> > > Haydn & Cimarosa: Sinfonien Nr. 60, 70 & 12, Il Maestro di Cappella
Donnerstag, 23. November 2017

Haydn & Cimarosa - Sinfonien Nr. 60, 70 & 12, Il Maestro di Cappella

In die Zukunft


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In dieser Folge Giovanni Antoninis Haydn-Reihe stammt das interessanteste Stück nicht von Haydn, sondern von Cimarosa. Der Giardino Armonico begeistert mit feinem Spiel, eine positive Überraschung ist zudem Riccardo Novaro.

Das Haydn-Terzentenarium 1832 fest im Blick, hat Giovanni Antonini zusammen mit dem Label Alpha eine neue Gesamteinspielung der 107 Sinfonien Joseph Haydns geplant. Statt chronologisch vorzugehen (was immer wieder enorme Schwierigkeiten mit sich bringen kann), ist sein Zugang ein eher ‚systematischer‘. Die vorliegende CD betont unter dem Titel ‚Il distratto‘ (Der Zerstreute) das dramatische Element in Haydns sinfonischem Schaffen. Die titelgebende (sechssätzige) Sinfonie C-Dur Hob. I:60 (zu einem 1774 in der Eszterháza aufgeführten Lustspiel entstanden) hebt eben diese theatralen Momente besonders hervor, nicht zuletzt im Finalsatz, in dem die Instrumente plötzlich zu stimmen anfangen. 1776 begann der regelmäßige Opernbetrieb auf der Eszterháza, der schon drei Jahre später durch den Brand des Opernhauses ein abruptes Ende fand. Die traditionell viersätzige prunkvolle D-Dur-Sinfonie Hob. I:70 entstand zur Eröffnung des Opernhauses. Komplettiert wird das Programm durch die dreisätzige Sinfonie E-Dur Hob. I:12 (ohne dass im Booklet erläutert wird, warum) und vor allem durch die Kantate 'Il maestro di cappella', die früher vorrangig Domenico Cimarosa zugeschrieben wurde, deren Quellenlage aber durchaus problematischer erscheint. Die Kantate (oder dramatische Szene) erlebte ihre Uraufführung erst 1793 in Berlin, doch es muss überraschen, dass trotz zahlreicher erhaltener Handschriften offenbar keine vollständige Partitur erhalten ist; die vorliegende Edition erarbeitete Marco Brolli. Die Sinfonie hat eine fast unmittelbare, wenn auch nicht zu starke Verbindung zu Pergolesis 'La serva padrona', gleichzeitig aber greift sie auch den späten Mozart vorweg. Vielleicht der Höhepunkt der CD ist aber schlussendlich kein Werk von Haydn, sondern die dramatische Szene von Cimarosa (?), die schon häufig auf Tonträger vorgelegt worden ist, wenn auch basierend auf wissenschaftlich nicht sonderlich akkuratem Notentext.

Dass Antonini sich in Haydns Idiom und dem seiner Zeit wohlfühlt, darf als selbstredend vorausgesetzt werden. Hier stehen ihm seine Musiker des Giardino Armonico zur Verfügung – feinsinnige Musiker an allen Instrumenten, die den Werken lebensvolle, dramatisch aufgeladene Interpretationen angedeihen lassen, ohne das Gegen-den-Strich-Bürsten zu übertreiben. Allen steht der Witz wie der Ernst Haydns hörbar nahe, und jeweils wird der rechte Ton getroffen. Haydns Besonderheiten kommen ebenso klar zu ihrem Recht wie der Zeitstil. Allerdings muss die Frage gestellt werden dürfen, warum es nötig ist, die zweiten Geigen unmittelbar neben den ersten zu platzieren; dies beeinträchtigt etwas die grundsätzliche Klangbalance – jedoch sei auch zu bedenken gegeben, dass im Orchestergraben eines Opernhauses der Platz zumeist mehr als beschränkt war und das Publikum natürlich nicht am idealen Hörplatz saß wie heute der Phonohörer.

Riccardo Novaro chargiert in der Szene nicht; zusammen mit den Orchestermusikern gelingt ihm eine fein abgestimmte, dramatisch charmante wie musikalisch brillante Einspielung. Seine Baritonstimme überzeugt in allen Registern, weist feines Phrasierungsgespür und eine attraktive Höhe mit genau der rechten Portion ‚Stahl‘ auf und empfiehlt ihren Besitzer für eine der nächsten Einspielungen von Opern der Zeit. Unterstützt werden die Musiker durch wohltuend natürliche Aufnahmeakustik im Berliner Teldex-Studio, die die Unmittelbarkeit des Musikerlebnisses besonders unterstreicht.

Leider ist dem Plattenlabel eine ästhetisch ansprechende Aufmachung offenbar wichtiger als substanzielle Informationen zu den einzelnen Werken. Nur zu der Kantate ist der Begleittext nachhaltig informativ, ansonsten bleibt die Information sehr an der Oberfläche. Wichtiger scheinen Fotografen der Magnum Photos-Agentur (hier von Richard Kalvar), die hier einen Anspruch erheben, der jedenfalls den Informationen der Booklettexte übergeordnet scheint.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haydn & Cimarosa: Sinfonien Nr. 60, 70 & 12, Il Maestro di Cappella

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
03.03.2017
EAN:

3760014196744


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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