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Donnerstag, 23. November 2017

Bach, Carl Philipp Emanuel - Große Festkantaten

Für den Herrn Pastor


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Festkantaten Carl Philipp Emanuel Bachs sind musikalisch reizvoll, auch wenn sie stilistisch nur schwer in übliche Kategorien einzuteilen sind. Die Umsetzung ist tadellos.

1771 bzw. 1787 wurden Johann Matthias Klefeker und Heinrich Julius Willerding an St. Michael bzw. St. Petri in Hamburg eingeführt. Zu diesen Anlässen schuf Carl Philipp Emanuel Bach Festkantaten. Solche Kantaten, so anspruchsvoll sie in der Zeit gewesen sein mögen, hatten naturgemäß kaum ein Nachleben (selbst im Wotquenne-Verzeichnis fehlen sie noch 1905); nicht selten wurden sie entweder aus anderen Werken gespeist oder für Werke allgemeineren Charakters später weiterverwendet (man spricht ggf. von Pasticci bzw. Parodiekantaten). Die frühere Kantate 'Ich will dem Herrn lobsingen' läuft bislang offenbar nicht als Parodie- oder Pasticcio-Werk wie die zweite 'Wer sich rühmen will'; ein Schattendasein beider Kantate ist angesichts der hohen Qualität der Musik mehr als bedauerlich. Wenn man so will, bietet Bach hier eine Mischung aus spätbarockem Rezitativ, Arien des sogenannten empfindsamen Stils und Haydn‘scher ‚Wiener Klassik’ (was natürlich den Begriff der Wiener Klassik aushebelt) – die Verwendung althergebrachter Etiketten funktioniert aber hörbar nicht mehr wirklich.

Cantus und Capella Thuringia unter Bernhard Klapprott erweisen sich in diesem aufnahmetechnisch rundum überzeugenden Live-Mitschnitt aus der Leipziger Thomaskirche vom 8. März 2014 als bestens aufgelegte Sachwalter der Musik – auch wenn der vierzehnköpfige Chor gelegentlich etwas zu klein besetzt wirken könnte, erweist sich seine Stimmkraft doch als mehr als nur adäquat –, nicht zuletzt auch weil die Solisten im Chor mitwirken. Gerade hierdurch aber ergibt sich eine besondere Homogenität und ein unmittelbarer Ausdruck. Zweien der vier Solisten wünscht man bereits jetzt eine nachhaltige internationale Karriere, allen voran der Sopranistin Monika Mauch, ausgestattet mit jugendlicher Frische und genügenden Farben und Durchsetzungskraft sowie einer sehr guten Registerverblendung. Der Tenor Mirko Ludwig empfiehlt sich als autoritativer Evangelist und erinnert klangfarblich ein wenig an Kurt Equiluz und Claes Hakon Ahnsjö, jedoch in der Höhe gelegentlich etwas nasal-unfrei klingt. Der Bariton Guillaume Olry kann nicht ganz mithalten; er ist leider etwas tiefenschwach und bei Verzierungen nicht ganz frei. Vielleicht lässt sich seine Stimme noch weiterentwickeln, vielleicht ist er auch eher ein Ensemble- als Solosänger. Am wenigsten zu tun hat die Mezzosopranistin Margot Oitzinger, die nur in der späteren Kantate solistisch hervortritt und eine tadellose, hier durchaus angemessen unauffällige Leistung bietet.

Insgesamt aber haben wir hier eine ausgesprochen erfreuliche Veröffentlichung, die uns klar macht, dass das 18. Jahrhundert musikalisch wahrlich aus mehr besteht als Bach und Händel einerseits und Haydn und Mozart andererseits.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Carl Philipp Emanuel: Große Festkantaten

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
1
73:08
EAN:
BestellNr.:

3767863795821
cpo 777 958-2


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Bach, Carl Philipp Emanuel
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Ich will dem Herrn lobsingen
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Du hast mich Gott, du, mich gerufen
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Du, die höchste Majestät
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Was rufst du dann mich Schwachen
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Gib, dass sie halten gute Wacht
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Was führst Du mich
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Wie schwer ist's, Gottes Waffen führen
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Verzagt in denn
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Dies ist mein Mut
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Sei Lob und Preis mit Ehren
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Dank und Halleluja
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Sei mir gesegnet
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Sei fromm, mein Sohn
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Sie liebte, Vater, dich
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Wir wollen Jesu Lehre preisen
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Du süße Lieb', schenk uns dein' Gunst
 - Einführungsmusik Klefeker 1771 (H 821b) - Wir wollen Jesu Lehre preisen
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Wer sich rühmen will
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Dich rühmen wir, großer Schöpfer
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Empor zu Deiner Höh'
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Deine Gebote erleuchten die Seele
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Dich predigt Sonnenschein und Sturm
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Dich sieht der Mensch
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Dich erkennen, Gott der Götter
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Dich kennt der Christ
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Dein sanftes Wort der Gnade
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Rufst du uns nicht mit Güte
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Dann werden wir uns herzlich freu'n
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Mit Ehrfurcht werfen wir uns nieder
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Wer euch höret
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Früh hast du dich aufgeschwungen
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Schon eilt mit seinen Segenssprüchen
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Tritt hin, den heil'gen Eid zu schwören
 - Einführungsmusik Willerding 1787 (H 821o) - Gib deinem Diener


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Dirigent(en):Klapprott, Bernhard
Orchester/Ensemble:Capella Thuringia
Interpret(en):Mauch, Monika
Ludwig, Mirko
Oitzinger, Margot
Olry, Guillaume


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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