> > > Martinu, Bohuslav: Die griechische Passion
Montag, 29. Mai 2017

Martinu, Bohuslav - Die griechische Passion

Oper im Hier und Jetzt


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Referenzaufnahme der 'Griechischen Passion' mag hier trotz fehlender Konkurrenz vielleicht nicht vorliegen, aber diese Doppel-CD gehört definitiv in viele private CD-Regale als Zeugnis lebendigen Musiktheaters.

Man wundert sich ein wenig, weshalb Bohuslav Martinus letzte Oper 'Die griechische Passion' nicht häufiger auf den Spielplänen der Opernhäuser vorkommt: Während man sich in einem griechischen Bergdorf auf das alljährliche Passionsspiel vorbereitet, treffen Flüchtlinge ein. An den Themen Nächstenliebe, Fremdenhass, Furcht vor und Aggression gegen Andersgläubige sowie zerstörerische Machtgier arbeiten sich die handelnden Figuren nicht nur ab, sie scheitern auch mit erschütternder Härte an der Herausforderung. Die 'Griechische Passion' ist noch immer hochaktuell. Und auch wenn Martinus Tonsprache aus heutiger Sicht vielleicht eklektisch wirken mag oder in vielen Punkten durchaus konventionell, so ist sie emotional doch direkt begreifbar und die Oper für ein breites Publikum zweifelsohne repertoirefähig. Selbst auf CD bleibt dem Werk eine unbestreitbare Faszination erhalten, obwohl die 'Griechische Passion' auf der Bühne sicherlich eine noch stärkere Sogwirkung entfaltet. Das sieht man auch beim Durchblättern des Beihefts zum aktuellen Mitschnitt des Werks aus der Oper Graz vom März und April 2016, der auf zwei CDs beim Label Oehms erschienen ist. Die Fotos der Grazer Aufführung machen Lust auf diesen offenkundig lebendigen Opernabend mit all seinen üppigen Assoziationen und seiner kraftvollen Zeichenhaftigkeit. Da bedauert man fast schon, ‚nur’ einen Tonmitschnitt zur Hand zu haben.

Dennoch ist dieser Mitschnitt durchweg als äußerst gelungen und in vielerlei Hinsicht als beachtenswert zu bezeichnen. In Graz spielte man 2016 nämlich die rekonstruierte Erstfassung von 1957 in englischer Sprache, die Martinu für eine Uraufführung am Londoner Covent Garden vorgesehen hatte, die aber schließlich nicht stattfinden konnte. Für die Züricher Uraufführung drei Jahre später wurde die Oper noch einmal neu eingerichtet. Erst 1999 erklang die englische Erstfassung bei den Bregenzer Festspielen. Nachdem der Bregenzer Mitschnitt mittlerweile vergriffen ist, ergänzt die vorliegende Veröffentlichung der Grazer Produktion die ohnehin erschreckend übersichtliche Diskographie von Martinus letzter Oper, die nur noch die tschechische Aufnahme von 1981 unter Libor Pesek sowie den Filmsoundtrack unter Sir Charles Mackerras aus dem selben Jahr aufweisen kann.

Diese CD-Produktion kommt zum genau richtigen Zeitpunkt. Sie macht mit der gut verständlichen englischen Fassung endlich wieder auf das vernachlässigte Werk aufmerksam und kann obendrein mit einem stattlichen Ensemble aufwarten, das keine Ausfälle zu verzeichnen hat. Am Pult des Grazer Philharmonischen Orchesters setzt Dirk Kaftan auf die Kraft von Martinus musikalischen Puzzleteilen. Den folkloristischen Elementen lässt er genügend Raum, sich stilistisch zu behaupten, den an Janácek erinnernden Themen-Bruchstücken verleiht er Größe und in manchen melodisch sich aufschwingenden Passagen begibt er sich fast schon in die Nähe des Kitschverdachts, überschreitet aber nie die Grenze. Kaftan drängt sich nicht auf, er vertraut Martinu – und das überzeugt letztlich.

Aus dem wunderbaren Ensemble sticht vor allen Dingen der persönlichkeitsstarke Charaktertenor von Rolf Romei heraus. Den Manolios stattet er mit visionärer Strahlkraft aus, findet aber auch Zeit für Lyrismen und klangliche Intimität. Mit dieser intensiven Figurenzeichnung ist ihm Dshamilja Kaiser als Katerina eine kongeniale Partnerin, die mit warmen Farben und großer Emotionalität aufwartet. Zum Fürchten ist der kraftvolle, scharf konturierte Grigoris von Wilfried Zelinka, und Markus Butter gibt seinen ebenso eindrücklichen Gegenspieler Fotis. Glänzend besetzt sind der prägnante Tenor Manuel von Senden als Yannakos, der junge Ivan Orescanin mit balsamischem Bariton als Dorfältester Archon, Tatjana Miyus als junge Braut Lenio und Konstantin Sfiris gibt als bassgewaltiges Urgestein die Partie des alten Mannes trotz deutlich gealterter Stimme mit einer Großportion Charisma.

Dieser Grazer Mitschnitt dokumentiert eine außergewöhnliche Ensembleleistung, die in sich stimmig ist. Die Regiezutat eines betrunkenen Ältesten, der sich seines primitiven Gepöbels in österreichischer Mundart zu entledigen hat, holt Martinus Opern-Schwanengesang mit berechtigtem Nachdruck ins Hier und Jetzt. Eine Referenzaufnahme der 'Griechischen Passion' mag hier trotz fehlender Konkurrenz vielleicht nicht vorliegen, aber diese Doppel-CD gehört definitiv in viele private CD-Regale als Zeugnis lebendigen Musiktheaters.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Martinu, Bohuslav: Die griechische Passion

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
2
24.03.2017
EAN:

4260034869677


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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