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Donnerstag, 23. Mai 2019

Ravel, Maurice - L'Heure Espagnole

Eine spanische Stunde


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieser Mitschnitt von Ravels 'L'heure espagnole' ist ein quirliger Opernabend für die Ohren mit Gute-Laune-Garantie.

Eine spanische Stunde - genau das liefert die vorliegende CD vom hauseigenen Label des Bayerischen Rundfunks. Und weil die titelgebende Oper 'L’heure espagnole' von Maurice Ravel in Echtzeit gerade mal 50 Minuten dauert, gibt es obendrein noch Emmanuel Chabriers beliebte Orchester-Rhapsodie 'Espana' – das macht zusammen dann auch fast eine ganze Stunde Musik.

Der amouröse Einakter 'L’heure espagnole' ist seit seiner Uraufführung 1911 nie von den internationalen Opernbühnen verschwunden, obwohl der Erfolg anfangs nicht ungeteilt gewesen zu sein scheint. Vermutlich war es schlicht die schonungslose Geschichte von der liebeshungrigen Uhrmacher-Gattin Concepción, die einmal pro Woche für eine Stunde ihre verschiedenen Liebhaber empfängt. Was früher noch pornografisch gewirkt haben mag, darf nicht erst heute mit viel Spaß und Laune goutiert werden. Das Tempo der kleinen Oper ist rasant, der Text gespickt mit Anzüglichkeiten und der tickende Mechanismus von Ravels genialer Partitur rast ungebremst auf das komische Finale hin. Opernhaften Stillstand oder lyrisch ausladende Momente wie Arien und Duette gibt es eigentlich nicht, und wenn, dann als ironischer Kommentar. 'L’heure espagnole' ist eine Oper in Echtzeit, deren Charme man sich selbst beim reinen Hören kaum entziehen kann.

Der Münchner Mitschnitt vom April 2016 aus dem Prinzregententheater strotzt nur so vor Lebendigkeit und theatraler Energie. Das geht ein wenig auf Kosten der vokalen Homogenität, ist aber goldrichtig für Ravels ersten Opernstreich. Freilich hat die alte Maazel-Aufnahme von 1965 mehr Schmelz und vielleicht einen zarteren Parlandoton, aber sie ist nicht so nah am hochtaktigen und frechen Bühnengeschehen wie diese BR-Aufnahme mit einem jungen Ensemble und dem gut gelaunten Asher Fisch am Pult.

Gaëlle Arquez gibt die durchtriebene und ungemein sinnliche Concepción. Da wird gegurrt, gezickt und geschnurrt, dass sich die Balken biegen. Mit ihrem samtigen Mezzosopran gerät Arquez dabei auch nie in soubrettiges Fahrwasser, wie beispielsweise einst Mimi Coertse. Kein Wunder, dass Arquez bei soviel authentischer Erotik die singende Männerwelt dieser 'Spanischen Stunde' zu Füßen liegt. Als Ramiro lässt Alexandre Duhamel hörbar seine Muskeln spielen und qualifiziert sich mit einer ordentlichen Portion Selbstironie schnell als finaler Liebhaber. Julien Behr ist ein herrlich selbstverliebter Gonzalve und Lionel Lhote versieht den behäbigen Don Inigo Gomez mit stimmlicher Gewichtigkeit. Der gehörnte Ehemann ist bei Mathias Vidal in charakterstarken und im besten Sinne irritierend schönstimmigen Händen.

Zusätzlich zum fulminanten Sanges-Getümmel steuert das quicklebendige Münchner Rundfunkorchester eine deftige Prise Spaß und gute Laune bei. Die Musiker kommentieren in ihrem klingenden Uhrwerk ohne jegliche imaginäre Handbremse. Das ist ein wirklicher Opernabend für die Ohren bzw. ein überdimensionierter Sketch, der knapp an der Grenze zur Überforderung rangiert.

Das ursprüngliche Sonntagskonzert des Münchner Rundfunkorchesters hatte im ersten Teil noch weitere ‚spanische’ Werke zu verzeichnen, von denen es nur Chabriers 'Espana' auf die CD-Veröffentlichung geschafft hat. Die aber funktioniert bestens als feuriger Rausschmeißer einer herrlich überdrehten spanischen Stunde.



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ravel, Maurice: L'Heure Espagnole

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
24.03.2017
056:11
2016
EAN:
BestellNr.:
Booklet
4035719003178
900317


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Chabrier, Alexis Emanuel
 - España (Rhapsodie für Orchester) -
Ravel, Maurice
 - Introduction -
 - Señor Torquemada, horloger de Tolède? -
 - Totor! -
 - Il reste, voilà bien ma chance! -
 - Il était temps, voici Gonzalve! -
 - C'est fait, l'horloge est à sa place -
 - Maintenant pas de temps à perdre! -
 - Salut à la belle horlogère! -
 - Voilà!... Et maintenant à l'autre! -
 - Évidemment, elle me congédie -
 - Voilà ce que j'appelle une femme charmante -
 - Monsieur, ah! Monsieur! -
 - Enfin, il part -
 - Voilà l'objet! -
 - Ah! vous, n'est-ce pas, preste! -
 - En dépit de cette inhumaine -
 - Voilà ce que j'appelle une femme charmante! -
 - Oh! la pitoyable aventure! -
 - Voilà!... Et maintenant, Señora -
 - Mon il anxieux interroge -
 - Il n'est, pour l'horloger -
 - Pardieu, déménageur, vouz venez à propos! -


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"EMMANUEL CHABRIER – „España“ (1883) MAURICE RAVEL – „L’heure espagnole” („Die spanische Stunde”; 1911) Spanien war das musikalische Sehnsuchtsland zahlreicher französischer Komponisten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts – man denke nur an Georges Bizets Oper „Carmen“ oder Maurice Ravels „Rhapsodie espagnole“ (1907) und seinen berühmten „Boléro“ (1928). In Ravels erstem Bühnenwerk, der einaktigen musikalischen Komödie „L’heure espagnole“ („Die spanische Stunde“), die am 19. Mai 1911 in Paris uraufgeführt wurde, bediente er bereits jene iberische Mode mit einer in Toledo angesiedelten märchenhaft-komischen Handlung und einer sprechenden Musik voll von spanischem Lokalkolorit: die kurze Oper schließt etwa mit einer feurigen Habanera. Die im Laden des Uhrmachermeisters Torquemada erklingenden Uhrwerke hat Ravel meisterhaft in seine Partitur eingearbeitet: das „Tick-Tack“ der Uhren, unterschiedlichste Glockenschläge oder mechanische Musikautomaten, die sich zur gerade angebrochenen vollen Stunde mit „Kuckucksrufen“ hören lassen – ein Kunstgriff, der vom Uraufführungspublikum mit Ablehnung quittiert wurde. Die Musikkritik sprach gar von „musikalischer Pornographie“ und diagnostizierte eine „mechanische Kälte“ Ravels überhaupt. Heute schätzt man gerade diesen filigranen Humor der Partitur, wenn auch die Oper nur selten auf der Bühne gezeigt wird – dafür ist sie vermutlich einfach zu kurz: der Titel „L’heure espagnole“ bezieht sich nämlich auch auf das rund eine Stunde dauernde Stück selbst. Emmanuel Chabriers Rhapsodie für Orchester mit dem vielversprechenden Titel „España“ war 1883 entstanden und in Paris uraufgeführt worden; der französische Komponist war noch ganz ein Musiker des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Musik verdankt sich einer Spanienreise, die Chabrier im Jahr zuvor unternommen hatte und auf der er sich viele originale Motive und Rhythmen notiert hatte. Die spanische Folklore ist stets präsent; neben den Melodien sind es vor allem die rhythmischen Motive und Bewegungsmuster, die im Zusammenspiel eine in der damaligen Kunstmusik ungekannte Komplexität erreichen. Ein mitreißendes Stück in rasantem tänzerischen Dreiertakt. Eine konzertante Aufführung der beiden Werke fand am 24. April 2016 im Rahmen der „Sonntagskonzerte“ im Münchner Prinzregententheater statt und ist nun bereits auf CD zu erleben. Ravels Oper (in ihrer französischen Originalsprache) wird von jungen Solisten interpretiert, die allesamt Meister des französisch-spanischen Fachs sind; es begleitet das Münchner Rundfunkorchester unter Leitung von Asher Fisch. "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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