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Mittwoch, 12. Dezember 2018

Haydn & Schubert - Streichquartette

Erschütterung oder humorvolle Distanz?


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Tetzlaff Quartett koppelt Schuberts letztes Streichquartett mit Haydns Sturm und Drang.

Erschütterung oder humorvolle Distanz? Existenziellen interpretatorischen Fragen weichen die Mitglieder des Tetzlaff Quartetts in einem Interview mit Friedrike Westerhaus, das im Booklet auch (original) auf Deutsch abgedruckt ist, nicht aus. Merkwürdigerweise sind die einzelnen Mitglieder dort nicht namentlich erkennbar, in der Aufnahme jedoch kann man ausmachen, wer für welche Impulse, welche Farbgebung verantwortlich ist: Bei Schubert trägt vor allem Tanja Tetzlaffs sonores Violoncello viel zur dynamisch manchmal extremen Klanggebung und auch agogischen Grundgestaltung bei. Die beiden Violinen und die Bratsche sind klanglich homogen aufeinander abgestimmt und bei Schubert zu höchster schneidender wie kantabler Intensität fähig: Man merkt die große, eben spürbar auch ‚existenzielle‘ Konzerterfahrung mit dem Stück, welche das Interview durchgängig repliziert. Meine bisherige Referenzaufnahme mit dem Cherubini-Quartett lässt diese Einspielung an emotionaler Dichte deutlich hinter sich, auch wenn das – selbst im 'Winterreisen'-nahen 'Andante un poco moto' – noch nicht an die vielleicht traurigste und tragischste Musik der Romantik, den acht Jahrzehnte späteren langsamen Satz aus Mahlers Sechster Sinfonie, heranzurühren vermag (aber manchmal fast).

Etwas irritierend dann der gekoppelte Haydn: Die frühklassische Ausdruckswelt dieses ‚frühen‘ Sturm-und-Drang-Quartetts rührt zwar stellenweise – besonders in den beiden letzten Sätzen, insbesondere bei der merkwürdigen Verdichtung kurz vor Finalende – an die expressiven Tiefen des späten Schubert; das homogene, bewusst und manchmal wohl auch ungewollt nicht immer metrisch ganz glatte Spiel des Tetzlaff Quartetts wirkt bei dieser Musik aber nicht so erfühlend, klanglich fantasievoll, ergreifend und vermittelnd wie in Schuberts großem Quartett-Drama. Ein Postludium zwischen trotziger und humorvoller Perspektive auf das traurige Leben, prä-romantisch vielleicht im Sinne von Jean Paul? Nach jenem ganz empathisch quälend empfundenen Schubert nimmt dieses Werk trotz aller Qualitäten doch zu wenig mit.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haydn & Schubert: Streichquartette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
10.03.2017
EAN:
761195129326

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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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