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Dienstag, 20. Februar 2018

Mozart, Wolfgang Amadeus - Violinsonaten

Verspielt


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Anna Ibragimova, Violine, und Cedric Thibergien am modernen Konzertflügel beherrschen die Kunst einer persönlichen, ganz eigenen Klanggebung. Ihr Duo-Projekt der Violinsonaten Mozarts lässt aber darüber hinaus oft wesentliche Dramatik vermissen.

Manchmal hat man den Eindruck, Anna Ibragimova lege ihren Bogen ganz vorsichtig und zurückhaltend auf die Saiten. ‚Großer Ton‘, wie man ihn aus der Aufführungsgeschichte von Arthur Grumiaux, Henryk Szeryng, Szymon Goldberg, Isaac Stern, aber durchaus auch von Historisten wie Sigiswald Kuijken kennt, ist selten ihre Sache. Ibragimova spielt feiner, nicht so Phrasen bauchend und ziehend wie Rachel Podger in ihrer Gesamtaufnahme mit Gary Cooper am historischen Hammerflügel; allerdings ist man von Podger und auch den ‚großen Alten‘ leider punktuell sogar fast Schlimmeres gewohnt. Dass ihr Vibrato zurückhaltend, ihre makellose Intonation bei langen hohen Tönen beeindruckend erscheint, rückt sie zwar ein wenig in die historisierende Ecke. Sie phrasiert aber rhythmisch zumeist höchst präzise: Kleine Nachlässigkeiten stören am meisten im Finale der Sonate KV 454 und der anschließend von beiden Musikern etwas verhuscht gestalteten frühen G-Dur-Sonate KV 27; von Podger und auch den ‚großen Alten‘ ist man da leider punktuell Schlimmeres gewohnt. Ibragimova möchte weniger brillieren als charmant mit der Geigenmaterie Mozarts herumspielen, die jeweilige Klangrede ganz akut und charmant formulieren – deshalb das eher lockere Bogenauflegen und ein folgsames Hören auf das Klavier, wie es diese einstigen ‚Sonaten für das Pianoforte ... mit Begleitung einer Violine‘ dramaturgisch durchaus voraussetzen. Für die Werke der 1760er Jahre darf man auch Cembalo einsetzen, und Cédric Tibergien behält sich zudem ein durchaus patternhaftes Klangdenken in den Klavierfiguren und –flächen vor, ein manchmal fast klischeehaft französisierendes ‚Jeu perlé‘.

Historisierende Schlankheit?

Es ist ja Mode geworden, neben Mozarts siebzehn ‚reifen‘ späten Sonaten – den 1778 größtenteils noch in Mannheim begonnenen und dann in Paris publizierten sechs Sonaten KV 301-306, dem über das große in Wien 1781 bei Artaria erschienene Sixpack (KV 296 als Rest aus Mannheim sowie KV 376 bis KV 380) und einer Reihe späterer Wiener Einzelstücke und Fragmente – nun auch die sechzehn ganz frühen Klavier-Sonaten mit fakultativer Violin- oder auch Flöten- (und Cello-)Begleitung in ‚Gesamtaufnahmen‘ zu integrieren, die auf der großen Wunderkind-Reise der Mozarts über Paris, London und Den Haag dort markstrategisch publiziert und lokalen Größen gewidmet wurden. Eine scheinbar ‚chronologische‘ Gesamtzählung, wie sie hier auf dem Booklet präsentiert wird, erscheint aber weit problematischer und ungebräuchlicher als die etwa bei Klavierkonzerten etablierte. Die Kenntnisnahme der frühen Werke ist an sich zu begrüßen, deren Präsentation aber sehr unterschiedlich ausfallen kann: Während die im Kopfsatz sehr motorisch fast einen Sturm-und-Drang-Topos entwickelnde B-Dur-Sonate KV 31 der Den Haager Sonaten von 1766 Tiberghiens schwungvoll aus dem Handgelenk geschüttelter Spielweise ideal entspricht und auch das abschließende Menuetto passend geziert ausgehört wird (in den geschmackvollen Repetitionstönen der Violine), stellen die Sonate KV 27 eher archetypische Rokoko-Versatzstücke aus und die beiden Interpreten ihre Fantasie im Hinblick auf eine kontrastreichere Darstellung ein, sogar hörbar etwas schlampiger in der Ausführung, als ob das Üben hier keinen Spaß gemacht hätte. Man fragt sich, welchen Wert diese die Doppel-CD-Reihe etwas aufblähenden Intermezzi gegenüber den späteren ‚großen’ Sonaten besitzen, stellen sie doch eine ganz andere musikalische Welt dar als die manchmal fast opernhaft im Sonatengewand eingeschlossene Dialogkunst, welche in den vier späteren Sonaten hervortritt. Ibragimova und Tiberghien scheinen diese allerdings programmatisch zurück in den Bereich der harmloseren Konversationskunst führen zu wollen, denn bei aller Leichtigkeit und Rasanz des Musizierens wird selten auch ein dramatischer Tiefgang erreicht, wie ihn ältere und neuere Vergleichsaufnahmen durchaus beeindruckend vorführen.

Sind diese Sonaten doch eher ‚buffa‘ als ‚semiseria‘?

Bestes Beispiel ist gleich eingangs das von einem 'Largo' eingeleitete Kopfsatz-Allegro der B-Dur-Sonate KV 454, das sich Mozart für einen Gala-Auftritt mit der italienischen Star-Geigerin Gina Strinasacchi in die Klavierfinger schrieb. Im 'Largo' dominiert durchaus angemessen eher das Liedhafte als der opernhafte Klageton; das 'Allegro' in flottem Tempo wird dann ganz als ein Opera-buffa-Duett vorgeführt bis hin zu den humoristisch-neckisch genommenen Tremoli in Klavier und Geige Ende der Exposition. Die ganz kurze Durchführung, Reaktion auf den Ideen- und Kontrastreichtum der exponierten Themengebiete, ist nur fragwürdiger Durchgang, keine Infragestellung und Krise vor der Selbstvergewisserung in der Themenreprise. Das lockere, neckische Spiel hat sicher auch seine Reize und kommt dem Non-legato-Spiel des Pianisten schon sehr entgegen. Es fehlen jedoch die gelegentlichen komponierten Einbrüche tragischerer Melancholie, die man in anderen Aufnahmen hört. Das gilt besonders für die langsamen Mittelsätze, in denen manchmal ernsterer Ausdruck dem recht galanten, ja etwas oberflächlichen, ja sogar manchmal selbstverliebt in den eigenen schönen Klang wirkenden Spiel beider Musiker völlig fremd erscheint. Schade, denn hier wird ein wichtiges Potential dieser Werkgruppe Mozarts zu sehr ignoriert. Man höre nur die D-Dur-Sonate KV 306 einmal mit Fabio Biondi und Sigiswald Kuijken, ja auch Itzhak Perlman und Barenboim dagegen, um zu merken, was fehlt, auch wenn das Meiste ziemlich gut klingt (wobei die Aufnahmetechnik kritiklos überzeugt). Einige Sätze machen die Anschaffung dennoch lohnend: Neben der schön getroffenen Sonate KV 31 überzeugt die ungeliebte späte F-Dur-Sonate KV 527 dann doch in der hier konsequenteren Gestaltung vor allem der dramatischen Effekte des Allegro-Satzes, wo manch großer Geiger eher die Schwächen der etwas weniger als gewohnt originellen Thematik als Ausrede für eine beiläufige Gestaltung nutzt. Auch der Schlusssatz von KV 306 sticht in seiner Spielfreude als Kehraus dieser Folge heraus. Man sollte sich ein eigenes Bild machen, ob diese eher verspielte, flotte Mozart-Welt einem liegt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Violinsonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
07.04.2017
EAN:

034571281438


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

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