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Mittwoch, 20. September 2017

Grieg, Edvard - Streichquartette

Kontraststark


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das polnische Meccore String Quartet legt eine feinnervige und hochausdrucksvolle Deutung des g-Moll-Quartetts von Grieg vor. Die vier Musiker spüren den Ausdrucksdimensionen bis in kleinste Verästelungen nach. Hervorragend!

Als Kammermusiker ist Edvard Grieg bis heute eher wenig bekannt und im Konzertleben präsent. Neben den hier vorgestellten Werken sind vor allem drei Violinsonaten und eine Cellosonate zu erwähnen, doch sollte dieser überschaubare Korpus nicht in die Irre führen. Während das in den frühen 1890er-Jahren begonnene F-Dur-Streichquartett bis zu Griegs Tod 1907 nicht vollendet werden konnte, entstand das g-Moll-Quartett op. 27 1877-8 in einem überschaubaren Rahmen. Im dramatischen Kopfsatz spielt sich das 2007 gegründete polnische Meccore String Quartet (das erste reine Herrenensemble, dem ich seit Jahren begegnet bin) bildlich gesprochen die Seele aus dem Leib: Da wird mit vollem Herzen und vollem Ton, aber auch elegischer Feinnervigkeit musiziert; für manchen mögen die Tempokontraste etwas zu stark sein, die Präsenz der Musiker ist in jedem Moment spürbar. In der folgenden, zunächst scheinbar simpel gefälligen 'Romanze' werden immer wieder die mysteriösen und skurrilen Aspekte hervorgehoben, wird der Satz, den die Musiker immer wieder ins Tänzerische ‚abgleiten‘ lassen, zu einem zerrissenen Charakterstück ganz eigener Art. Im 'Intermezzo' erkunden die Musiker einmal mehr dynamische Extreme, die von der Dabringhaus & Grimm-Aufnahmetechnik kongenial eingefangen sind – klare Balance und warmer Ton, dazu gute Hörbarkeit bis mindestens ins dreifache Piano. Ein expressives 'Lento' leitet das tänzerische Finale ein, in dem das Quartett die in sie durch die vorangegangenen drei Sätze gesetzten Hoffnungen schlussendlich aber nicht ganz einlösen kann. Da ist viel Emotion, viel Kontrast, extrem viel musikalisches Können – aber immer wieder zerfasert die Gesamtstruktur des Werks, wird die Architektur dem musikalischen Moment untergeordnet.

Dass Julius Röntgens Vervollständigung von Griegs zweitem Quartett nicht eingespielt wurde, obschon der Platz auf der SACD gewesen wäre, bedauert der Rezensent, gerade mit Blick auf die derzeit stattfindende Röntgen-Renaissance, sehr – auch um sozusagen einen musikalischen Dialog über die Generationen hinweg zu beobachten (sollte Röntgens Komplettierung ungenügend sein – es gibt auch ein von Levon Chilingirian, die auf Hyperion vorgelegt wurde). Das Meccore Quartett hat nur die beiden abgeschlossenen und 1908 durch Röntgen herausgegebenen Sätze eingespielt – den Kopfsatz und ein 'Allegro scherzando' überschriebenes Scherzo. Offenkundig sollte das Werk das lyrisch verhalten-heitere Gegenstück zu op. 27 werden, doch besonders im Kopfsatz bleibt die Komposition – gerade mit den Entwicklungen der damaligen Zeit – retrospektiv gesehen eher konservativ, selbst im Vergleich zu dem zwanzig Jahre früher entstandenen Werk bleibt hier vieles zu ‚anständig‘, zu wenig wagemutig. Das wird im Scherzo anders – hier haben wir einen äußerst inspirierten, dem früheren Werk mindestens gleichwertigen Satz. Um für die Komposition dennoch eine Art Finale bieten zu können, hat das Meccore Quartet eine f-Moll-Fuge aus dem Jahr 1861 eingespielt, die in der vorliegenden Interpretation völlig bar ist jedweden Akademismus: So hätte sich Grieg sicher diese kleine Komposition nicht vorgestellt, aber ihre Lesart als Schluss der vorliegenden, sonst nicht immer ganz überzeugenden Produktion, ist von bezwingender Intensität.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Grieg, Edvard: Streichquartette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
24.03.2017
EAN:

760623199863


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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