> > > Nápravník, Eduard: Sämtliche Klaviertrios
Freitag, 5. März 2021

Nápravník, Eduard - Sämtliche Klaviertrios

Kammermusik vom Opernmann


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der große russische Operndirigent Eduard Naprawnik verstand sich offenbar auch auf Kammermusik: Seine beiden Klaviertrios werden ansprechend interpretiert vom Spyros Piano Trio.

Der Name Eduard Naprawnik (1839–1916) kann Kennern der russischen Musik durchaus geläufig sein, allerdings nicht in erster Linie als Komponist. Er war mehr als 50 Jahre als äußerst erfolgreicher Chefdirigent und damit zumindest zeitweise mehr oder weniger auch Alleinherrscher am Petersburger Mariinskij-Theater und machte als solcher mitunter seinen komponierenden Kollegen, insbesondere denen des ‚Mächtigen Häufleins‘, das Leben schwer, indem er ihre Opern ablehnte oder nur mit Kürzungen aufführte. Die wiederum bezeichneten ihn als ‚großen Handwerker der Musik‘. Rimskij-Korsakow indes meinte, er sei sogar nur ein durchschnittlicher Handwerker der Musik.

In seiner Autobiographie schrieb Rimskij-Korsakow: ‚Naprawniks unschätzbarer Vorzug ist sein beinahe schon krankhaft empfindliches Gehör. Wie er, zum Beispiel auf Orchesterproben, jeden noch so kleinen Fehler heraushört und sofort korrigiert, das ist wirklich erstaunlich (…). Was man ihm noch nachrühmen muß, sind seine Charakterfestigkeit, seine Genauigkeit sowie als Dirigent eine schöne Schlagtechnik (…). Doch was darüber hinaus? Darüber hinaus sein Hang zu mitunter unerträglich schnellen Tempi, metronomischer Gleichförmigkeit und harten, abrupten Tempowechseln, was letzten Endes zu unkünstlerischer Interpretation führt.‘

Diese Einschätzung ist höchstwahrscheinlich ungerecht, denn bei seinem Orchester und dem Publikum genoss Naprawnik hohes Ansehen und muss auf alle Fälle unter die bedeutendsten Persönlichkeiten im russischen Musikleben des 19. und sogar noch des beginnenden 20. Jahrhunderts gerechnet werden. An anderer Stelle äußert sich Rimskij-Korsakow denn auch positiver über Naprawnik; von dessen Werken scheint er indes nichts gehalten zu haben. Das beruhte offenbar mehr oder weniger auf Gegenseitigkeit, denn noch 1882 äußerte Naprawnik allen Ernstes die Ansicht, dass es ‚keine guten russischen Opern gibt‘.

Naprawniks eigene Musik erklingt selten genug. Eine neue, bei MDG erschienene Platte enthält seine beiden Klaviertrios. Sie sind in ihren Themen zum Teil deutlich russisch gefärbt, nicht nur im Finale des ersten Trios, das schon 'Alla Russe' überschrieben ist. Sowohl die Verarbeitung der Themen als auch die Behandlung der Instrumente steht wohl nicht auf allerhöchster Stufe und ist anderswo origineller. Dennoch ist besonders das zweite Trio ein kurzweiliges und inspiriertes Werk, in dem vor allem Scherzo und langsamer Satz einen positiven Eindruck machen.

Gut gelungen ist der Klang der Dabringhaus und Grimm-Platte, der sehr natürlich wirkt und keine Schwächen in der Balance aufweist. So kommt auch die dynamische Gestaltung der Interpreten gut zur Geltung, die durchaus kontrastreich ist. Das erst relativ kurze Zeit bestehende Spyros Piano Trio (Tatiana Korsunskaya, Klavier; Bartek Niziol, Violine; Denis Severin, Cello) überzeugt mit quicklebendigem Zugriff vor allem im Scherzo und grundsätzlich mit knackigen Konturen. Manchmal allerdings sind Staccati im Klavier durch den Pedaleinsatz nicht mehr erkennbar. Der Unterschied fällt auf, wenn die Streicher dasselbe Motiv spielen, etwa im Scherzo des ersten Trios.

Als Zugabe (zwischen den beiden Trios) spielt das Spyros Piano Trio noch die eigene Bearbeitung eines kleinen Klavierstücks mit dem Titel 'Mélancolie'. Das Beiheft enthält eine sehr gelungene Einführung mit Infos über Komponist und Werke.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Nápravník, Eduard: Sämtliche Klaviertrios

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
24.02.2017
Medium:
EAN:

SACD
760623199665


Cover vergössern

MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag MDG:

  • Zur Kritik... Lehrer und Schüler: Wiederveröffentlichung zweier respektabler CDs mit Kammermusik von César Franck und Ernest Chausson. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Vertane Chance: Das Leipziger Streichquartett bleibt für die Erkundung der ersten beiden Gattungsbeiträge Joachim Raffs interpretatorisch zu zahm. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Musikalischer Querkopf: Das Franz Ensemble spielt auf seiner neuen Platte groß besetzte und sehr eigenwillige Kammermusik von Franz Berwald. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von MDG...

Weitere CD-Besprechungen von Jan Kampmeier:

  • Zur Kritik... Musikalischer Querkopf: Das Franz Ensemble spielt auf seiner neuen Platte groß besetzte und sehr eigenwillige Kammermusik von Franz Berwald. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Wien statt Hollywood: Das Ensemble Spectrum Concerts Berlin spielt expressive Kammermusik von Erich Wolfgang Korngold. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Klingende Geschichtsstunde: Das russische Brahms Trio präsentiert auf seiner neuen Platte mit Werken von Aljabjew, Glinka und Rubinstein die Anfänge des Klaviertrios in Russland. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Jan Kampmeier...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (3/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Sir Hubert Parry: An English Suite - Sraband

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich