> > > Polychrome: Violinwerke von Ravel, Prokofjew und Strauss
Donnerstag, 22. August 2019

Polychrome - Violinwerke von Ravel, Prokofjew und Strauss

Facettenreich


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Violinist Tobias Feldmann und sein Begleiter Boris Kusnezow stellen mit diesen facettenreichen Interpretationen ihr Können eindrucksvoll unter Beweis.

Eine ‚große Farbpalette‘ und die Breite seines Könnens möchte der junge Violinist Tobias Feldmann auf 'Polychrome' zeigen (mit diesem 2016 erschienenen Tonträger gab er sein Debüt beim französischen Label Alpha Classics). Dies gelingt ihm ausgezeichnet – gemeinsam mit seinem Klavierpartner Boris Kusnezow und mit einem abwechslungsreichen, klug zusammengestellten Programm, das Kompositionen von Ravel, Prokofjew und Richard Strauss vereint.

Feldmanns Geigenton ist charismatisch und aussagekräftig (er spielt auf einem Instrument aus dem Jahr 1769). Die Musiker, deren Zusammenspiel von einer überragenden Homogenität ist, verfügen über das notwendige Feingefühl und technische Vermögen, um Ravels rätselhaft-klare Musik und namentlich den lyrischen ‚Impressionismus‘ seiner einsätzigen Violinsonate Nr. 1 a-Moll zur Geltung zu bringen. Indem sie Leichtigkeit und noblen Ernst in geradezu perfekter Balance halten, geben sie ein überzeugendes Plädoyer für dieses selten gespielte Werk. Auch die zersplitterte Stilistik von Prokofjews zweiter Violinsonate D-Dur op. 94a (1944) liegt den Interpreten, das Aufgeraut-Burschikose ebenso wie die herbe Lyrik. Im Andante ist der Geigenton weich und schlackenlos, das neoklassisch angehauchte 'Allegro con brio' erklingt zupackend, aber nicht grob. Den Überschwang von Richard Strauss‘ Violinsonate Es-Dur op. 18 aus dem Jahr 1888 mit ihrer ‚wilhelminischen‘ Spätromantik schließlich formulieren die Interpreten eloquent aus. Feldmann lässt die Spitzentöne intensiv leuchten. Kusnezow ist seinem anspruchsvollen Part jederzeit gewachsen und entfaltet quasi-orchestrale Klangwirkungen.

Das Booklet bietet statt Werkeinführungen ein instruktives Interview mit dem Geiger. Feldmann schwärmt hier völlig zu Recht von der Akustik der Jesus-Christus-Kirche in Berlin, in der die Aufnahme entstand: Der Klang ist warm und klar – ein Genuss wie die ganze empfehlenswerte Einspielung, die außerdem, wie bei diesem Label üblich, mit einer gediegenen Aufmachung für sich einzunehmen weiß.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Polychrome: Violinwerke von Ravel, Prokofjew und Strauss

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
03.02.2017
Medium:
EAN:
CD
3760014192531

Cover vergössern

Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Alpha Classics:

  • Zur Kritik... Singende Sphinx: Auf dieser gelungenen Produktion präsentiert das Ensemble intercontemporain mit kompetenten Solisten Werke von Bartók und Ligeti. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Wer die Sehnsucht kennt: Barbara Hannigan und Reinbert de Leeuw tauchen tief ins Wiener Fin de Siècle ein. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Die Oper der Oper: Ein großer musikalischer Spaß zum dreißigjährigen Jubiläum von Le Concert Spirituel. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
blättern

Alle Kritiken von Alpha Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Dennis Roth:

  • Zur Kritik... Zu verbindlich: Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller und die chinesische Geigerin Tianwa Yang widmen sich Wolfgang Rihms Werken für Violine und Orchester. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Monumentaler Mahler: Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks präsentieren Mahlers Zweite Sinfonie auf höchstem Niveau. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Ausdruckstiefes Meisterwerk: Wolfgang Rihms 2017 uraufgeführte 'Requiem-Strophen' in einer geradezu mustergültigen Interpretation unter der Leitung von Mariss Jansons. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Dennis Roth...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Erkundenswertes Süditalien: Nicola Logoscino bereichert die Musikgeschichte Neapels und Sizilens. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Strahlende Vielfalt: So muss man Telemann spielen: gewitzt und wendig, intensiv in den Affekten, flexibel in der Deutung des formalen Rahmens, kundig in der stilistischen Vielfalt. Michael Schneider und La Stagione Frankfurt mit einem beeindruckenden Finale der Reihe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Ein Tscheche in Amerika: Jirí Belohlávek bringt mit der Tschechischen Philharmonie Bohuslav Martinus Opernpastorale 'What men live by' und die erste Symphonie zum Leuchten. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich