> > > Mahler, Gustav: Sinfonie Nr. 9
Montag, 26. Februar 2018

Mahler, Gustav - Sinfonie Nr. 9

Die vierte Neunte


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Historisch wertwoll mit leichter klangtechnischer Patina: Das NDR Sinfonieorchester spielt unter Kurt Sanderling Mahlers Neunte.

Der 2011 im Alter von 99 Jahren verstorbene Kurt Sanderling dürfte einer der faszinierendsten und zugleich zu wenig bekannten Mahler-Dirigenten des 20. Jahrhunderts sein. Nachdem er 1935 als deutscher Jude ausgebürgert wurde, leitete er zusammen mit Jewgeni Mrawinski beinahe 20 Jahre lang die Leningrader Philharmoniker (Sankt Petersburger Philharmoniker). Als enger Freund Schostakowitschs pflegte er nicht nur die Aufführung von dessen Werken, sondern machte sich auch für die Sinfonik Gustav Mahlers stark. Später nahm er mit dem Berliner Sinfonieorchester (heute Konzerthausorchester Berlin) , das er ebenfalls fast 20 Jahre lang leitete, einen bedeutsamen Zyklus der Sinfonien von Sibelius auf – so viel zum angeblichen Widerspruch zwischen Mahler und Sibelius. Noch zu seiner Schulzeit durfte der Rezensent um die Jahrtrausendwende in der Hamburger Musikhalle (heute Laeiszhalle) eines der Konzerte des NDR Sinfonieorchesters (heute NDR Elbphilharmonie Orchester) unter Sanderling mit der Sinfonie Nr. 15 von Schostakowitsch erleben, das sich in sein Gedächtnis einbrannte. Ebenfalls aus der Laeiszhalle, aber bereits aus dem Jahr 1987, stammt dieser von Störgeräuschen freie Mitschnitt von Mahlers Neunter Sinfonie. Anders als bei den meisten anderen Aufnahmen ist hier nur ein einziger Konzertabend zu hören, nämlich die Aufführung vom 7. Dezember 1987.

Dass dieser Mitschnitt jetzt aus dem Archiv geholt und veröffentlicht wurde, ist einerseits natürlich erfreulich. Andererseits gibt es Mahlers Neunte unter Sanderling bereits dreimal auf CD, jeweils einmal mit dem BBC Northern Symphony Orchestra (heute BBC Philharmonic - das war's dann aber auch mit den Umbenennungen), Philharmonia Orchestra und Berliner Sinfonieorchester. Von der Schließung einer Lücke kann also nicht die Rede sein. Gleichwohl: Die Qualität der Interpretation spricht für sich, Mahlerianer dürften hier nicht enttäuscht werden. Das NDR Sinfonieorchester agiert nahezu fehlerfrei, nur einmal ganz zu Beginn wackelt es in den Violinen. Aber selbst schwere Passagen wie in der 'Rondo-Burleske' für die Trompete werden glänzend bewältigt. Sanderling führt mit sicherer Hand durch den mäandernden Kopfsatz und arbeitet dabei nicht nur die flackernden Abstürze und plötzlichen Stimmungswechsel heraus. Auch die Holzbläser treffen im zweiten 'Ländler'-Satz den Wirtshaustonfall wunderbar, und die Streicher verstrahlen im 'Adagio' intensive Wärme.

Leider merkt man der Aufnahme aber klangtechnisch ihr Alter etwas an, denn gerade in den hohen Lagen klingen die Violinen kälter und metallener als es live eigentlich der Fall ist. Zudem ist die komplette Durchhörbarkeit des Orchesterapparates trotz grundsätzlich vorhandener Transparenz nicht immer ideal gegeben. Insofern ist diese Aufnahme für alle Liebhaber der Kunst von Kurt Sanderling sicher zu empfehlen, in besonderer Weise ragt sie aber auch aufgrund der Massen an Konkurrenzeinspielungen der Mahler 9 auf ähnlich hohem Niveau eher nicht hervor. Der Booklet-Text bewegt sich auf Konzertführniveau.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mahler, Gustav: Sinfonie Nr. 9

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
24.03.2017
EAN:

881488170078


Cover vergössern

Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
PROFIL: Ein Programm - eine Verpflichtung aus Tradition!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Profil - Edition Günter Hänssler:

  • Zur Kritik... Für Tournee und Touristen?: Muss man das verstehen? Innerhalb kürzester Zeit kommen gleich drei verschiedene Versionen von Bruckners Vierter Symphonie heraus, dirigiert von Christian Thielemann. Ist seine Interpretation so genial, dass sie das rechtfertigt? Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Schubert auf russisch: Swjatoslaw Richter spielt Schubert und erkundet dabei fast durchweg extreme Ausdrucksbereiche. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Mit Augen voll Tränen: 'Der Rosenkavalier' hier sorgsam edierte 'Rosenkavalier' von 1950 unter Rudolf Kempe sowie rarstes Bonusmaterial machen diese Produktion unverzichtbar. Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Profil - Edition Günter Hänssler...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Aron Sayed:

  • Zur Kritik... Gebührlich abgehen: (H)allejuja die Zweite: Die zweite Box der Schütz-Gesamteinspielung hält in mehrfacher Hinsicht das hohe Niveau. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Meeresbilder: Diese Einspielung von Zemlinskys 'Seejungfrau' mit dem ORF-Radio-Symphonieorchester Wien unter Cornelius Meister braucht sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Lamentoso: Mit schlanker Expressivität: Teodor Currentzis' Sicht auf Tschaikowsky 'Pathétique' mit MusicAeterna klingt spannungsvoll genug, um zu bestehen. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Aron Sayed...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Sinfonische Psalmen: Ein feines Programm von Strawinsky bis Zemlinsky, von motivierten Ensembles stilsicher und inspiriert musiziert. Zweifellos eine ungewöhnliche Tenebrae-Platte – aber eine gewohnt hochklassige. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Profiliertes Klanggemälde: Unter Leitung von Frank Strobel spielt das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin die vollständige Musik zu Fritz Langs Film 'Metropolis'. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Gegen den Strich gebürstet: Valery Gergiev zeigt neue interpretatorische Einsichten in Rachmaninows Erste Sinfonie. Aber nicht alles überzeugt gleichermaßen. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (2/2018) herunterladen (2465 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Richard Strauss: Aus Italien op. 16 - Am Strand von Sorrent. Andantino

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Winfried Rademacher im Portrait "In jedem Ton schwingt der Mensch mit, der ihn produziert"
Winfried Rademacher sucht als Geiger auch gerne Kostbares auf Nebenwegen

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich