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Dienstag, 12. November 2019

Imago - Werke von Lasso, Willaert, de Rore, Desprez u.a.

Exquisit


Label/Verlag: Stradivarius
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine gehaltvolle Platte, deren Programm unterstreicht, wie intensiv die Renaissance aus dem Altertum inspiriert war, über eineinhalb Jahrtausende hinweg. Darüber hinaus ein feines Ensemble-Porträt von De Labyrintho.

Das vom famosen Bassisten Walter Testolin geleitete italienische Ensemble De Labyrintho tritt nicht häufig mit CD-Produktionen hervor, aber wenn, dann künstlerisch sehr vernehmlich, vor allem mit Josquin Desprez, dazu Orlando di Lasso, Carlo Gesualdo und Giovanni Pierluigi da Palestrina. So ist auch die aktuelle Platte unter dem Titel ‚Imago‘ von Interesse, die Renaissance-Vertonungen einiger Texte des römischen Dichters Vergil gewidmet ist.

Die Musik kann in der Renaissance gewissermaßen als nachholende Kunst gesehen werden, die bis Ende des 16. Jahrhunderts sehr weitgehend damit befasst war, eine ihren Ursprüngen und Idealen nach mittelalterliche Kunst zu perfektionieren, die Kunst der Kontrapunktik. Der große Aufbruch der individuellen Stimme ins Zentrum der Wahrnehmung, der andere Künste deutlich früher beflügelte, blieb in der Musik dem Zeitalter des Barock vorbehalten. Doch gingen die Einflüsse der Renaissance auch in früheren Phasen keineswegs ganz an der Musik vorbei: Bevor der genuin musikalische, ästhetische wie satztechnische Aufbruch kam, hielten Texte großer klassischer Heroen Einzug in Motetten und frühe Madrigale, zum Beispiel von Vergil, der an den norditalienischen Höfen des 16. Jahrhunderts groß in Mode war und mit seinen großen Werken von den ‚Eklogen‘ bis zur ‚Aeneis‘ ja auch reichlich Stoff für eine intensive künstlerische Auseinandersetzung bot. Das spiegelt das feine Programm, das neben Texten Vergils auch solche einiger vom Klassiker inspirierter Nachfolger vereint, und das in den Werken einer Reihe von erstklassigen Komponisten: Josquin Desprez, Orlando di Lasso, Adrian Willaert, Cipriano de Rore, Jacques Arcadelt oder Jachet de Mantua gehören zur Crème der Tonsetzer jener Zeit. Josquin ist an kontrapunktischer Klasse vielleicht das Schwergewicht und wirkt auch in diesem illustren Kreis unerreicht, Arcadelt, Willaert und de Rore bringen mit einigem Ertrag schon größere Anteile gestischer Beweglichkeit ein.

Lichter Klang

Walter Testolin, aus vielen Produktionen als beeindruckender Bassist bekannt, im eigenen Ensemble aber lediglich dirigierend aktiv, hat De Labyrintho zu einer versierten Formation herangebildet, mit hörbar großer Erfahrung im Renaissance-Repertoire. Das Klangideal ist prägnant: hell, auf der Basis charakteristischer Einzelstimmen, sehr deutlich zu erleben beim Altus Alessandro Carmignani oder dem Bass Marco Scavazza, mit perfekt kontrollierter Kraft und einer gewissen Süße, einem melancholisch-sehnenden Zug, wenn diese zweifellos wenig präzise Formulierung gestattet ist. Intoniert wird makellos, nicht die kleinste Trübung ist zu hören. Die neun Vokalisten präsentieren geduldig große Linien, getragen von fast unendlichem Atem. Im lichten Gewebe wird in angemessener Dezenz gesungen, die Impulse der Texte subtil verlebendigend. In der Summe ein Ensemble, das in allen wesentlichen Parametern erstklassig agiert. Vielleicht wirkt der Sopran gelegentlich etwas sehr schmal, tritt einer der beiden Tenöre vereinzelt mit zu rauen Vokalen hervor – entscheidend sind diese Einschränkungen keineswegs.

Zur besonderen Qualität der Platte tragen auch die von Testolin hinzugezogenen Instrumente ganz wesentlich bei, die einige der Sätze den Gepflogenheiten der Zeit gemäß rein instrumental bieten: Ein feines Gamben-Consort lässt mit klanglich eleganten, strukturell klarsichtigen kontrapunktischen Erörterungen aufhorchen, eine einzelne Blockflöte ergänzt frische Farben zum Vokalklang. Technisch bietet die Aufnahme ein sehr angemessenes Porträt des Ensembles – klar zeichnend, eher hell und strahlkräftig, mit schöner Präsenz der profunden Bässe, überwölbt von fein kontrollierter Räumlichkeit.

Eine gehaltvolle Platte, deren Programm unterstreicht, wie intensiv die Renaissance aus dem Altertum inspiriert war, über eineinhalb Jahrtausende hinweg. Darüber hinaus ein feines Ensemble-Porträt von De Labyrintho.


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    Imago: Werke von Lasso, Willaert, de Rore, Desprez u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Stradivarius
1
03.02.2017
Medium:
EAN:

CD
8011570370655


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Stradivarius

Das 1988 gegründete Label STRADIVARIUS hat sich auf dem internationalen Markt als unabhängige Schallplattenfirma durchgesetzt, die vor allem auf zwei musikalische Gattungen spezialisiert ist: klassisch - aus der Renaissance und dem Barock - (mit der Reihe Dulcimer) und zeitgenössisch (mit der Reihe Times Future). Diese programmatische Entscheidung kommt aus dem Willen, eine ganz bestimmte und bezeichnende Rolle im heutigen Schallplattenumfeld zu spielen. Insbesondere hat STRADIVARIUS immer das Ziel verfolgt, den Vorrang italienischen Komponisten und Interpreten zu geben, um die bemerkenswertesten italienischen Kulturdarsteller auf aller Welt kennenlernen zu lassen.

In einem weiten Bereich ist STRADIVARIUS tätig: geistige, säkulare, Vokal-, Instrumental-, Solo-, Kammer- und Orchestermusik. Es gibt viele Beispiele seltener Registrieren, die als außerordentliche Kunstwerke weltweit betrachtet werden, wie zum Beispiel die Serie Un homme de concert, die die Zusammenarbeit mit dem berühmten Sviatoslav Richter offiziell festgelegt hat.

Was das zeitgenössische Repertoire betrifft, ist STRADIVARIUS im Laufe der Jahre, dank der Reihe Times Future, ein Bezugspunkt geworden, indem sie Werke von Franco Donatoni, Salvatore Sciarrino, Bruno Maderna, Goffredo Petrassi, Ivan Fedele, Luis De Pablo, Toshio Hosokawa und viele andere veröffentlicht hat.

Bruno Canino, René Clemencic, Alan Curtis, Emilia Fadini, Monica Huggett, Lucas Pfaff, Arturo Tamayo, Maggio Musicale Fiorentino, Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI, Orchestra Verdi di Milano, Orchestre Philarmonique de Radio France, Orquesta y Coro de Madrid: Sie sind nur einige der Musiker und Formationen, die CDs für STRADIVARIUS aufgenommen haben.

Mit der Zeit ist das Bedürfnis entstanden, den Verlegervorschlag weiter zu diversifizieren; dadurch sind wichtige Reihen geboren, und zwar Guitar Collection (unter der Leitung von Frédéric Zigante), Ricordi Oggi (Ergebnis der Zusammenarbeit unter Stradivarius, dem Ricordi Universal Verlag und den Erben des Malers Emilio Tadini) und Milano Musica Festival (in Zusammenarbeit mit Milano Musica und RAI Radio3). Letzte in zeitlicher Reihenfolge ist die Landscape Serie, mit der STRADIVARIUS ihre Bereitschaft beweist, innovative Projekte zu verwirklichen.


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