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Donnerstag, 19. Oktober 2017

Mjaskowski, Nikolaj - Cellosonaten

Melancholie und Versenkung


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die beiden Violoncellosonaten des Symphonikers Nikolai Miaskowsky erfahren durch Luca Magariello und Cecilia Novarino eine gelungene Interpretation.

Musik und Politik sind oft so eng miteinander verflochten, dass eine saubere Trennung unmöglich ist. Dies zeigt sich besonders deutlich beim Nachruhm des Komponisten Nikolai Miaskowsky (1881–1950), dessen Werk deutlich weniger in den Konzertsälen und auf Tonträgern präsent ist als das Schaffen seiner berühmteren Kollegen Prokofjew und Schostakowitsch. Ein Grund hierfür mag die enge Verbundenheit Miaskowskys mit dem sowjetischen Regime sein – nicht weniger als sechsmal erhielt er für seine Werke den Stalinpreis. Obwohl es sicherlich verfehlt wäre, sein umfangreiches Schaffen auf diesen Aspekt zu reduzieren, existieren doch stark politisch eingefärbte Stücke in seinem Œuvre, etwa die Zwölfte Symphonie zum Gedenken an den 15. Jahrestag der Oktoberrevolution.

Für den großen Teil von Miaskowskys Stücken gilt jedoch, was Ludwig Finscher über den Komponisten in der ‚Musik in Geschichte und Gegenwart‘ geschrieben hat (Sachteil, Artikel ‚Symphonie‘): ‚Der Grundton blieb aber immer die Melancholie und die Versenkung in immanent-musikalische Probleme.‘ Dieser Satz ist auf die nicht weniger als 27 Symphonien aus der Feder des Tondichters bezogen, kann aber bruchlos auf seine Kammermusik übertragen werden, zumal auf die beiden Cellosonaten opp. 12 (1911) und 81 (1948).

Der Cellist Luca Magariello und die Pianistin Cecilia Novarino widmen sich auf vorliegender CD diesen beiden Sonaten, deren Tonfall trotz eines zeitlichen Abstandes von 37 Jahren vergleichbar ist – von der Modernität seiner Zeitgenossen war Miaskowsky relativ weit entfernt. Kennt man die Stücke nicht, würde man beim ersten Hören auf einen gepflegten Spätromantiker in der Brahms-Nachfolge tippen. Das ist durchaus als Kompliment zu verstehen: In ihrer melodischen Entfaltung, dem Zusammenspiel der beiden Instrumente und der formalen Konstruktion handelt es sich um zwei erstklassige Werke, die jedem Vergleich standhalten. Vor allem die düster-schwermütige zweite Sonate zeugt von allerhöchster Inspiration. Beide Stücke sind klar auf das Cello zugeschnitten, ohne das Klavier zum reinen Begleitinstrument zu degradieren.

Entsprechend gehen Magariello und Novarino die Sonaten an, der Cellist darf sich stets großzügig entfalten und hat mit Novarino eine aufmerksame Dialogpartnerin an seiner Seite. Das geschickte Zuspielen der Themen und Motive überzeugt in der dreisätzigen zweiten Sonate ebenso wie im aus nur zwei Sätzen bestehenden op. 12, wo Miaskowsky noch hörbar auf den Pfaden von Schumann und Brahms wandelt. Für den einen oder anderen Hörer mag Magariellos Ton zu forciert, zu kantig wirken, doch der expressive Gehalt der beiden Sonaten kommt durch dieses Spiel sehr gut zur Geltung. Die langen, melodiösen Passagen der ersten Sonate sind bei ihm in den besten Händen. Minimale Unsauberkeiten beim Zusammenspiel der beiden Musiker – vor allem in den rasanten Abschnitten – zeigen aber doch, dass auch noch ein wenig Luft nach oben ist.

Erfreuliches gibt es vom Klangbild zu berichten. Wer schon einmal ein Cello-Recital erlebt hat, bei dem der Cellist gleichsam um sein Leben spielen muss, weil ihn das Klavier übertönt, wird sich hier über eine angenehme Balance freuen. Cello und Klavier bleiben auch in den lauteren Passagen stets in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander. Novarino hätte hier und da – für meinen Geschmack – sogar etwas robuster in die Tasten greifen dürfen, etwa im Finale der zweiten Sonate.

Dennoch hat diese CD insgesamt Anerkennung verdient, schon alleine aufgrund des Mutes der beiden jungen Musiker, vom Standard-Cello-Repertoire abzuweichen und sich mit den beiden Miaskowsky-Sonaten zwei echten musikalischen Edelsteinen zu widmen. Vermutlich hätte ein etabliertes, erstklassiges Duo hier noch ein paar Prozent mehr geschafft, aber für den Hörer, der sich mit den beiden Sonaten beschäftigen will, ist diese Veröffentlichung dennoch empfehlenswert. Magariello und Novarino dürften im weiten Feld der wenig gespielten Celloliteratur noch für die eine oder andere Entdeckung gut sein. Die Beiheft-Texte liegen leider nur auf Englisch und Italienisch vor.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mjaskowski, Nikolaj: Cellosonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
14.04.2017
EAN:

5028421954370


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