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Donnerstag, 29. September 2022

Ravel, Maurice - L'Heure Espagnole

Eine spanische Stunde


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieser Mitschnitt von Ravels 'L'heure espagnole' ist ein quirliger Opernabend für die Ohren mit Gute-Laune-Garantie.

Eine spanische Stunde - genau das liefert die vorliegende CD vom hauseigenen Label des Bayerischen Rundfunks. Und weil die titelgebende Oper 'L’heure espagnole' von Maurice Ravel in Echtzeit gerade mal 50 Minuten dauert, gibt es obendrein noch Emmanuel Chabriers beliebte Orchester-Rhapsodie 'Espana' – das macht zusammen dann auch fast eine ganze Stunde Musik.

Der amouröse Einakter 'L’heure espagnole' ist seit seiner Uraufführung 1911 nie von den internationalen Opernbühnen verschwunden, obwohl der Erfolg anfangs nicht ungeteilt gewesen zu sein scheint. Vermutlich war es schlicht die schonungslose Geschichte von der liebeshungrigen Uhrmacher-Gattin Concepción, die einmal pro Woche für eine Stunde ihre verschiedenen Liebhaber empfängt. Was früher noch pornografisch gewirkt haben mag, darf nicht erst heute mit viel Spaß und Laune goutiert werden. Das Tempo der kleinen Oper ist rasant, der Text gespickt mit Anzüglichkeiten und der tickende Mechanismus von Ravels genialer Partitur rast ungebremst auf das komische Finale hin. Opernhaften Stillstand oder lyrisch ausladende Momente wie Arien und Duette gibt es eigentlich nicht, und wenn, dann als ironischer Kommentar. 'L’heure espagnole' ist eine Oper in Echtzeit, deren Charme man sich selbst beim reinen Hören kaum entziehen kann.

Der Münchner Mitschnitt vom April 2016 aus dem Prinzregententheater strotzt nur so vor Lebendigkeit und theatraler Energie. Das geht ein wenig auf Kosten der vokalen Homogenität, ist aber goldrichtig für Ravels ersten Opernstreich. Freilich hat die alte Maazel-Aufnahme von 1965 mehr Schmelz und vielleicht einen zarteren Parlandoton, aber sie ist nicht so nah am hochtaktigen und frechen Bühnengeschehen wie diese BR-Aufnahme mit einem jungen Ensemble und dem gut gelaunten Asher Fisch am Pult.

Gaëlle Arquez gibt die durchtriebene und ungemein sinnliche Concepción. Da wird gegurrt, gezickt und geschnurrt, dass sich die Balken biegen. Mit ihrem samtigen Mezzosopran gerät Arquez dabei auch nie in soubrettiges Fahrwasser, wie beispielsweise einst Mimi Coertse. Kein Wunder, dass Arquez bei soviel authentischer Erotik die singende Männerwelt dieser 'Spanischen Stunde' zu Füßen liegt. Als Ramiro lässt Alexandre Duhamel hörbar seine Muskeln spielen und qualifiziert sich mit einer ordentlichen Portion Selbstironie schnell als finaler Liebhaber. Julien Behr ist ein herrlich selbstverliebter Gonzalve und Lionel Lhote versieht den behäbigen Don Inigo Gomez mit stimmlicher Gewichtigkeit. Der gehörnte Ehemann ist bei Mathias Vidal in charakterstarken und im besten Sinne irritierend schönstimmigen Händen.

Zusätzlich zum fulminanten Sanges-Getümmel steuert das quicklebendige Münchner Rundfunkorchester eine deftige Prise Spaß und gute Laune bei. Die Musiker kommentieren in ihrem klingenden Uhrwerk ohne jegliche imaginäre Handbremse. Das ist ein wirklicher Opernabend für die Ohren bzw. ein überdimensionierter Sketch, der knapp an der Grenze zur Überforderung rangiert.

Das ursprüngliche Sonntagskonzert des Münchner Rundfunkorchesters hatte im ersten Teil noch weitere ‚spanische’ Werke zu verzeichnen, von denen es nur Chabriers 'Espana' auf die CD-Veröffentlichung geschafft hat. Die aber funktioniert bestens als feuriger Rausschmeißer einer herrlich überdrehten spanischen Stunde.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ravel, Maurice: L'Heure Espagnole

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
24.03.2017
056:11
2016
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719003178
900317


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Chabrier, Alexis Emanuel
 - España (Rhapsodie für Orchester) -
Ravel, Maurice
 - Introduction -
 - Señor Torquemada, horloger de Tolède? -
 - Totor! -
 - Il reste, voilà bien ma chance! -
 - Il était temps, voici Gonzalve! -
 - C'est fait, l'horloge est à sa place -
 - Maintenant pas de temps à perdre! -
 - Salut à la belle horlogère! -
 - Voilà!... Et maintenant à l'autre! -
 - Évidemment, elle me congédie -
 - Voilà ce que j'appelle une femme charmante -
 - Monsieur, ah! Monsieur! -
 - Enfin, il part -
 - Voilà l'objet! -
 - Ah! vous, n'est-ce pas, preste! -
 - En dépit de cette inhumaine -
 - Voilà ce que j'appelle une femme charmante! -
 - Oh! la pitoyable aventure! -
 - Voilà!... Et maintenant, Señora -
 - Mon il anxieux interroge -
 - Il n'est, pour l'horloger -
 - Pardieu, déménageur, vouz venez à propos! -


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"EMMANUEL CHABRIER – „España“ (1883) MAURICE RAVEL – „L’heure espagnole” („Die spanische Stunde”; 1911) Spanien war das musikalische Sehnsuchtsland zahlreicher französischer Komponisten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts – man denke nur an Georges Bizets Oper „Carmen“ oder Maurice Ravels „Rhapsodie espagnole“ (1907) und seinen berühmten „Boléro“ (1928). In Ravels erstem Bühnenwerk, der einaktigen musikalischen Komödie „L’heure espagnole“ („Die spanische Stunde“), die am 19. Mai 1911 in Paris uraufgeführt wurde, bediente er bereits jene iberische Mode mit einer in Toledo angesiedelten märchenhaft-komischen Handlung und einer sprechenden Musik voll von spanischem Lokalkolorit: die kurze Oper schließt etwa mit einer feurigen Habanera. Die im Laden des Uhrmachermeisters Torquemada erklingenden Uhrwerke hat Ravel meisterhaft in seine Partitur eingearbeitet: das „Tick-Tack“ der Uhren, unterschiedlichste Glockenschläge oder mechanische Musikautomaten, die sich zur gerade angebrochenen vollen Stunde mit „Kuckucksrufen“ hören lassen – ein Kunstgriff, der vom Uraufführungspublikum mit Ablehnung quittiert wurde. Die Musikkritik sprach gar von „musikalischer Pornographie“ und diagnostizierte eine „mechanische Kälte“ Ravels überhaupt. Heute schätzt man gerade diesen filigranen Humor der Partitur, wenn auch die Oper nur selten auf der Bühne gezeigt wird – dafür ist sie vermutlich einfach zu kurz: der Titel „L’heure espagnole“ bezieht sich nämlich auch auf das rund eine Stunde dauernde Stück selbst. Emmanuel Chabriers Rhapsodie für Orchester mit dem vielversprechenden Titel „España“ war 1883 entstanden und in Paris uraufgeführt worden; der französische Komponist war noch ganz ein Musiker des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Musik verdankt sich einer Spanienreise, die Chabrier im Jahr zuvor unternommen hatte und auf der er sich viele originale Motive und Rhythmen notiert hatte. Die spanische Folklore ist stets präsent; neben den Melodien sind es vor allem die rhythmischen Motive und Bewegungsmuster, die im Zusammenspiel eine in der damaligen Kunstmusik ungekannte Komplexität erreichen. Ein mitreißendes Stück in rasantem tänzerischen Dreiertakt. Eine konzertante Aufführung der beiden Werke fand am 24. April 2016 im Rahmen der „Sonntagskonzerte“ im Münchner Prinzregententheater statt und ist nun bereits auf CD zu erleben. Ravels Oper (in ihrer französischen Originalsprache) wird von jungen Solisten interpretiert, die allesamt Meister des französisch-spanischen Fachs sind; es begleitet das Münchner Rundfunkorchester unter Leitung von Asher Fisch. "


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BR-Klassik

BR-KLASSIK, das Label des Bayerischen Rundfunks (BR), veröffentlicht herausragende Live-Konzerte des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO), des Chors des Bayerischen Rundfunks, des Münchner Rundfunkorchesters sowie der Konzertreihe musica viva. Dabei ist es ein wesentliches Ziel des Senders, über seine Radio- und TV-Programme hinaus auch digital sowie via CD und DVD allen Musikfreunden weltweit Zugang zu besonderen Aufnahmen zu bieten und auf diese Weise auch jenes Publikum zu erreichen, welches keine Möglichkeit hat, die Konzerte der internationalen Tourneen selbst vor Ort live zu erleben.

Neben den jeweiligen Chefdirigenten wie beispielsweise Mariss Jansons oder Sir Simon Rattle finden sich großartige Künstlerpersönlichkeiten wie Daniel Barenboim, Herbert Blomstedt, Bernard Haitink und viele andere mehr.

Die Reihe BR-KLASSIK WISSEN liefert unterhaltsame und kurzweilige Hörbiografien von Jörg Handstein mit vielen Hintergrundinformationen und Musikbeispielen auf jeweils 4 CDs, erzählt von Udo Wachtveitl sowie spannende Werkeinführungen in bedeutende Kompositionen der Musikgeschichte.

Durch die Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE werden historische Aufnahmen des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks wieder verfügbar. Beispielsweise die legendäre Aufführung des Verdi-Requiems unter der Leitung Ricardo Mutis mit Jessye Norman, Agnes Baltsa, José Carreras und Jewgenij Nesterenko und dem Chor des BR im Jahr 1981 oder etwa denkwürdige Konzertabende mit der Pianistin Martha Argerich: 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr.1 unter Seiji Ozawa.

Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 200 Aufnahmen und hat bereits mehr als 50 renommierte und internationale Auszeichnungen erhalten, darunter den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, den Diapason d’or, den BBC Music Magazine Award und den ICMA.

BR-KLASSIK wird weltweit durch NAXOS vertrieben. Selbstverständlich gehören hierzu auch digitale Portale wie Spotify, Apple, amazon u.v.a.. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK. 


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