> > > Sounds of Hollywood Vol. 3: Filmmusik
Dienstag, 12. Dezember 2017

Sounds of Hollywood Vol. 3 - Filmmusik

Game of Scores


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Stefan Fraas und die Vogtland Philharmonie bleiben ihrer Spezialität treu und legen ihre dritte SACD voller populärster Film- und Serien-Erkennungsmelodien von Bonanza bis zum Drachenzähmen vor. Wirklich abwechslungsreich?

Man darf sich nichts vormachen. Auf diesem Tonträger findet sich genau das, was heute die meisten Schul- und sogar Hochschulorchester statt populärer ‚Klassik‘ hauptsächlich spielen: symphonische Musik, die aus populären Hollywood-Blockbustern aller Zeiten stammt, aber auch aus älteren und neuen Fernsehserien wie ‚Bonanza‘ oder (viel aktueller) ‚House of Cards‘ und ‚Game of Thrones‘. Es gibt keinen roten Programm-Faden, der ein bestimmtes Sujet oder eine besondere Film- oder Kompositionsästhetik betrifft. Vielmehr entsprechen die ein- bis siebenminütigen Arrangements einem genauen Orchestrationsstandard, den erfahrene Dirigenten der weltweiten Symphonic-Pops-Konzerte wie Sean O‘Loughlin – die beiden einleitenden Potpourris aus ‚Star Wars: Das Erwachen der Macht‘ und ‚Drachenzähmen leicht gemacht‘ stammen von diesem Senkrechtstarter der amerikanischen Pops-Szene – oder eben auch Stefan Fraas selbst im Gefolge von Pionieren wie John Williams oder Erich Kunzel inzwischen mühelos produzieren (und manche ambitionierte Schulorchesterleiter dann ebenso erfolgreich weiter reproduzieren). Auffallend an diesem standardisierten Sound sind die Vorliebe vor allem für die Bläsergruppen und manchmal einen dezenten Einsatz von Schlagwerk, was den heute in der Regel ja Streicher-armen Schulorchestern ebenso entgegenkommt wie der motivierende Mitgeh-Effekt, den die heute – mehr als einst Klassisch-Kanonisiertes – in der Öffentlichkeit bekannten Themen auf die jungen Musiker wie ein breiteres Publikum haben. Da braucht es tatsächlich keinen thematischen Zusammenhang, weder auf der Ebene des Sujets noch des kompositorischen Materials: Fraas koppelt die Musiken aus ‚House of Cards‘ und ‚Game of Thrones‘ ebenso unbefangen direkt aneinander wie der amerikanische Brass-Band-Spezialist Jay Bocook Melodien aus ‚Batman‘ (Danny Elfman), ‚Der mit dem Wolf tanzt‘ (John Barry) und ‚Robin Hood‘ (Michael Kamen). Wie das mit solch plötzlichen Übergängen zwischen den gänzlich differenten Film-Bildern im Konzert dann tatsächlich wirkt, sei dahingestellt: Das Booklet zeigt ja beeindruckende Fotos von Open-Air-Events mit viel Leinwand zwischen Viadukt-Kulisse und Orchesterbühne und Wunderkerzen im altersmäßig bunt gemischten Publikum. Der Abwechslung der szenischen Idiome steht ja wie gesagt die akustische Geborgenheit im weitgehend standardisierten ‚symphonischen‘ Klang zur Seite, der trotz so differenter Vorlagen wie dem ‚Bonanza‘-Rittmuster gegenüber ebenso alten Schlagern aus Disneys ‚Dschungelbuch‘-Verfilmung eine überraschende durchgängige Identität wahrt (gerade auch durch die weitreichende Dominanz volltönenden Tutti-Spiels).

Identität des Sounds jenseits der Film-Sujets

Die musikalischen Qualitäten der Vogtland-Philharmonie und des gleichwohl ebenso eher etwas hallig-kompakten wie in den Instrumentengruppen und Soli dennoch zumeist punktuell plastischen Surround-Sounds (und seiner stereophonen Kopfhörer-Reduktion) gehen in dieser klanglichen Einheitsästhetik mehr oder minder auf: Erstaunlicherweise verzeichnet die Programm-Reihenfolge ein klares Gefälle: Am schwungvollsten wirken auf mich tatsächlich der allbekannte ‚Star Wars‘-Fanfaren-Einstieg, das spielerisch leichtgemachte ‚Drachenzähmen‘, wo die Arrangements von Sean O‘Loughlin eben sehr Blech-orientiert dem Orchester liegen. Für die alleine oft etwas matter klingenden Streicher ist das regelmäßige Collaparte-Spiel eben mit lauteren Bläserstimmen oder auch den Querflöten – an denen in Schulorchestern ebenso eher selten Mangel herrscht – in jedem Falle günstig. An die Qualitäten etwa der amerikanischen Pops-Orchester mit solchen Programmen – man vergleiche nur ‚Batman‘ aus dem Vogtland etwa mit Kunzels Cincinnati Pops auf dem Fantasy-and-Science-Fiction-Sampler ‚Fantastic Journey‘ (Telarc 1990) – reichen die Blechbläser ansatzweise, die Streicher und der Gesamtklang aber kaum heran.

Einen wirklich lockeren Big-Band-Swing habe ich im Dschungelbuch-Potpourri ebenso vermisst wie die drängende Insistenz, die den Original-Intro-Soundtrack von ‚Game of Thrones‘ auszeichnet. Somit erscheint gerade das Hitparadenhafte dieser Filmmmusik-Zusammenstellung zwar zunächst ganz spannend und attraktiv, doch zunehmend fallen qualitative Diskrepanzen in Artikulation und Klangphantasie dieser orchestralen Wiedergaben ins Gewicht, die zu Live-Bildern vielleicht weniger auffallen als bei mehrmaligem reinem Hören (mit dem ein oder anderen Vergleich zu den Original-Soundtracks und anderen Arrangements). Gerade der finale Vortrag der eigentlich erzählerisch starken Jerry-Brubaker-Einrichtung von Musik aus ‚Der Polarexpress‘ hinterlässt da einen im gelegentlich stampfenden In-Schwung-Kommen, in der rhythmischen wie dynamischen Artikulation selten hinreichend prägnanten Eindruck.

Diese Filmmusik-Hitparade mit anregender, eher unterhaltsam-locker als cineastisch-informativ geschriebener Booklet-Kommentierung hat sicherlich faktisch für viele Hörer den Reiz, einfach Bekanntes wiederzuentdecken, und darüber hinaus für Orchesterleiter, die Entsprechendes für ihr Ensemble suchen, einen gewissen informativen Wert. Für eine im Konkurrenzfeld von Original Soundtracks und den diversen Samplern ähnlicher ‚symphonischer‘ Rezeption tatsächlich genuin künstlerische Aufmerksamkeit erregende Hochglanz-Produktion fehlt es dann aber doch an konzeptioneller Originalität und orchestraler Ausnahmequalität.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sounds of Hollywood Vol. 3: Filmmusik

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
03.03.2017
EAN:

4260052382288


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ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
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