> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Klavierkonzerte Nr. 9, 11 & 12
Donnerstag, 24. August 2017

Mozart, Wolfgang Amadeus - Klavierkonzerte Nr. 9, 11 & 12

Mozart historisch inkorrekt


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Arthur Schoonderwoerd interpretiert mit seinem Ensemble Cristofori drei Klavierkonzerte Mozarts auf historischen Instrumenten als Folge 6 eines geplanten Gesamtzyklus.

Einige Dinge unterscheiden diese Aufnahme auf Anhieb sehr deutlich von anderen Einspielungen der Mozart-Klavierkonzerte. Die Streicher sind nur einfach besetzt, die Artikulation ist häufig völlig anders gestaltet als gewohnt, der Pianist spielt im Tutti teilweise nach Generalbass-Manier mit und schließlich hat die Aufnahme ziemlich viel Hall. Und natürlich sind da die historischen Instrumente, die den Klang ohnehin schon stark verändern. Im Spieler liegt Folge sechs der geplanten Gesamtaufnahme aller Klavierkonzerte Mozarts mit Arthur Schoonderwoerd und seinem Ensemble Cristofori, erstmals sind dabei drei Konzerte enthalten, von denen das erste das berühmte ‚Jeunehomme‘-Konzert (eigentlich: ‚Jenamy‘-Konzert) ist.

Grundsätzlich ist ein weiterer Zyklus auf Originalinstrumenten sehr zu begrüßen, denn das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen, auch nach Vollendung von Ronald Brautigams Gesamtaufnahme. So benutzt der etwa konsequent die historisch ‚falschen‘, weil deutlich zu jungen Flügel. Arthur Schoonderwoerd hat mit der Kopie eines 1782er Vorbildes von Anton Walter die historisch bessere Wahl getroffen. Das sehr angenehm zu lesende Beiheft verrät allerdings, dass er ein Instrument mit belederten Hammerköpfen verwendet, was zu Mozarts Zeit noch nicht üblich gewesen sei. Der Klang ist demnach auch hier nicht der, den Mozart selbst erwartete. Zudem passt die Stimmung seines Instruments, für die Schoonderwoerd laut Beiheft selbst verantwortlich ist, manchmal nicht ganz perfekt zum Ensemble, so etwa im zweiten Satz des ‚Jeunehomme‘-Konzerts, aber auch anderswo. Die Unterschiede in der Artikulation kommen bei Interpreten der historischen Aufführungspraxis nicht unerwartet, der starke Hall ist Geschmackssache, die Aufnahme wurde in einer Kirche im französischen Besancon verwirklicht.

Wie aber ist die einfache Besetzung der Streicher zu bewerten? Im Beiheft kann man nachlesen, dass Mozart in der Salzburger Hofkapelle etwa 25 Musiker zur Verfügung hatte, Cristofori spielt auf dieser Platte mit neun Musikern. Aus historischen Gründen lässt sich die Besetzung also nicht rechtfertigen. Berücksichtigt man die belederten Klavierhämmer, kann man eigentlich kaum behaupten, dass diese Aufnahme historisch korrekter wäre als eine beliebige andere mit modernen Instrumenten, die sich dann aber auch gar nicht erst den Anschein gibt.

Von der Balance (die sich auf einer Platte natürlich immer entsprechend mischen lässt) ist die einfache Streicherbesetzung übrigens hier noch einigermaßen unproblematisch, denn der Flügel klingt sehr zart und es sind in diesen drei Konzerten keine Pauken und Trompeten besetzt, so dass auch die einfach besetzten Streicher noch gut zu hören sind. Letztlich wird eben immer wieder mal eine andere Sau durchs Dorf gejagt, denn irgendwie will man sich ja von anderen Deutungsansätzen absetzen. Arthur Schoonderwoerd ist allerdings nicht der einzige, der damit experimentiert; der Pianist Daniel Isoir hat mit seinem Ensemble Petite Symphonie dasselbe getan.

Stattdessen hätte der Pianist sich besser auf lebendige Interpretationen konzentrieren sollen. In einigen Fällen nämlich sind seine Deutungen gelungen, andere Sätze aber – wie etwa das eröffnende 'Allegro' im Konzert F-Dur KV 413 kommen, gemessen an der aktuellen, schwungvollen Musizierpraxis, fast schon betulich daher. Relativ flott sind die Interpreten dagegen ausgerechnet da, wo sie sich ruhig Zeit hätten lassen können: im zweiten Satz dieses Konzerts. Der ist nämlich nicht, wie meistens die Mittelsätze in Mozarts Konzerten, mit 'Andante' überschrieben, sondern mit 'Larghetto'.

Auch in einigen anderen Sätzen kann man Arthur Schoonderwoerds Interpretationen eine schöne Lebhaftigkeit aber nicht absprechen. Positiv fällt beispielsweise der beschwingte Ansatz im Finalrondo des Konzerts A-Dur KV 414 auf, das zu recht den krönenden Abschluss der Platte bildet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Klavierkonzerte Nr. 9, 11 & 12

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
03.02.2017
EAN:

4015023243231


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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