> > > Scheidt, Samuel: Geistliche Konzerte
Mittwoch, 18. Oktober 2017

Scheidt, Samuel - Geistliche Konzerte

Doppel-Porträt


Label/Verlag: Christophorus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein schönes Album, das Licht auf Scheidt und seine Zeit wirft. Dazu ein feines Porträt der tenoralen Möglichkeiten Knut Schochs.

Der Hallenser Samuel Scheidt steht in der Rezeption der Gegenwart durchaus im Schatten seiner prominenten Zeitgenossen Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein. Dabei ist sein Werk fast vollständig in Druck gegangen und überliefert. Doch muten etwa die Kompositionen seiner dreibändigen ‚Geistlichen Concerte‘ im ersten Zugriff nicht selten altmodisch an ob ihrer choralgebundenen Setzweise. Scheidt deutet diese formal strengen Vorlagen nach allen Regeln der variativen Künste aus, gewinnt den strophischen Vorlagen auch textdeutende Nuancen ab – freilich in einem relativ engen Korsett, mit Fantasie umspielt von eigenständigen Instrumentalstimmen. Konzerte dieser Sammlungen machen den Kern der aktuellen Platte des Tenors Knut Schoch und des Ensembles I Sonatori aus. Dass Scheidt große rhetorische Freiheiten zu nutzen verstand, zeigt 'Die Güte des Herren' aus der Sammlung ‚Liebliche Kraftblümelein‘ von 1635: Hier arbeitet er auf der ästhetischen Höhe der Zeit, sogar personalstilistisch fassbar mit teils sehr kleinen, akribisch zerlegten Motiven.

Kommentierend und kontrastierend sind Werke von Melchior Franck, Andreas Hammerschmidt, Johann Erasmus Kindermann und Thomas Selle zu hören – als Echo des Scheidtschen Netzwerks, als Ausschnitt der breit gestreuten kompositorischen Kompetenz jener Zeit. Und es gibt eine rein instrumentale Sphäre, mit Scheidt, dem bedeutenden Orgelkomponisten, und mit Canzonen von Bartolomeo de Selma y Salaverde als einer besonders profilierten Stimme reiner Instrumentalmusik der Zeit. Ein interessantes Programm, durchaus abwechslungsreich, dem eine noch stringentere Schwerpunktsetzung, ein systematisch stärkerer Zugang vielleicht gutgetan hätte.

Zutreffend

Prägende Größe der Platte ist der Hamburger Tenor Knut Schoch, der einen angenehm lyrischen Ton entfaltet, zwar schlank und ansprechend beweglich, aber zugleich mit einer klug dosierten Expansionsfähigkeit. Schoch nobilitiert auf diese Weise auch die schlichten Gesten bei Scheidt. Seine vorzügliche Diktion, natürlich und präzis gleichermaßen, lässt ihm erzählerische Kraft zuwachsen. Schochs Stimme ist die Konstante im Kontrast von expliziertem Choral und instrumentaler Diminution, fügt nonchalant das Moment des sprachinspirierten Musizierens hinzu. Das Ensemble I Sonatori setzt sich aus Instrumentalisten zusammen, die sich vor allem als Mitglieder bekannter Barockformationen profiliert haben, etwa beim Freiburger Barockorchester oder L‘Arpa Festante. Christa Kittel auf der Violine, Ursula Bruckdorfer auf dem Bassdulzian, Isolde Kittel-Zerer an der Orgel und Haralt Martens auf dem Violone profilieren sich sehr deutlich: Die solistische Besetzung ist zu vielfältiger Kontur und Farbigkeit befähigt. Violine und Dulzian treten in den Canzonen gleichermaßen überzeugend hervor, technisch wie expressiv. Die Truhenorgel von Jürgen Lutz erweist sich als klanglich charmante Grundierung, scheint aber solistisch von beschränkter Aussagekraft. Das Klangbild ist konzentriert und präzis, wirkt angenehm körperreich und voluminös.

Ein schönes Album, das Licht auf Scheidt und seine Zeit wirft. Dazu ein feines Porträt der tenoralen Möglichkeiten Knut Schochs.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Scheidt, Samuel: Geistliche Konzerte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Christophorus
1
07.04.2017
EAN:

4010072774118


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Christophorus

Christophorus ist das älteste deutsche Plattenlabel mit dem Schwerpunkt "Geistliche Musik". Es wurde 1935 gegründet, um religiöse Inhalte mittels Schallplatten und Bücher auch während des Nazi-Regimes zu verbreiten. Heute - mehr als 75 Jahre später - stehen spirituelle Themen weiterhin im Mittelpunkt des Labels, mit besonderem Interesse für unbekannte Werke und historische Interpretation. Gregorianische Gesänge, geistliche Vokalmusik, Musik der christlichen Kirchen und die Gesänge aus Taizé sind im Katalog ebenso vertreten wie Musik des Mittelalters und der Renaissance. Mit diesem Repertoire gilt Christophorus heute als eines der wichtigsten unabhängigen Labels auf dem internationalen Klassikmarkt.


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