest in deutschen Konzertsälen kaum jemals erklingt, darf man bezweifeln, denn immerhin gibt es eine Reihe von Einspielungen aus jüngerer Zeit, darunter etwa jene von Tasmin Little (Hyperion, 2004), Ilya Kahler (Naxos, 2011) oder Piotr Plawner (DUX 2011), die belegen, dass es einige wagemutige Interpretinnen und Interpreten gibt, die sich des Konzerts annehmen. Dennoch ist es außerordentlich schade, dass das Konzert nicht häufiger auf der Agenda steht, da die Komposition eine große Bereicherung für die Violinliteratur an der Wende zum 20. Jahrhundert darstellt.

Die Neuproduktion des polnischen Labels DUX mit dem Geiger Bartołomiej Nizioł und dem Philharmonischen Sinfonieorchester Stettin unter Leitung des Dirigenten Łukasz Borowicz ist begrüßenswert, weil sie nicht nur das A-Dur-Konzert ins beste Licht rückt, sondern es zugleich im Kontext zweier in den darauffolgenden Jahren entstandenen Orchesterwerke des Komponisten präsentiert. Damit ermöglicht sie einen konzentrierten, auf das letzte Lebensjahrzehnt fokussierten Einblick in das zwar schmale, aber dennoch sehr hörenswerte Œuvre von Karłowicz. Das anspruchsvolle Violinkonzert erweist sich als denkbar glücklicher Einstieg hierfür: Nizioł formt seinen Part kraftvoll und lässt während der immer wieder eingestreuten kadenzartigen Passagen eine enorme geigerische Präsenz spüren. Zugleich überzeugt er – so in der am Gesang orientierten Romanza, aber auch in den kantablen Passagen des Kopfsatzes – durch seine Formung der Kantilenen, denen er eine warme, strahlende Klanglichkeit verleiht.

Besonders aufschlussreich ist es, den ständigen klangfarblichen Wechselwirkungen zwischen Solist und Orchesterinstrumenten mitsamt ihrer feinen Abstufungen zu verfolgen, denn sie belegen – sieht man von einigen Intonationsschwankungen ab – nicht nur das Können der Musiker, sondern zeugen auch vom Erfindungsreichtum des Komponisten. Dies gilt auch für die beiden eingespielten Orchesterstücke, die kurze 'Smutna opowieść' ('Traurige Erzählung') op. 13 (1908) und die 'Rapsodia litewska' ('Litauische Rhapsodie') op. 11 (1906): Beide Werke weisen ihren Schöpfer als einen Melodiker aus, der es hervorragend verstanden hat, seine Linien mit bisweilen impressionistisch anmutenden Klangschattierungen anzureichern und den Orchestersatz durch raffinierte Setzweise in ständiger innerer Bewegung zu halten. Insofern ist die Produktion sehr gut geeignet, um sich mit dem Schaffen von Karłowicz näher vertraut zu machen. Das in polnischer und englischer Sprache gehaltene Booklet beschränkt sich leider nur auf die notwendigsten Daten zu den Werken, bringt aber – neben ausführlichen Informationen zu Solist, Dirigent und Orchester – noch einige stimmungsvolle Fotografien aus der täglichen Orchesterpraxis.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Karlowicz, Mieczyslaw: Werke für Violine und Orchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
DUX
1
14.04.2017
EAN:

5902547013770


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DUX

Das polnische Label DUX wurde 1992 von Malgorzata Polanska und Lech Tolwinski, beides Absolventen der Toningenieur-Fakultät der Frédéric Chopin Musikakademie in Warschau, gegründet. Hauptanliegen war die Produktion von Aufnahmen mit klassischer Musik, wobei man von Anfang an höchste Ansprüche an künstlerische und technische Standards stellte.Viele Aufnahmen von Dux erlangten sowohl in Polen als auch im Ausland breites Interesse bei Publikum und Kritik, die sich in zahlreichen Preisen und Auszeichnungen widerspiegelt.

Ein Schwerpunkt des Labels ist natürlich das reiche musikalische Erbe Polens, das weitaus mehr umfasst als Chopin oder Penderecki. Im Katalog finden sich daher neben bekannteren Namen wie Wieniawski, Szymanowski oder Lutoslawski auch zahlreiche hierzulande bislang weniger bekannte oder völlig unbekannte Komponisten von der Renaissance bis zur Gegenwart, wie Ignaz Jan Paderewski, der Klaviervirtuose und spätere Premier- und Außenminister der Zweiten Polnischen Republik oder Stanislaw Moniuszko, ein Zeitgenosse Verdis und Schöpfer der polnischen Nationaloper. Aber auch zahlreiche polnische Künstler, Ensembles und Orchester gilt es bei DUX zu entdecken, darunter international renommierte Namen wie beispielsweise die gefeierte Altistin Ewa Podles.


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