> > > Virgin and Child: Music from the Baldwin Partbooks II
Freitag, 15. Dezember 2017

Virgin and Child - Music from the Baldwin Partbooks II

Marienverehrung


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Owen Rees und Contrapunctus setzen ihren Streifzug durch die Baldwin Partbooks auf hohem Niveau fort. Eine feine Platte englischen Kontrapunkts.

Die Ende des 16. Jahrhunderts vom Sänger der Chapel Royal, John Baldwin, angelegten ‚Baldwin Partbooks‘ enthalten eine große Zahl der wunderbarsten Motetten aus englischer Meisterhand. Eine erste Platte des von Owen Rees geleiteten Vokalensembles Contrapunctus im Jahr 2015 hat davon eindrucksvoll Zeugnis abgelegt. Und auch der zweite Teil dieser kleinen Reihe, gerade bei Signum Classics erschienen, unterstreicht die Qualität der Kompositionen der Sammlung. Auf der aktuellen Platte liegt der Schwerpunkt auf der Marienverehrung katholischer Prägung, wie sie in der Tudor-Zeit noch durchaus üblich war, aller religiösen Verwirrung zum Trotz, die unter Edward VI. einen deutlichen Schub in Richtung Protestantismus brachte, der, zunächst von der katholischen Maria relativiert, unter der Herrschaft Elisabeth I. weiter vorangetrieben wurde. Für diesen oft versteckten Teil, für die im engeren Sinn katholische Kirchenmusik, sind die ‚Baldwin Partbooks‘ eine erstrangige Quelle, blieben doch viele Komponisten den wechselnden Vorzeichen zum Trotz bei ihrem katholischen Glauben, passten sich freilich in ihrem Schaffen teilweise an die neuen Erfordernisse an, hielten aber auch an überkommenen Inhalten und Glaubenspraktiken fest. Und gerade die Marienverehrung animierte sie zu bemerkenswerten künstlerischen Taten, das unterstreicht das Programm der vorliegenden Platte. Thomas Tallis, John Taverner, Robert White, Robert Fayrfax und John Sheppard gehören zur kompositorischen Crème des 16. Jahrhunderts, auch wenn heute neben Tallis nicht mehr alle Namen einem breiteren Publikum geläufig sind. Doch gerade White oder Fayrfax spielen in den Sammlungen der Zeit eine prominente Rolle und sind auch bei Owen Rees und Contrapunctus mit künstlerischem Gewicht vertreten.

Echte Könner

Owen Rees steht mit den Vokalisten seines Ensembles eine famose, geradezu luxuriöse Besetzung zur Verfügung, bestens vertraut auch aus anderen Formationen und stilistisch hochversiert: Unter anderem sind Esther Brazil, Amy Haworth, Ruth Provost, Rory McCleery, Matthew Venner, Guy Cutting, Ashley Turnell, Greg Skidmore und Giles Underwood zu hören. Gemeinsam formen sie ungemein charaktervolle Register, sehr plastisch und profiliert. Alt und Bass sind weit über das übliche Maß hinaus präsent und können für ihre Kunst ebenso werben wie für das Prinzip der Kontrapunktik, das eben von tatsächlich gleichberechtigten Stimmen ausgeht. Das Ensemble singt kraftbetont, entschieden, was auch in den abwechselnd eingefügten solistischen Passagen positiv ins Gewicht fällt. Intoniert wird mit entsprechend kräftiger Grundierung, vibrierend, dennoch mit der notwendigen Sensibilität – in jeder Hinsicht eine der großen Stärken des Ensembles. Die weit ausschwingenden Linien der teils ausgreifenden Sätze – das 'Gaude gloriosa Dei mater' von Thomas Tallis erstreckt sich auf über 18 Minuten – sind edel substantiiert, auf großem Atem gesungen. Das Klangbild erwidert diese Größe gelungen, ist erwärmt und von energischer Präsenz. Allerdings mangelt es an letzter Klarheit und Plastizität, was der Musik gewisse Nuancen ihrer Wirkung nimmt.

Owen Rees und Contrapunctus setzen ihren Streifzug durch die ‚Baldwin Partbooks‘ auf hohem Niveau fort. Eine feine Platte englischen Kontrapunkts.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Virgin and Child: Music from the Baldwin Partbooks II

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
signum classics
1
03.02.2017
EAN:

635212047422


Cover vergössern

signum classics

Signum Records is fuelled by the passion to produce great music recorded with integrity and creativity at the highest level.

Signum is a privately-owned and steadily-growing record label that benefits from the commitment and services of its sister company, Floating Earth, the leading production and engineering specialist service provider in Europe.

Having started the label in 1997 Signum now boasts a catalogue of nearly 150 titles and many of which are award winners, nominees or five star review recipients from around the world.

The small Signum team strives to provide a first class service at all times with clients, artists, suppliers and colleagues. Signum works with new and emerging artists and composers through to established artists, making available much-loved areas of repertoire as well as previously unheard, innovative recordings.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag signum classics:

  • Zur Kritik... Naturspektakel: Paul McCreeshs neue 'Season'-Aufnahme ist vielleicht nichts für empfindliche Puristen, dafür aber für alle, denen der Zauber der 'Jahreszeiten' bislang entgangen sein mag. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Emotionsstrotzend: Die Sopranistin Sophie Bevan verfügt über eine große Stimme und macht diese Zusammenstellung mit Konzertarien zu einem großen Genuss - selbst wenn kleine Einschränkungen hinzunehmen sind. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Gesang der Unschuld: Der 12-jährige Aksel Rykkvin fasziniert mit einem Debüt, bei dem keinerlei Wünsche offen bleiben müssen. Schlichtweg grandios! Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle Kritiken von signum classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... De Rore im Porträt: Björn Schmelzer setzt seinen Weg mit Graindelavoix konsequent und unbeirrt fort. Vor allem immer reflektiert und gut begründet. Man weiß eben nicht, wie diese Musik wirklich gesungen wurde. Und Schmelzer kann zeigen, dass es auch so gewesen sein könnte. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Temminghs Vivaldi: Stefan Temmingh und das Capricornus Consort Basel bieten frische, aber nicht überdreht daherkommende Vivaldi-Konzerte, die auch Kontemplation und gewisse Freiheiten kennen. Eine eigenwillige Deutung mit manch besonderer Note. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Hörenswerte Mehrchörigkeit: Giovanni Croce steht in einer beeindruckend großartigen Reihe. Es ist entzückende – sicher nicht alles vor und nach ihr verschattende – Musik voller Lebendigkeit. Genauso so singen und spielen Voces Suaves und Concerto Scirocco das schöne Programm. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Für Tournee und Touristen?: Muss man das verstehen? Innerhalb kürzester Zeit kommen gleich drei verschiedene Versionen von Bruckners Vierter Symphonie heraus, dirigiert von Christian Thielemann. Ist seine Interpretation so genial, dass sie das rechtfertigt? Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Kunst des Sich-Fügens?: Die ultimative, einzig wahre Aufführung eines rätselhaften Werkes? Mit diesem Anspruch kommt eine Neuaufnahme daher (mit mehr als zwanzig Jahren Vorlauf). Überzeugend? Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Der Unbekannte Wagner: Es gibt Werke von Richard Wagner, für die sich die Nachwelt in gewisser Weise zu schämen scheint. Seine frühen Ouvertüren lassen den späteren kompositionsgeschichtlichen Revolutionär kaum schon erahnen. Märkls geballte Sammlung hat aber Informationswert. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Dank an das Leben

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2017) herunterladen (0 KByte) Class aktuell (4/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Frédéric Chopin: 12 Etüden op. 10 - Nr. 6 es-Moll Andante

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Ensemble Armoniosa im Portrait "Unser Ensemble ist geprägt von wirklicher Harmonie"
Das Ensemble Armoniosa über seine neue CD, Historische Aufführungspraxis, gemeinsame Essen, selbstgebaute Instrumente und Musik im Internet.

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich