> > > Händel, Georg Friedrich: Deutsche Arien und Triosonaten
Mittwoch, 14. April 2021

Händel, Georg Friedrich - Deutsche Arien und Triosonaten

Deutsche Händel-Arien


Label/Verlag: Channel Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Londoner Ensemble Florilegium widmet sich im Bund mit der Sopranistin Gilian Keith Händels kammermusikalischen Frühwerken und schlichten Da-Capo-Arien und verströmt eine berückende Seligkeit.

‚Künftger Zeiten eitler Kummer stört nicht unsern sanften Schlummer‘ – in diesen ersten Zeilen der neun deutschen Arien, die das Londoner Ensemble Florilegium mit der Sopranistin Gilian Keith neben frühen Triosonaten und einem Concerto in d-Moll von Georg Friedrich Händel eingespielt hat, spiegelt sich die Atmosphäre der vorliegenden CD wieder. Konzentriert auf kammermusikalische Frühwerke und jene schlichten Da-Capo-Arien auf Texte von Händels Freund Heinrich Brockes verströmen die Musiker eine berückende Seligkeit. In seinen Vokalkompositionen bevorzugte Händel italienische und englische Texte. Warum Händel hier auf muttersprachliche Texte zurückgegriffen hat, mag dem Freund geschuldet sein oder dem Umstand geistiger Erholung. Immerhin komponierte der geschäftige Vielschreiber in dieser Zeit in London zwischen 1724 und 1727 alleine sechs Opern. Die deutschen Arien erschienen lange nach seinem Tod erstmals 1921 im Druck.

Die kanadisch-britische Sopranistin Gilian Keith gestaltet die Da-Capo-Arien mit einem Vibrato in der Stimme, das natürlich aus ihrer Sprache fließt. Mühelos und mit Samtglanz in allen Lagen bettet sie in die melodienverträumten Kantilenen Triller und Verzierungen und tritt in einem Selbstverständnis wechselweise mit der Flöte oder Violine in einen Dialog, als sei sie eben nur das andere Instrument. Fürsorglich umspielt werden die Melodieführer von der Continuo-Gruppe.

Dynamischer Dialog

In den neun Da-Capo-Arien erzählt der aufgeklärte Dichter und Ratsherr Brockes von der Güte, Ruhe und Zufriedenheit des Menschen im Angesicht des Schöpfers. Dabei bedient er sich Metaphern wie dem zitternden Glänzen der spiegelnden Wellen, dem Duft der Ambraflocken, der Fülle, die die Natur nicht einschließt, und der Pracht, die nur ‚ein göttlicher Finger gemacht‘. Händel gelingt es auf seine Weise, diesen Textaussagen musikalischen Ausdruck zu verleihen, mit leichtem Pinselstrich übereinandergelegt, wechselseitig weiterfließend, selbst im quirligen polyphonen Geflecht heitere Ruhe verströmend. Genau in diesem Duktus gelingen die Interpretationen, ein sich überaus dynamischer Dialog, der in seinen vielfachen Wechseln von allen spürbar übereinstimmend empfunden in einen gemeinsamen Schluss mündet.

Über Händels Trio-Sonaten berichtet die Wissenschaft regelmäßig, dass er gerne revidierte oder sich Ideen anderer Komponisten einverleibte. Die Triosonaten op. 2 sind dafür beispielhaft. Typisch für Händels Weiträumigkeit und Solidität, dokumentieren die schnellen Sätze seine früh entwickelte Kunst im Kontrapunkt. Im Largo entfaltet sich jener im Bewusstsein des Gegenwartshörers manifestierte getragene Klang als Spiegel von Würde und Erhabenheit.

Händel und Telemann

Die Grafen von Schönborn pflegen bis in die Gegenwart Kultur auf weltläufigem Niveau. Einen besonders ausgeprägten Sinn für die Musik hatte Rudolf Franz Erwein von Schönborn. Er baute eine umfangreiche Instrumenten- und Notensammlung auf und spielte hervorragend Cello. Komponisten seiner Zeit schrieben für ihn Konzerte, unter anderem Antonio Caldara, Andrea Zani und wohl auch Händel. Gerne möchte man glauben, dass Händel um 1715 auf seiner Reise nach Ansbach im bayerisch-unterfränkischen Wiesentheid Station machte und dem Grafen das d-Moll-Concerto überreichte. Nur so lässt sich der Fund mit Händels Signatur in dessen Bibliothek erklären. Allerdings gibt es eine weitere Quelle dieses Werkes, die Georg Philipp Telemann zugeschrieben wird.

Über einem schreitenden Rhythmus entfaltet sich eine weitläufige Flöten-Kantilene, die Intimität verströmt, abgelöst von einem spritzig-virtuos geführten Duett zwischen Flöte und Violine zur Continuo-Gruppe im nachfolgenden Allegro. Das Largo ist ganz dem Cello gewidmet, das abschließende Allegro knüpft in seiner Rasanz am zweiten Satz an. Telemann-Forscher erkennen in den schnellen Sätzen dessen Handschrift, während die langsamen Sätze sicher originale Händel-Kompositionen sind. Vielleicht stimmt es tatsächlich, dass Telemann mit Händel um 1701 im Austausch stand und so eine Gemeinschaftsproduktion entstand. Die Interpretation durch das Ensemble Florilegium unterstreicht diese These und begeistert durch ihre Frische, Leichtigkeit und hinreißende Souveränität.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Händel, Georg Friedrich: Deutsche Arien und Triosonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Channel Classics
1
15.03.2017
Medium:
EAN:

CD
723385351177


Cover vergössern

Channel Classics

Channel Classics Records is a quality record label based in Holland. Director, producer and recording engineer is C. Jared Sacks. Having grown up in Boston Massachusetts, schooled at Oberlin Conservatory and the Amsterdam Conservatory of music with 15 years experience playing French Horn, Jared decided to make his hobby of recording a profession in 1987. The label started in 1990 with the name Channel Classics coming from the street he lived on in Amsterdam. (Kanaalstraat).
Jared and his Dutch wife Lydi Groenewegen together with a group of assistants work closely with distributors in 37 countries to promote the artists through the CD?s.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Channel Classics:

blättern

Alle Kritiken von Channel Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Christiane Franke:

  • Zur Kritik... Im Widerstreit modellierter Gefühle: Dániel Péter Biró besticht durch eine Musiksprache von geradezu magisch fesselnder Kraft, die vergessen lässt, dass 'Mishpatim' streng durchkonstruiert ist. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Klingende Liederkunde: In Zehnjahresschritten durchquert Malcom Martineau mit hervorragenden Liedinterpreten die Geschichte des romantischen Liedes. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Tonal im 21. Jahrhundert: Unbeirrbar widmete sich Peter Barcaba (1947-2017) zeitlebens dem Beziehungsreichtum der Diatonik. Dem Jade Quartett gelingt ein mitreißendes Zeugnis seines musikalischen Denkens. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle Kritiken von Christiane Franke...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich