> > > Dinu Lipatti Collection: Werke von Bach, Chopin, Brahms, Liszt u.a.
Mittwoch, 13. Dezember 2017

Dinu Lipatti Collection - Werke von Bach, Chopin, Brahms, Liszt u.a.

Dinu bleibet meine Freude


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zum 100. Geburtstag erfährt der legendäre Pianist Dinu Lipatti auf 12 CDs eine würdevolle Hommage.

Ist vom rumänischen Pianisten Dinu Lipatti die Rede, so wird an Superlativen zumeist wenig gespart, wenn ihn etwa der berühmte Produzent Walter Legge als Instrument Gottes verklärt oder Herbert von Karajan sein Klavierspiel ‚losgelöst von jeder Erdenschwere‘ nennt. Eine solche Glorifizierung ist selbstverständlich vor allem auf die nur sehr kurze Karriere des Pianisten zurückzuführen, der an den Folgen einer Krebserkrankung bereits im Alter von nur 33 Jahren starb. Die wenigen hinterlassenen Tondokumente sind somit nicht allein Zeugnisse eines außergewöhnlichen Pianisten, sondern werden ebenso als Glaubensbekenntnisse eines mit dem frühen Tod kämpfenden Musikers verstanden. Dass solche Verklärungen in der Musikrezeption seit jeher besonderen Anklang gefunden haben, ist geradezu verständlich, wenn man sich allein den Mythos des Mozart-Requiems vor Augen führt. Im Falle Lipatti sind seine letzten Aufnahmen in der Tat zumeist unter großen Schmerzen entstanden. Besonders eindringlich ist in diesem Kontext das letzte Konzert aus dem September 1950, welches als eine absolute Klavierabend-Sternstunde glücklicherweise für die Plattengeschichte verewigt wurde. Der stark gezeichnete Pianist musste dem Druck der weit fortgeschrittenen Krankheit weichen und konnte den letzten Chopin-Walzer nicht mehr spielen – der spirituelle Augenblick folgte jedoch, als er noch einmal zu einer Zugabe ansetzte und den Choral 'Jesu bleibet meine Freude' zum Erklingen brachte, was von den Mikrofonen allerdings nicht mehr aufgenommen wurde. Und speziell dieser Bach-Choral ist es am Ende auch, welcher wie kaum ein anderes Werk mit der Interpretation Lipattis verschmolzen zu sein scheint – ein Werk, das laut Aussagen seiner Frau zum persönlichen Gebet wurde. Ist es bei einer so großen Mystifizierung demnach überhaupt möglich, die Interpretationen Lipattis von der autobiographischen Tragödie zu isolieren? Zum 100. Geburtstag des Pianisten ist man zu einer neuen Auseinandersetzung in jedem Fall eingeladen.

Editorische Meisterleistung

Das Label Profil Edition steuert zu Ehren des Geburtstages mit einer 12-CD-Box ein großes Geschenk bei und veröffentlicht das gesamte, wenngleich übersichtliche auf Tonträger festgehaltene Schaffen Lipattis. Die editorische Meisterleistung wird mit Blick auf die Konkurrenz nochmals bestätigt, nimmt man nur die ebenfalls zum Jubiläum erschienene ‚Immortal Dinu Lipatti‘-CD von Warner vergleichend hinzu, bei der viel zu viele Aufnahmen vergessen wurden. Die Profil-Veröffentlichung enthält dagegen nicht nur die populären Aufnahmen, sondern besticht durch eine Sammlung von Raritäten, darunter etwa die 'Liebeslieder-Walzer' von Brahms oder auch zwei Bach-Aufnahmen, bei denen Lipatti auf dem Cembalo zu hören ist. Zugegeben, diese Aufnahmen aus den 1930er Jahren sind klangtechnisch noch mit einem nicht unerheblichen Rauschpegel versehen, und in Sachen Klangrestaurierung sind bei allen Aufnahmen von den Verantwortlichen dieser Edition keine wirklichen Wunder vollzogen worden. Gleichwohl werden die Lipatti-Anhänger sich damit sowieso im Voraus abgefunden haben – in Anbetracht des Alters sind diese Mono-Aufnahmen sicher nichts für Klangfetischisten, sondern vielmehr für Hörer, die primär am interpretatorischen Erlebnis interessiert sind.

Womit man bei der Interpretation von Lipatti angelangt wäre. Die besondere Spielweise Lipattis ist in erster Linie nicht allein an ein autobiographisches Schicksal gebunden, sondern an die Gepflogenheiten der damaligen Zeit. Der extremen Romantisierung eines Pianisten wie Edwin Fischer folgte Lipatti zwar nicht; dennoch vertrat er die Meinung, Musik nicht unbedingt im Sinne einer heute von der historisch informierten Aufführungspraxis proklamierten Rekonstruktion des zeitgenössischen Klangbildes zu gestalten. Wenn Lipatti demnach Bach auf dem Klavier spielte, war er nicht etwa um eine historisierende Sicht bemüht, was unter anderem allein in der Präferenz für Bach-Bearbeitungen von Busoni oder Hess deutlich wird. Die Aufnahmen Lipattis zeigen dabei inwieweit der heutigen Zeit ein breites Interpretationsspektrum im Zuge des peniblen Strebens nach Werktreue verloren gegangen ist. Das Klavier- bzw. Cembalokonzert Nr. 1 in d-Moll BWV 1052 würde heutzutage mit einem solch dickten Klangteppich, einem extremen Vibrato in den Streichern und einem unvergleichlichen Mut, auch bei Bach Rubati und Tempomodifikationen einzusetzen, sicherlich nicht mehr so gespielt werden können. Die fehlende Angst vor einer die Barockmusik vermeintlich verzerrenden Romantisierung ist es jedoch, was die Aufnahmen von Lipatti so spannend macht. Die Bach-Choräle werden so nicht allein durch die technische Versiertheit und die beeindruckende Anschlagskultur des Pianisten zum Erlebnis, sondern entfalten ihren Zauber durch eine Ausdruckskraft, die – mit beeinflusst durch die tödliche Erkrankung – insbesondere das Melancholische dieser Musik in den Vordergrund stellt. Kitschig ist das deswegen noch lange nicht, und bemerkenswert ist es, dass die wirklich romantischen Konzerte von Schumann oder Grieg heutzutage viel eher zu gekünstelten Effekthaschereien neigen. Die Referenzaufnahme des Schumann-Klavierkonzertes mit Lipatti und Karajan offenbart in diesem Sinne eine selten so überzeugend dargebotene Symbiose aus orchestraler Pracht und eindringlichem Klavierspiel.

Große Klavierkunst

Lipattis Schicksal war am Ende mit der traurigen Tatsache verbunden, zwar einen glorifizierenden Nachruhm zu erfahren, gleichzeitig blieb es ebenso bei einer – man möchte meinen – zu kleinen Hinterlassenschaft. Das jedoch, was heute zugänglich ist, kann sicherlich als ganz große Klavierkunst bezeichnet werden. Dank einer so schönen und in jeglicher Hinsicht vollständigen CD-Zusammenstellung, die sogar ans Ende des letzten Konzertes eine frühere Aufnahme des Chorals 'Jesu bleibet meine Freude' stellt, um diesen besonderen Konzertmoment nachträglich zu modellieren, ist dem Werk Lipattis in jedem Fall eine würdige Hommage zuteil geworden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dinu Lipatti Collection: Werke von Bach, Chopin, Brahms, Liszt u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Profil - Edition Günter Hänssler
12
EAN:

881488170115


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
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