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Freitag, 22. November 2019

Queens - Arien von Georg Friedrich Händel

Großes Drama um Händels Königinnen


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Roberta Invernizzi präsentiert eine sehr ausdrucksstarke und kraftvolle Interpretation verschiedener auch wenig bekannter Händel-Arien, der aber an einigen Stellen etwas mehr Innigkeit gutgetan hätte.

Nahezu zeitgleich mit der enttäuschenden Anthologie von Sopranarien Georg Friedrich Händels bei Sony, gesungen von Sonya Yoncheva bringt das Label Glossa eine deutlich ansprechendere Sammlung von Händel-Arien, gesungen von Roberta Invernizzi heraus. Auch bei ihr stehen Arien großer Herrscherinnen oder Prinzessinnen im Vordergrund. Dabei konzentriert sich Invernizzi auf die Arien, die Händel für Francesca Cuzzoni und Anna Maria Strada del Pò komponiert hat (obwohl das Essay im Booklet unerklärlicherweise über alle vier großen Sängerinnen, mit denen Händel zusammengearbeitet hat, also auch über Margherita Durastani und Faustina Bordoni schreibt - leider mit vielen Übersetzungsfehlern in der deutschsprachigen Version). Franscesca Cuzzoni, die für ihren expressiven Ausdruck gefeiert, verehrt und gehasst wurde, ist mit den vier Arien der Cleopatra aus 'Giulio Cesare' und einer Arie der Berenice aus der Oper 'Scipione' vertreten, Anna Maria Strada del Pò, die die Expressivität der Cuzzoni mit großer Virtuosität verbinden konnte (und nicht in Skandale verstrickt war) mit je einer Arie aus 'Lontario', 'Giustino' und 'Poro', zweien aus 'Berenice' sowie der großen Arie 'Ah, mio cor' aus 'Alcina'. Die Auswahl der Stücke, auch wenn sie dann doch etwas beliebig scheint, macht schon deutlich, worin ein Verdienst dieser Anthologie besteht: Invernizzi setzt nicht nur auf allzu Bekanntes; die Hälfte der Stücke dürften die wenigsten Hörer kennen.

Roberta Invernizzi geht mir ihrem ausdrucksstarken, großen, nur in der Höhe manchmal etwas flackernden Sopran die Stücke sehr direkt, zupackend, beinahe offensiv an. Der Hörer wird nahezu unmittelbar in jede Arie hineingerissen. Die Sopranistin hat die Tendenz, alles zu einem großen Drama zu machen. Natürlich passt das für die allermeisten Stücke ihrer Anthologie, aber eben nicht für alle. Der melancholische, introvertierte, reflektierte Charakter in Cleopatras Arie 'Piangerò la sorte mia' kommt wenig zur Geltung, und auch die stillere Traurigkeit von 'Se mai turbo il tuo riposo' aus Händels 'Poro' wird stimmlich nur wenig herausgearbeitet. Darin liegt die Schwäche einer ansonsten sehr ansprechenden und geglückten Aufnahme. Begleitet wird Roberta Invernizzi von der Accademia Hermans unter der Leitung ihres Direktors Fabio Ciofini. Das auf Barockmusik spezialisierte Ensemble passt gut zu Invernizzis Stärken der Interpretation: schwungvoll, zupackend, ausdrucksstark, rhythmusbetont – aber auch wenig geheimnisvoll oder ambig begleiten sie die Sopranistin. Der Klang der Aufnahme ist transparent und klar, das Verhältnis von Singstimme zum Orchester ausgewogen, das Booklet bringt neben dem schon erwähnten (in Teilen fragwürdigen) Essay den italienischen Text der Arien nur in einer englischen Übersetzung.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Queens: Arien von Georg Friedrich Händel

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Glossa
1
03.02.2017
Medium:
EAN:

CD
8424562229044


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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