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Donnerstag, 9. Dezember 2021

Rachmaninoff, Sergej - Piano Concertos

Schürfen in den Stollen der Romantik


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Was tut man nur mit einem hoffnungslosen Romantiker in der Musik? Man widmet ihm 1954 einen Lexikoneintrag im ‚Grove´s Dictionary of Music and Musicians’ und stempelt ihn mit den lapidaren Worten ‚der enorme Erfolg wird den Komponisten wohl kaum überdauern’ ab. Punkt. Dieses Schicksal erfuhr Sergej Rachmaninov. Waren die 1950er Jahre freilich geprägt durch den atonalen und zwölftönigen Ruck, der durch Gestus und Geist der Musik ging, so kann man heute, nachdem wir den musikalischen Modernismus überwunden haben und Komponisten sich nicht mehr für einen Dur-Akkord in ihrer Musik entschuldigen müssen, getrost Sergej Rachmaninov neu entdecken. Kaum häufiger als in der Musikwissenschaft werden einmal ausgesprochene, einmal niedergeschriebene Vorurteile in hübscher Regelmäßigkeit tradiert. So gilt es einmal mehr, Voreingenommenheiten zu entkräften.

Die Pianistenlegende Earl Wild, selbst bereits seit mehr als 70 Jahren an den Tasten tätig, sowie Jascha Horenstein und das Royal Philharmonic Orchestra gaben mit den Einspielungen der vier Klavierkonzerte eine mehr als adäquate Handreichung für eine Würdigung des Komponisten. Chandos hat die über 30 Jahre alten Aufnahmen wieder aufgelegt. Earl Wilds Klavierspiel ist von kräftiger Textur, daher ideal für die Interpretation der Klavierkonzerte Rachmaninovs, die nicht nur technisch äußerst vertrackte Passagen enthalten, sondern dem Solisten zudem auch einiges an physischer Kondition abverlangen. Es ist ein zupackendes, stringentes Zusammenspiel, das Earl Wild hier mit dem RPO liefert, in makelloser Präzision und klanglich bestem Ebenmaß.
Sowohl Solist wie auch Dirigent sind stark beeinflusst von der spätromantischen Schule, die sie durchlaufen haben. Dass Jascha Horenstein zu den großen Bruckner- und Mahlerinterpreten gehörte, lässt sich auch hier nicht verbergen. Es ist die spätromantische Diktion, die sein Dirigat der Klavierkonzerte Rachmaninovs auszeichnet. Er führt die Musiker des RPO zu einer dichten Klangpalette zusammen. Beim schwermütigen Schürfen in den Stollen der Romantik Rachmaninovs fördert Horenstein immer und immer wieder mit großer Geste und übersattem Streicherklang das tonschöpferische Substrat des Komponisten zutage. Immer auch steht die große Phrase im Mittelpunkt, doch auch klangfarblich delikate Einzelepisoden gewinnen an Kontur.

Die Aufnahmen entstanden in der berühmten Londoner Kingsway Hall im Mai 1965. So prominent wie die ausführenden Musiker waren auch die Mitglieder des technischen Stabs. Charles Gerhardt, selbst versierter Dirigent und Filmmusikfreunden bekannt als musikalischer Sachverwalter der ‚Classic Film Scores’-Reihe aus den 70er Jahren, produzierte die Aufnahmen. Als Toningenieur fungierte Kenneth Wilkinson. So kamen ungemein frisch klingende Einspielungen zustande. Hinsichtlich ihres Alters kann man darüber wahrlich nur staunen. Das Volumen heutiger Höhen- und Tiefenspektren können diese Aufnahmen natürlich nicht bieten. Vor allem lassen sie die Transparenz eines modernen Raumklangs vermissen. Dem opulenten Klangbild tut dies jedoch keinen Abbruch. Die Originalbänder sind hervorragend überarbeitet worden.

Die gut gestalteten Einführungstexte brechen ausführlich eine Lanze für die vermeintlich verkannten Klavierkonzerte Rachmaninovs.
Eine wichtige und richtige Wiederveröffentlichung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rachmaninoff, Sergej: Piano Concertos

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Chandos
2
16.06.2003
79:22
1965
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
0095115107829
CHAN X10078(2)


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Rachmaninoff, Sergej


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Dirigent(en):Horenstein, Jascha
Orchester/Ensemble:Royal Philharmonic Orchestra
Interpret(en):Wild, Earl (Piano)


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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