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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Beethoven, Ludwig van - Sinfonie Nr. 9

Am zweiten Ort


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine attraktive neue Lesart, autoritativ und mit großer Liebe dargeboten, aber nicht ganz ausreichend zur Übernahme der Position des absoluten Spitzenreiters.

Beethovens Neunte ist seit dreißig Jahren kein Fremdling in der historisch informierten Aufführungspraxis, und jede Neueinspielung muss von vornherein mit beachtlicher Konkurrenz rechnen. In seiner Reihe ‚Resound Beethoven‘ haben das Orchester Wiener Akademie und sein Leiter Martin Haselböck nun ihren Beitrag beigesteuert, an dem historischen Ort ihrer zweiten Aufführung, dem Redoutensaal der Wiener Hofburg (der Uraufführungsort Kärtnertortheater war schon 1870 abgerissen worden). Das Datum dieser Aufführung (23. Mai 1824) muss man im Booklet suchen (es findet sich nicht etwa im Booklettext, sondern auf der Rückseite des Digipack); auch der (ebenfalls nicht mehr existierende) Ort der englischen Erstaufführung, die Londoner Hannover Square Rooms, finden keine Erwähnung, obschon die Londoner Philharmonic Society für die Entstehung des Werks keine unbeachtliche Rolle spielte.

Wie schon in den vorherigen Folgen von ‚Resound Beethoven‘ ist auch Haselböcks Neunte eine eher Wienerisch-Traditionelle denn Gegen-den-Strich-Bürstende-Ungewohnte à la Norrington, Brüggen oder Gardiner. Sie geht somit einen Weg etwa zwischen den ‚Extremisten‘ der historisch informierten Aufführungspraxis und den Progressiven der ‚nicht historisch informierten‘ Dirigenten (Abbado, Zinman). Viele schöne Momente zeichnen die Interpretation aus, in den Details überzeugt sie am stärksten; auch der langsame Satz ist wunderbar sanglich geraten. Die stärkste Konkurrenz kann er aber in Sachen dramatischer Bogen oder klangliche Raffinesse nicht überbieten, ist im Finale aber ganz weit vorne mit dabei. Auch aufnahmetechnisch sind manche Stimmen nicht immer ganz von jener Präsenz, die Roger Norrington mit den London Classical Players hervorheben konnte – der Redoutensaal zeigt offenbar auch gewisse Einschränkungen, bei aller Klarheit und unüberhörbaren Liebe zum Objekt, die diese Einspielung auszeichnet.

Sehr schön kommen im Schlusssatz sowohl die Orchester- als auch die Gesangsstimmen zur Geltung, allerdings nur in Bereich diesseits des Forte – in der Schlussstretta gehen manche Instrumente fast unter (und manche Klänge scheinen geringfügig später am Mikrofon anzukommen als dies sein sollte). Den Chorus Sine Nomine (Chordirektor Johannes Hiemetberger) kann man fast durchgegehend verstehen. Mit Laura Aikin, Michaela Selinger, Steve Davislim und José Antonio López ist ein sprachlich nicht immer ganz sicheres, klanglich insgesamt attraktives Quartett aufgeboten, das aber aufgrund von etwas fehlender klanglicher Homogenität (die auch aufnahmetechnisch bedingt zu sein scheint) nicht die besten Solistenquartette überbieten kann, sich vielmehr dem Ensemblegeist unterordnet. Eine attraktive neue Lesart, autoritativ und mit großer Liebe dargeboten, aber nicht ganz ausreichend zur Übernahme der Position des absoluten Spitzenreiters.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 9

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
03.03.2017
EAN:

3760014194764


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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