> > > Szymanowski, Karol: Werke für Violine und Klavier
Dienstag, 25. Juni 2019

Szymanowski, Karol - Werke für Violine und Klavier

Elektrisierende Werkschau


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Szymanowskis Werke für Violine und Klavier finden sich auf einer überzeugenden Einspielung des Duos Brüggen-Plank versammelt.

Zu seinem 80. Todestag würdigen die Musikerinnen Henrike Brüggen (Klavier) und Marie Radauer-Plank (Violine) den polnischen Weitgereisten Karol Szymanowski. Fest verankert in der musikalischen Moderne, führte ihn die schöpferische Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten erst an die spätromantische Musik heran, näherte sich dann dem Impressionismus Debussys und dem Mystizismus Strawinskys, bis er seine Inspiration schließlich aus der eigenen Heimat gewann. Mit hochmusikalischen Interpretationen legt das Duo Brüggen-Plank ein berauschendes Plädoyer für sein kammermusikalisches Schaffen vor.

Besonders klangschön sind die 'Mythen' op. 30 gelungen, in der frei behandelten Melodik und Akkordik tritt die eigentümliche Ausdruckskraft, die ganze Fülle an Nuancen, Farben und spieltechnischen Raffinessen hervor. Es sind Szymanowskis Reiseerinnerungen aus den Jahren 1914-19 und seine Studien antiker Mythologie, die dem ungewöhnlich reich gestalteten Zyklus zugrunde liegen. In der reichen Klavierfaktur, den wilden Klangkaskaden und ausbrechenden Einwürfen, klingen die Wasserquellen in Syrakus nach, während die Violine, mit einem orientalischen Kolorit bedacht, eine geheimnisvolle und traumhafte Atmosphäre mythischer Bilderwelten heraufbeschwört: Mit Tonarabesken, Flageoletts, Glissando-Rückungen und mikrotonalen Spielarten übertrug Szymanowski auf kongeniale Weise die Tonsprache und Poetik nahöstlicher Kulturen in sein westliches musikalisches Denken. Auch in der 'Notturno und Tarantella' op. 28 sind immer wieder neu eingefärbte Klangflächen zu hören: Über den spannungsgeladenen, gedämpften Gesang der Violine, über schillernde Akkordstrukturen, dann eckig auffahrende spanische Tanzrhythmen bricht die Tarantella in aller Virtuosität herein.

In exzellentem Zusammenspiel meistert das Duo die spieltechnischen Anforderungen, die dynamischen Schattierungen und dramatischen Ausdrucksgehalte werden bestens eingefangen, und immer wieder rufen ausgedehnte Arpeggien und scharfe dynamische Kontraste beider Musikerinnen ein gleichsam symphonisches Klangvolumen hervor. Leider erscheint die klangliche Balance nicht immer ganz optimal, das Klavier wirkt an mancher Stelle etwas zu hallig und weniger direkt im Klang.

Viele Werke entstanden in enger Zusammenarbeit mit dem Violinisten Paul Kochanski, der zum Teil auch als Aufführungsinterpret oder Arrangeur der hier eingespielten Nummern, 'Chant de Roxane' aus der Oper 'König Roger' op. 46 und 'Danse paysanne' aus dem Ballett 'Harnasie' op. 55, in Erscheinung trat. Die späten Werke sind von ganz anderer Klangästhetik, in denen Szymanowski eine nationalistisch ausgerichtete Musik begründete und Inspiration aus der Volksmusik schöpfte. Er stilisierte folkloristische Elemente und vermied fortan eine dichte Chromatik und komplexe Strukturen, ohne sich jedoch vor zeitgenössischen Kompositionstechniken zu verschließen. Mit dem späten 'Bauerntanz' wird die Werkschau über Szymanowskis faszinierende und facettenreiche Violinkompositionen vervollständigt.

Jasemin Khaleli Kurzkritik von Jasemin Khaleli,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Szymanowski, Karol: Werke für Violine und Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
03.03.2017
Medium:
EAN:

CD
4260036254594


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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