> > > Telemann, Georg Philipp: 12 Fantasien für Flöte solo
Dienstag, 7. Juli 2020

Telemann, Georg Philipp - 12 Fantasien für Flöte solo

Ein Kosmos


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


François Lazarevitch ist ein herausragend begabter Flötist, der Telemanns Solo-Fantasien zu einem höchst erfrischenden Ereignis voller Unmittelbarkeit und Präsenz macht – Alte Musik sehr lebendig.

Georg Philipp Telemanns 12 Fantasien für Flöte ohne Bass, wohl in den späten 1720er Jahren, spätestens Anfang der 1730er Jahre entstanden, sind ein großartiges Kompendium spätbarocker Flötenkunst, mit durchaus systematischen Qualitäten, etwa bei der Wahl der von A-Dur nach g-Moll aufsteigenden, für die Flöte günstigen Tonarten. Doch genauso ist diese Sammlung – das überrascht bei Telemann nicht – Kaleidoskop, allein, wenn man auf die Vielfalt an Formen und Stilen schaut, die der Komponist hier zu einem edlen Gesamtkorpus fügt. Eine ebenso herausfordernde wie, bei interpretatorischem Gelingen, dankbare Sammlung für ambitionierte Flötisten. Und es gibt noch nicht sehr viele Deutungen mit Ambition im Katalog, neben Jed Wentz, Barthold Kuijken oder, wesentlich früher, Konrad Hünteler, scheint noch Platz für weitere Interpreten; Dorothee Oberlinger hat die Telemann-Fantasien vor einigen Jahren für die Blockflöte fruchtbar gemacht, wenn auch mit teils deutlichen Transpositionen. Jetzt liefert François Lazarevitch seine Deutung bei alpha.

In den zwölf knappen, reich binnengegliederten Sätzen hat Telemann das klingende Ergebnis im Raum immer vor Ohren, er spielt seine Imaginationskraft meisterlich aus; es gibt keine der knappen Miniaturen, die nicht präzis charakterisiert wäre, getragen von Geist und Humor. Vor allem beeindruckt seine Setzweise auf einen komplett wirkenden Satz hin: Wie er ein monodisches Instrument zu quasi orchestraler Blüte führt, das ist hohe Kunst, ideal nachzuhören in der siebten Fantasie, die nicht weniger als eine ausgewachsene französische Ouvertüre entfaltet.

Höchst niveauvoll

François Lazarevitch weiß sehr genau, dass er in einer Schatzkammer unterwegs ist. Aber er erstarrt nicht in Ehrfurcht, sondern findet zu einem insgesamt frischen, agilen Zugang voller Bewegung, bei aller immer wieder fein entfalteten Lyrik durchaus mit erstaunlich beherzter Attacke in der Tongebung – reiner Schönklang ist nichts, das den Franzosen interessieren würde. Es ist einer der erstaunlichsten Befunde, wie deutlich Lazarevitch dynamisch zu differenzieren versteht: Er arbeitet die verschiedenen Sphären von Oberstimme, akkordisch gedachter Mittellage und grundierendem Bassfundament so plastisch heraus, dass ein tatsächlicher Ensembleeindruck leicht imaginiert werden kann, durch fein gestufte Betonungen, durch subtile Schattierungen – vorbildlich. Sehr entgegen kommt ihm dabei, dass sein Instrument – leider im eigentlich überzeugenden Booklet nicht porträtiert, was bei einem instrumentalen Solo-Album ein unverzeihlicher Makel ist – in allen Lagen charaktervoll und individuell klingt: Die Höhenlage nie spitz oder eng, in der Tiefe mit wunderbarem Volumen, in der Summe ideal für die Faktur der Sätze. Lazarevitch erweist sich als ungemein sensibel für die sich in den Fantasien verbergenden Satzcharaktere; vertreten sind im Grunde alle aus barocken Suiten bekannten stilisierten Tänze, dazu das Erbe älterer Sonatenkunst und Anknüpfungen an den Stylus phantasticus. Er expliziert Telemanns Polystilistik mit Energie und feinem Gespür, entfaltet den oft nicht ganz leicht ans Licht zu bringenden vollen Gehalt der Sätze. Doch all das wäre nicht genug, wenn nicht das Klangbild das Spiel des Solisten trüge, es schlüssig ergänzte: Erfreulicherweise befinden sich Instrument und Raum in denkbar günstigem Zusammenspiel. Einerseits wirkt das Instrument sehr direkt und plastisch im Porträt. Zugleich interagiert der Raum als Klangträger, als Kontrastmittel, hilft er bei der schlüssigen Entfaltung der Kompositionen – eine ideale Konstellation.

François Lazarevitch ist nicht nur ein inspirierender und phantasievoller Ensembleleiter: Das hat er mit seinen Musiciens de Saint-Julien in der Vergangenheit oft bewiesen. Er ist zugleich ein herausragend begabter Flötist, der Telemanns Solo-Fantasien zu einem höchst erfrischenden Ereignis voller Unmittelbarkeit und Präsenz macht – Alte Musik sehr lebendig.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: 12 Fantasien für Flöte solo

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
07.04.2017
Medium:
EAN:

CD
3760014192678


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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