> > > Saint-Saens, Camille: Orchesterlieder
Freitag, 22. September 2017

Saint-Saens, Camille - Orchesterlieder

Vom Zauber des Besonderen


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Einspielung der 'Mélodies avec orchestre' von Camille Saint-Saens ist etwas Besonderes – in jeder Hinsicht.

Mit vorliegender Aufnahme der 'Mélodies avec orchestre' von Camille Saint-Saens ist dem Label Alpha etwas wirklich Besonderes gelungen. Besonders, weil es sich bei allen 19 Liedern auf diesem Album um Weltersteinspielungen dieser Orchesterfassungen handelt, und zudem besonders, weil alle beteiligten Künstler in Gesang, Spiel und Dirigat den Zauber des Besonderen verströmen. Wer eine leicht zu konsumierende Unterhaltungs-CD sucht, wird mit diesem im besten Sinne unaufgeregten Album vielleicht nicht restlos glücklich sein, denn es erfordert Ruhe und Konzentration, um jedes Lied für sich wirken lassen zu können.

Das Material für diese Orchesterlieder tauchte erst vor einigen Jahren in Italien wieder auf. Bis dahin war Camille Saint-Saens als Komponist von Orchesterliedern letztlich nicht im Bewusstsein des heutigen Musikbetriebs. Was mit Berlioz ungemein populär wurde und Mahler zu neuen und abschließenden Dimensionen führte, beschäftigte Zeit seines Lebens auch Camille Saint-Saens: das Orchesterlied. Im schön gestalteten Beiheft dieser neuen CD lässt sich nachvollziehen, wie der Komponist mit seinen Orchesterliedern (oder zumindest den orchestrierten Varianten seiner Klavierlieder) der Vorherrschaft der Opernarien im Konzert etwas entgegensetzte, der Dichtung zu ihrem Recht verhilft und gleichzeitig mit großem Nationalbewusstsein eine Gattung stilistisch prägt. Leider sind die Liedtexte im Booklet nur zweisprachig abgedruckt. Hier muss für das genaue inhaltliche Verständnis das Französisch des Hörers vorausgesetzt werden oder zumindest das Schulenglisch überdurchschnittlich sein.

Die vorliegende Einspielung scheint für alle Beteiligten eine Herzensangelegenheit – zumindest klingt sie so. Markus Poschner und das vorzüglich spielende Orchestra della Svizzera Italiana tragen die beiden Solisten quasi auf Händen. Die akustische Zurückhaltung des Klangkörpers ist werkimmanent, aber Poschner und seine Musiker zeigen deshalb keine Schüchternheit. Sie zaubern mit Farben und feinster dynamischer Abstufung und beweisen, wie ein mehrköpfiger Liedbegleiter einfühlsam unterstützen kann. Da wehen sanfte Lüfte und es duftet verführerisch nach französischer Musik.

Der Tenor Yann Beuron und der Bariton Tassis Christoyannis sind die kongenialen Partner in diesem Projekt. Beide Sänger verfügen über ein beneidenswertes Farbspektrum und die dafür notwendige Fantasie, wie diese Farben einzusetzen sind. Beim Hören des Album verliebt man sich daher sofort in einzelne Phrasen, wie in Beurons schwereloses 'Mon coeur, dont rien ne reste' in 'Rêverie' oder die entwaffnend direkte Intimität, die Christoyannis in 'Extase' mit 'Je puis maintenand dire' entwickelt. Hier wird ohnehin mit einer unnachahmlichen Eleganz phrasiert, während dem Wort ganz nebenbei die wichtigste Rolle zufällt. Sowohl Christoyannis als auch Beuron artikulieren prägnant, ohne jedoch belehrend oder affektiert zu wirken. Es ist ein Spiel mit der Sprache, die sich musikalisiert auf den Orchestersatz bettet.

Das Spektrum der erzählten Geschichten reicht von Naturbeobachtung über die Liebe bis hin zum Tod. Schon die ersten vier Lieder machen deutlich, wie vielfältig Saint-Saens Einfallsreichtum und seine Stilistik sind. Während Beuron in 'Angélus' noch zart intoniert und der Sprachmelodie folgt, geht es in 'L’Attente' deutlich leidenschaftlicher und bewegter zur Sache. 'Rêverie' ist dann ein Beispiel für einen melodiös vertrauten Liedcharakter und das tänzerische 'La brise' aus den 'Mélodies Persanes' entführt den Hörer in die exotische Fernen.

Man könnte bei diesem Album ununterbrochen ins Schwärmen geraten – sei es über einzelne Töne, wie die leicht angetippte, stilistisch perfekt abgemischte Höhe Yann Beurons in 'Souvenances', den langen Atem der warmen und hell timbrierten Stimme von Tassis Christoyannis oder den offenkundigen Zauberstab, den Markus Poschner über allem schwingt. Da kommt man schließlich wieder zum Anfang zurück: Saint-Saens’ 'Mélodies avec orchestre' sind etwas Besonderes – in jeder Hinsicht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Saint-Saens, Camille: Orchesterlieder

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
03.02.2017
EAN:

3760014192739


Cover vergössern

Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Alpha Classics:

  • Zur Kritik... Mit Feingefühl: Véronique Gens erweist sich als formidable Interpretin dieser weithin unbekannten französischen Preziosen. Die Sängerin scheint in vielerlei Hinsicht keine Grenzen zu kennen - ein Glück für den Hörer. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Meisterhafte Gestaltung: Das Belcea-Quartett liefert eine der besten Einspielungen von Johannes Brahms' Streichquartetten seit langem. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Ein Kosmos: François Lazarevitch ist ein herausragend begabter Flötist, der Telemanns Solo-Fantasien zu einem höchst erfrischenden Ereignis voller Unmittelbarkeit und Präsenz macht – Alte Musik sehr lebendig. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Alpha Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Königin und Göttin: 'Cleopatra' ist ein absoluter Hit und es ist dem Album zu wünschen, dass es die ihm zustehende internationale Beachtung findet und hoffentlich zum Verkaufsschlager wird. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Biedere Altersliebe: Alt-Wiener Sujets waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Mode. Mit diesem Hintergrundwissen muss man auch die Neueinspielung beim Label cpo hören, um nicht kopfschüttelnd die Stopp-Taste zu bedienen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Dunkles Ritterepos: Diese neue 'Schöne Magelone' ist zweischneidig in ihrer Wirkung: Auf der einen Seite lädt sie nicht wirklich zum Mitfiebern oder Angesprochensein ein. Auf der anderen Seite ist sie zumindest in ihrer konsequenten Schwermut und Düsternis bemerkenswert. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Mit starkem Pinsel: Daniel Raiskin und das Staatsorchester Rheinische Philharmonie legen sich für den dänischen Sinfoniker Louis Glass voll ins Zeug und bringen das Interessante und Ansprechende dieser vielfarbigen Musik sehr gut zur Geltung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Seltene Erden: Ein Dokument des Gelingens. Weiter...
    (Dr. Daniel Krause, )
  • Zur Kritik... Besser als die Vorlage: Der Pianist Blazej Kwiatkowski versteht Chopins Lieder als ganz persönliche Tagebucheinträge des Komponisten. Gemeinsam mit empathischen Stimmen und begleitet auf einem Breadwood von 1847 belässt er sie in ihrer Schlichtheit. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2017) herunterladen (1880 KByte) Class aktuel (3/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Feliks Nowowiejski: Quo Vadis - Come, brothers, come, and sing to the Lord!

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich