> > > Marcello, Benedetto: Conserva me Domine
Montag, 26. Februar 2018

Marcello, Benedetto - Conserva me Domine

Italienische Musik für das Salterio


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Erfreulich frische und einfühlsam musizierte Aufnahme von unbekannten italienischen Kompositionen des 18. Jahrhunderts für Salterio und Altus.

‚Geistliche Musik des 18. Jahrhunderts aus Italien‘ heißt die zu besprechende CD in ihrem Untertitel, und dieser beschreibt die Musik der Aufnahme deutlich besser als Benedetto Marcellos 'Conserva me Domine', wie es eigentlich auf dem Cover steht. Denn die Kantate auf den Text zu Psalm 15 für Alt solo und Violoncello des 1686 geborenen Komponisten nimmt nur wenige Minuten der Aufnahme ein. Und ganz so treffend ist selbst der Untertitel nicht, denn neben den vier Gesangsstücken auf geistliche Texte sind zusätzlich zwei Sonaten eingespielt, die Sonate op. 2 Nr. 3 von Marcello selbst sowie die Sonate für Saltèro und Bass von Melchiorre Chiesa. Was aber nun die verschiedenen Stücke miteinander verbindet und der Aufnahme so ihre musikalische Einheit gibt, ist genau das: das Saltèro, zu deutsch also das Salterio, ein im 18. Jahrhundert in Italien ausgesprochen beliebtes Instrument, das eine Zither ähnelt, gezupft oder - wie in der vorliegenden Aufnahme - mit kleinen Schlägeln gespielt wird. Das Instrument begleitet die Kantaten und ist Soloinstrument in den Sonaten. Der Klang des Salterio klingt voller und auch weniger metallisch als der einer modernen Zither, so dass Assoziationen zu Volksmusik erst gar nicht aufkommen können. Gespielt wird das Salterio gefühlvoll und stilsicher von Margit Übellacker, die gemeinsam mit dem Organisten und Leiter Jürgen Banholzer das Ensemble La Gioia Armonica mitbegründet hat. Das harmonische Zusammenspiel der Instrumente und die kluge Farbigkeit des Ausdrucks sind eine Freude zu hören!

Die vier geistlichen Stücke sind interessant ausgewählt. Zum einen die schon erwähnte Vertonung des Psalms 15 von Marcello, dazu seine Vertonung von Psalm 8, dann eine Motette von Giovanni Battista Martini, einem Förderer von Mozart, der in einer Motette für obligaten Salterio eine Abhandlung über die Psalmen von Augustinus vertont hat – und kurioserweise nicht den Psalmtext selbst, sondern die Kommentare des Kirchenvaters in Arienform gegossen hat. Als Abschluss der Aufnahme: den zweiten Teil der Klagelieder aus dem Buch des Propheten Jeremias, der in der Karfreitagsliturgie seinen Platz hatte, komponiert von Antonio Sacchini.

Die vier Stücke werden von Terry Wey gesungen. Der 1985 in Bern geborene Altus hat eine angenehm warme Stimme mit einem tragfähigen, tiefen Fundament. Die Höhen geraten demgegenüber manchmal etwas spitz, und seine Stimme klingt an einigen Stellen leider auch ein wenig gaumig. Wey macht diese leichten Mängel aber mehr als wett durch eine starke, einfühlsame Interpretation. Das Booklet bringt ein kurzes, aber informatives Essay zu den Komponisten und die Texte auch in deutscher Übersetzung. Insgesamt eine musikalisch wirklich erfreuliche Neuerscheinung auf dem Klassikmarkt, die unsere Kenntnis der italienischen Musik des 18. Jahrhunderts erweitert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Marcello, Benedetto: Conserva me Domine

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
1
69:18
EAN:
BestellNr.:

761203503322
cpo 555 033-2


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Chiesa, Melchiorre
 - Sonata à due / Saltèro e Basso / Obligato - Allegro
 - Sonata à due / Saltèro e Basso / Obligato - Largo ma non tanto
 - Sonata à due / Saltèro e Basso / Obligato - Allegro
Marcello, Benedetto
 - Salmo VIII, Alto Solo. Domine Dominus noster -
 - Sonate Nr. 3, op. 2 - Adagio
 - Sonate Nr. 3, op. 2 - Allegro
 - Sonate Nr. 3, op. 2 - Adagio
 - Sonate Nr. 3, op. 2 - A Tempo Giusto. Presto
 - Conversa me, Domine -
Martini, Giambattista
 - Ex tractatu Sancti Augustini Episcopi super Psalmos. Protexisti me Deus. -
Sacchini, Antonio
 - Lamentazione Seconda Del Giovedi Santo -


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Interpret(en):Wey, Terry


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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