> > > Ben-Haim, Paul: Sinfonie Nr. 2
Sonntag, 23. September 2018

Ben-Haim, Paul - Sinfonie Nr. 2

Referenz an Komponist wie Interpretation


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Als Anfang 2015 Israel Yinon mitten im Dirigat der 'Alpensinfonie' einen Herzinfarkt erlitt und kurz darauf starb, verlor die Musikwelt einen großen Dirigenten und Anwalt der Vergessenen. Jetzt würdigt das Label cpo Israel Yinon in mehrfacher Hinsicht.

Israel Yinon war ein Dirigent, der mit vollem Körpereinsatz und ganzer Seele dirigierte und dabei den Musikern Extreme in jeglicher Hinsicht abverlangte, die sie in voller Überzeugung ausführten. Ob als Inspiration oder Ergebnis gründlichster Analyse erklärt, erlebte man ihn als Anwalt wahrhafter Interpretationen und vergessener oder noch unbekannter Werke. Dazu zählt das Schaffen von Paul Ben-Haim alias Paul Frankenburger.

1897 in München geboren, war Frankenburger zwischen 1924 und 1931 Kapellmeister an der Oper in Augsburg. Im Oktober 1933 emigrierte er nach Palästina und ließ sich in Tel Aviv nieder. Alle bislang auf Deutsch formulierten Titel seiner Werke wandelte er in französische Titel um. Seine Symphonie Nr. 2, während des Krieges komponiert und in den letzten Kriegstagen 1945 vollendet, trägt einen englischen Titel und seinen neuen Namen Paul Ben-Haim. Damit signalisierte der Komponist nach außen, dass er im Exil eine neue Heimat gefunden hatte.

'Wach auf mit dem Morgen, o meine Seele, auf dem Gipfel des Karmel über dem Meer': Dieses Zitat ziert das Autograph der Zweiten Symphonie und unterstreicht die durchweg hoffnungsvoll optimistische Grundhaltung des Komponisten in diesem Werk, der hier seine musikalische Heimat in einer Synthese aus der Tradition eines Beethoven, Mahler und ostjüdischen traditionellen Weisen in zahlreichen Anklängen an Zitaten manifestiert und durch die Orchestrierung zum Teil filmmusikartige Wirkung erzielt. Behutsam beginnt Ben-Haim im ersten Satz monothematisch mit einer lyrischen Melodie, die die Flöte anstimmt und weitergibt, bis sie im Tutti gipfelt. Die Reprise erklingt erst im vierten Satz. Bis zu diesem Ringschluss folgen zunächst ein dreiteiliges Scherzo und ein überaus gefühlsbetonter langsamer Satz. Der Finalsatz gleicht einem vulkanischen Ausbruch. Gleich drei Motive treten gegeneinander an, gipfeln nach einer ausgedehnten Fuge im Eingangsmotiv des ersten Satzes und steigern sich in einen apotheotischen Schluss.

Israel Yinon gelingt eine dramaturgisch fesselnde Interpretation, die die Länge der Symphonie (über 43 Minuten) vergessen lässt. Seine überzeugende Wiedergabe resultiert aus einem Gespür für spannungsgeladene Dynamik und Agogik und Empathie für die Gedanken des Komponisten. Höchste klangliche Transparenz führt dazu, dass die vielen Ideen, die in die Partitur einflossen, deutlich durchklingen. Überzeugend gelingen die Soli, an entsprechenden Stellen von berückender kammermusikalisch intimer Intensität. Klangmächtig und kraftvoll gibt sich die NDR Radiophilharmonie im Monumentalen, auch hier in jedem Augenblick durchlässig geschlossen.

Mit gleicher Präzision und musikalischer Exzellenz erstrahlt das 'Concerto Grosso', Frankenburgers Erstling für symphonisches Orchester. 1931 komponiert ist das dreisätzige Werk von modernen Kompositionstechniken weit entfernt. Lediglich die Satzbezeichnung:' Ouvertüre', 'Aria', 'Chaconne' (Variationen) und zahlreiche Soli erinnern an barocke Vorbilder, wie es der Titel suggeriert. Die Klangwelt, die Israel Yinon und die NDR Radiophilharmonie auch hier mit höchster Kunstfertigkeit abbilden, spricht klar die Sprache der Spätromantik, wie sie Brahms und Mahler pflegten, und die des von Debussy geprägten Impressionismus.

Israel Yinon setzt mit diesen Einspielungen Maßstäbe, die Dank der vorliegenden Veröffentlichung weit über seinen Tod hinaus wirken. Die mit großer Sorgfalt ausgeführten Anmerkungen im Booklet deuten in Worten an, was Israel Yinon und die NDR Radiophilharmonie uneingeschränkt einlösen: ein in jeglicher Richtung diffizil ausgeleuchtetes, höchsten interpretatorischen Ansprüchen genügendes, differenziertes Abbild der Gedanken- und Klangwelt Ben-Haims.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ben-Haim, Paul: Sinfonie Nr. 2

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203767724


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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